Mein Hobby

Er ist Deutschlands Ameisen-Papst

Detlef Ollesch ist glücklich, wenn er seinen Ameisen zuschauen kann. Foto: Daniela Tobias
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Detlef Ollesch ist glücklich, wenn er seinen Ameisen zuschauen kann.

Seine kleine Dachgeschosswohnung teilt sich Detlef Ollesch mit 13 Ameisenvölkern. Bis vor drei Jahren verdiente er damit gutes Geld.

Von Manuel Böhnke

Als Detlef Ollesch vor wenigen Wochen aus dem Urlaub zurückkam, traute er seinen Augen nicht. Geschätzt zwei Millionen Ameisen zogen durch seine kleine Dachgeschosswohnung. Seine Urlaubsvertretung hatte einen der Behälter, in dem die Tiere lebten, nicht richtig verschlossen. Ollesch blieb einzig der Griff zum Staubsauger. Das bedauert der 53-Jährige. Denn für ihn sind die Sechsbeiner keine lästigen Schädlinge, sondern seine große Leidenschaft.

„Ich glaube, das war ein Geburtsfehler“, erzählt Ollesch schmunzelnd über sein Faible für Insekten. Bereits als Kind habe er am liebsten mit Regenwürmern und Spinnen gespielt. Als Teenager zogen die ersten Ameisenvölker in sein Jugendzimmer. Je älter er wurde, desto stärker wuchs sein Interesse. Er recherchierte in Bibliotheken.

Autodidaktisch ist er so zu einem echten Fachmann geworden. „Wenn es die Berufung ist, funktioniert das Lernen ganz einfach“, sagt Ollesch. Vor allem die Schwarmintelligenz der Tiere fasziniert den gebürtigen Mönchengladbacher, der seit 2005 in Solingen lebt. Als Beispiel deutet er auf seine Blattschneiderameisen. Den größten Teil des Tages sind die Tiere damit beschäftigt, Blätter zu zerkleinern und in ihr Nest zu tragen. Damit ernähren sie einen Pilz. Das schwammähnliche Gebilde dient dem Volk als Nahrung und belüftet das Nest. Ohne den Pilz könnten die Ameisen nicht überleben – und umgekehrt. „Besser geht es nicht“, sagt Ollesch über die enge Symbiose.

Nichts für schwache Gemüter ist die Fütterung der Treiberameisen. Ollesch öffnet eine kleine Plastikdose. Per Hand holt er Mehlwürmer heraus und wirft sie in eine Futterbox. Erst passiert wenig. „Abwarten“, sagt der 53-Jährige. Tatsächlich: Nach wenigen Minuten wird es unruhig im Ameisen-Becken. Durch einen Schlauch machen sich die Tiere auf den Weg zur Futterbox. In Gruppen heften sie sich an die kräftigen Würmer, lähmen sie mit ihrem Gift.

Nach minutenlangem Todeskampf kehrt Ruhe ein. Detlef Olleschs Lieblinge sind die bis zu zweieinhalb Zentimeter großen 24-Stunden-Ameisen. Ihren Namen trägt sie nicht ohne Grund: Fühlen sich die Tiere bedroht, sondern sie ein Gift ab, das als das schmerzhafteste Insektengift der Welt gilt. Einen Tag hält der quälende Schmerz an, den Ollesch mit einer auf der Haut ausgedrückten Zigarette vergleicht.

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Der 53-Jährige hat eigene Erfahrungen mit den Tieren gemacht. Sieben Stiche bekam er ab, als sich ein Exemplar in Costa Rica unter sein T-Shirt verirrte. Abgeschreckt hat ihn das nicht. Regelmäßig fliegt Ollesch in das zentralamerikanische Land, um mit der Erlaubnis der dortigen Behörden Blattschneiderameisen zu fangen. In der Nacht begibt er sich im Urwald auf die Suche. „Man muss die richtigen Stellen kennen“, erklärt er. In kleinen Behältern transportiert er die Tiere zum Eigenbedarf nach Deutschland. Bis zu 600 Anfragen anderer Liebhaber wöchentlich Bis vor drei Jahren verdiente Ollesch damit gutes Geld. Laut eigenen Angaben war er der erste gewerbliche Ameisenzüchter in Europa. Er besaß zwei Zoohandlungen, hatte rund 1000 Terrarien zur Vogelspinnen-Zucht. In Folge einer Erkrankung rutschte er in die Privatinsolvenz.

Geblieben sind ihm 13 Ameisenvölker, etwa 50 Vogelspinnen und einige Skorpione. Vor allem hat Ollesch aber seinen Ruf als Ameisen-Papst behalten. Bis zu 600 Anfragen anderer Liebhabern beantworte er wöchentlich im Internet.

Hört man Detlef Ollesch zu, wird deutlich, welche Wirkung die Ameisen auf ihn haben: „Ich bin glücklich, wenn ich den Tieren zuschauen kann.“ In ein paar Jahren will er nach Costa Rica ziehen, um seine Lieblinge in freier Wildbahn zu beobachten.

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