Diakonie Bethanien ist viel mehr als das Lungenfachkrankenhaus

In der Tagespflege essen die Senioren wie Helmut Ruf gemeinsam. Auch das tägliche Zeitunglesen steht auf dem Programm. Matthias Ruf und Claudia Fischer stellen fest, dass die Nachfrage nach dem Angebot steigt. Foto: Christian Beier
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In der Tagespflege essen die Senioren wie Helmut Ruf gemeinsam. Auch das tägliche Zeitunglesen steht auf dem Programm. Matthias Ruf und Claudia Fischer stellen fest, dass die Nachfrage nach dem Angebot steigt.

Die Bedeutung von Tagespflege-Angeboten steigt

Von Manuel Böhnke

Aufderhöhe Ein bewegtes Jahr liegt hinter dem Diakonischen Werk Bethanien. Die Corona-Pandemie hat den Alltag an der Aufderhöher Straße auf den Kopf gestellt. Insbesondere die Lungenfachklinik auf dem Gelände stand in den zurückliegenden knapp 16 Monaten im Fokus. „Wir sind aber viel mehr als das Krankenhaus“, betont der Vorstandsvorsitzende Matthias Ruf. Das gilt für die 1896 gegründete Diakonie an sich. An 20 Standorten in NRW und Hessen beschäftigt Bethanien rund 1900 Mitarbeiter. Das gilt aber auch für den Standort in Aufderhöhe im Speziellen. Auf dem weitläufigen Gelände sind unter anderem Kurzzeitpflegeplätze, Seniorenzentren und Tagespflegeangebote angesiedelt. Die Bedeutung der Letztgenannten steigt.

„Aktuell haben wir zwei Tagespflegen mit insgesamt 35 Plätzen“, erklärt Vorstandsmitglied Hartmut Fehler. 2011 entstand die erste im Haus Ahorn, 2019 kam die zweite im Diakonissen-Mutterhaus hinzu. Das Angebot sei ein wichtiger Baustein für eine „pflegerische Quartiersversorgung“. Dahinter steckt der Gedanke, „Senioren ein selbstbestimmtes Wohnen in der eigenen Häuslichkeit mit gleichzeitiger Versorgungssicherheit zu ermöglichen“. Auch Alltagsbegleiter, ambulante Pflegedienste und Wohngemeinschaften für ältere Menschen dienen diesem Zweck.

Dahinter steckt zum einen der politische Wille, Pflege im Quartier zu fördern. Andererseits wünschen sich viele Menschen, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden bleiben zu können. „Dabei darf man nicht nur an die Pflegedienste denken, sondern muss auch die Angehörigen im Blick haben – häufig tragen sie das größte Päckchen“, betont Hartmut Fehler. Sie zu entlasten, ist eines der Ziele von Tagespflege. Einen bis fünf Tage pro Woche können die Senioren auf dem Bethanien-Gelände verbringen. Dort kommen sie mit Gleichaltrigen in Kontakt und nehmen an Aktivitäten teil. Dem Bethanien-Vorstandsmitglied ist deshalb wichtig, zu betonen, dass eine Tagespflege kein reiner Aufenthaltsort ist. „Sie beugen Vereinsamung vor und tragen dazu bei, Selbstständigkeit zu erhalten“, erläutert Fehler.

„Der Bedarf ist definitiv da.“

Hartmut Fehler, Bethanien-Vorstandsmitglied

Ein Teil der Senioren in der Tagespflege lebt im betreuten Wohnbereich auf dem Bethanien-Gelände. Die übrigen kommen aus anderen Teilen der Stadt. Ein eigener Fahrdienst bringt sie morgens zum Diakonischen Werk. Dort startet der Tag mit einem gemeinsamen Frühstück. Die Besucher lesen zusammen Zeitung, bereiten die Mahlzeiten vor, decken den Tisch. Zudem gibt es Spiel- und Bewegungsangebote. „Wir erleben einen normalen Tag, ohne dass den Menschen alle Aufgaben abgenommen werden“, betont Claudia Fischer. Sie ist für die Tagespflege verantwortlich.

Vor diesem Hintergrund ist es ihr wichtig, mit einem Vorurteil aufzuräumen. Immer wieder gibt es pflegende Angehörige, die ein schlechtes Gewissen haben, wenn ihr Elternteil, Partner oder Familienmitglied die Tagespflege besucht, weil sie eine Auszeit brauchen. „Davon profitieren aber alle. Die Senioren, die gefördert werden, und die Angehörigen, die durchschnaufen können.“

Auch während der Hochphase der Corona-Pandemie blieb die Bethanien-Tagespflege geöffnet. In dieser Zeit haben die Angebote in deutlich kleineren Gruppen und unter Berücksichtigung der nötigen Sicherheitsvorkehrungen stattgefunden. Die hohe Impfquote erlaube wieder mehr Freiheiten, nichtsdestotrotz bleibe man vorsichtig.

Mehr als 30 Personen stehen derzeit auf der Warteliste für einen Platz in der Bethanien-Tagespflege. „Der Bedarf ist definitiv da“, betont Hartmut Fehler. Konkrete Pläne, in Solingen ein weiteres Angebot zu schaffen, gebe es derzeit allerdings nicht. Einen solchen Schritt müsse man vorab genau prüfen. Fest steht: Wenn eine neue Tagespflege geplant wird, sollte diese möglichst außerhalb von Aufderhöhe liegen. In Solingen gebe es noch viele andere Quartiere.

Jubiläum

Das Diakonische Werk Bethanien feiert in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen. Eigentlich sollte anlässlich des Jubiläums ein großes Sommerfest auf den Gelände in Aufderhöhe stattfinden. „Wegen der Corona-Pandemie haben wir uns allerdings dagegen entschieden“, erklärt Vorstandsvorsitzender Matthias Ruf. Stattdessen wird es an den verschiedenen Standorten Aktionen für die Mitarbeiter geben. Am 29. August ist ab 11 Uhr ein Jubiläumsgottesdienst in Kooperation mit dem Bund Freier evangelischer Gemeinden geplant. Er wird live im Internet übertragen. „Außerdem bringen wir ein umfangreiches Magazin heraus“, kündigt Ruf an.

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