Festakt

Der „Zuwi“ verschafft Migranten Gehör

Das 50-jährige Bestehen des heutigen Zuwanderer- und Integrationsrats wurde im Bürgersaal der Evangelischen Stadtkirche am Fronhof gefeiert. Für festliche Stimmung sorgten die Musiker der Gruppe Akustolia.
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Das 50-jährige Bestehen des heutigen Zuwanderer- und Integrationsrats wurde im Bürgersaal der Evangelischen Stadtkirche am Fronhof gefeiert. Für festliche Stimmung sorgten die Musiker der Gruppe Akustolia.

Festakt zum 50-jährigen Bestehen des Zuwanderer- und Integrationsrats.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Gut 70 Gäste aus der Solinger Politik, Verwaltung, Wohlfahrtsverbänden, Kirche und Gesellschaft waren gekommen, um das 50-jährige Bestehen des Zuwanderungs- und Integrationsrates („Zuwi“) mit Musik, Ansprachen, Diskussion und gemeinsamem Essen zu feiern. Darunter waren viele Weggefährten und Weichensteller wie Anne Wehkamp als ehemalige Leiterin des Stadtdienstes Integration und Bürgermeisterin Ioanna Zacharaki (SPD), seit 32 Jahren als Frau mit Migrationshintergrund Mitglied des Zuwis und von daher beispielgebend für gelungenes Ankommen in Deutschland. So drückte sie es in ihrer Begrüßung aus, die aufgrund einer Erkrankung am Samstagabend per Videobotschaft in den Bürgersaal der evangelischen Stadtkirche ausgestrahlt wurde.

Die Schwerpunkte der erfolgreichen Gremiumsarbeit habe sich im Laufe der Jahre gewandelt, führte Zuwi-Vorsitzender Hassan Firouzkhah in seinem Willkommensgruß aus. Als die politische Interessenvertretung für die Migrantinnen und Migranten in der Solinger Kommunalpolitik wurde er am 9. Februar 1972 als Ausländerbeirat gegründet. Damals ging es vor allem um Probleme der ausländischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer („Gastarbeiterbeirat“) und ihrer Familien.

„Mitzugestalten schafft Gemeinschaftsgefühl und lässt ankommen.“

Prof. Hacı Halil Uslucan, Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung

„Im Vergleich zu damals haben wir einen Riesensprung gemacht,“ betonte Hassan Firouzkhah. „Wo es damals laut Protokoll um ‚Gäste auf Zeit‘ ging, da steht heute die gesamtgesellschaftliche Aufgabe im Vordergrund – und seit den 1990er Jahren endlich unter direkter Beteiligung gewählter Mitglieder mit Migrationshintergrund.“

1999 durfte die Stadt Solingen als Modellkommune einen Ausschuss für Zuwanderer- und Integrationsangelegenheiten bilden, mit eigener Geschäftsstelle und eigener Geschäftsführung – für eine gute politische Arbeit auf Augenhöhe. Mittlerweile seien zwei Drittel der Mitglieder im Integrationsrat Migrantenvertreter, nur ein Drittel sind Ratsmitglieder. Zudem sei die aktuelle Besetzung jünger und weiblicher als in früheren Zeiten. Auch das sei ein gewollter Meilenstein.

Nach wie vor geht es beim Zuwi um Themen wie zum Beispiel Antirassismus und gesellschaftliche Teilhabe. Für gelingende Integration Zugewanderter sei wichtig, ihre kulturellen und religiösen Wurzeln als gleichberechtigt zu respektieren, sagte Festredner Prof. Hacı Halil Uslucan vom Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung.

Zugleich müsse ihr Interesse an ihrem neuen Land verstärkt werden, in dem sie sich politisch beteiligen dürfen. „Mitzugestalten und dabei zu sein, sowohl politisch als auch in der privaten Umgebung, schafft Gemeinschaftsgefühl und lässt ankommen“, sagte er klar und belegte mit mitgebrachten Statistiken die aufgekommene Verunsicherung von türkischstämmigen Migranten durch die Sarrazin-Debatte und die NSU-Morde vor einigen Jahren.

Hintergrund

In Solingen leben rund 27 000 Menschen ohne deutschen Pass, viele schon seit Jahren und Jahrzehnten. Die Mehrzahl von ihnen darf beiden Kommunalwahlen nicht wählen. Damit sie dennoch Vertretung und Mitspracherecht haben, gibt es den Zuwanderer- und Integrationsrat. Er hat 27 Mitglieder, 21 davon sind stimmberechtigt. Das Gremium besteht seit 50 Jahren. Für die Feierstimmung beim Festakt am Samstagabend war im Bürgersaal der Stadtkirche am Fronhof die Musikgruppe Akustolia verantwortlich.

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