Wanderserie

Mit dem ST wandern: Der Willi-Lohbach-Weg erzählt Erdgeschichte

Der Willi-Lohbach-Weg wurde von 1966 bis 1972 fertiggestellt und war der erste geologische Lehrpfad in Deutschland.
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Der Willi-Lohbach-Weg wurde von 1966 bis 1972 fertiggestellt und war der erste geologische Lehrpfad in Deutschland.

Unsere heutige Wanderung bietet einen Ausflug in die Geologie des Bergischen Landes.

Von Andreas Erdmann

Einen Ausflug in die Geologie und Erdgeschichte des Bergischen Landes und abwechslungsreiche Natur- und Landschaftsimpressionen bietet der Willi-Lohbach-Weg am Hang des Jagenbergs in Burg. Auch historische Schauplätze sind zu entdecken. Der natur- und heimatkundliche Lehrpfad wurde von 1966 bis 1972 fertiggestellt und war der erste geologische Lehrpfad in Deutschland. Er trägt den Namen seines Initiators.

Willi Lohbach war Kulturreferent der Naturfreunde Rheinland, saß im Vorstand der Naturfreunde Bergisch Land und führte von den 1940er Jahren bis 1971 schier unzählige Seminare, Führungen und Wanderungen durch. Die Naturfreunde NRW haben den Rundweg in das Projekt Wasser-Wege übernommen und 2019 erneuert.

Wir starten vom Wanderparkplatz Jagenberg an der Burger Landstraße und folgen dem Weg geradeaus durch den Wald. Er führt nach einer Weile rechterhand leicht bergab. Links ergeben sich bald schöne Aussichten auf Schloss Burg. Rechts liegt das großflächige Gelände der Galapa mit letzten Überresten einer alten Fluchtburg. Man muss schon genau hinsehen, um andeutungsweise Reste der Wälle und Gräben zu entdecken.

Stadtchronist Heinz Rosenthal schreibt: „Die Galapa hat mit einer Länge von 600 Metern eine bedeutende Ausdehnung auf dem Südostende des Krahenhöher-Burger-Rückens. Gegen die Solinger Seite hin ist sie durch einen etwa 180 Meter langen Vorwall abgeschlossen; der Innenwall ist etwa 65 Meter lang und 18 Meter breit.“ Die Gründer kamen höchstwahrscheinlich aus Wallonien in Belgien, was sich am Namen ableiten lässt. „Entdeckt wurde die Anlage in den 1950er Jahren, als ein Bauer beim Pflügen metallische Gegenstände fand. Die daraufhin erfolgten Grabungen führten aber zu keinen großartigen Funden, so dass die Archäologen schnell das Interesse verloren“, so Rosenthal weiter.

1648 stellte die Petersmühle noch einen von neun Schleifkotten am Bertramsmühler Bach dar. Heute ist sie ein privates Wohnhaus.

Wir kommen rechtsum durch einen Hohlweg, biegen abermals nach rechts und gehen bergan auf den Burger Kommunalfriedhof zu. Stilistisch markant ist die 1957 errichtete Friedhofskapelle. Nun geht es rechtsum und bergan an der Straße entlang. Hinter der Bushaltestelle links beginnt der eigentliche Lehrpfad, über den eine große Übersichtstafel informiert. Weitere erklärende Hinweistafeln finden wir an den zahlreichen Standorten am Wege. Nach einer ersten halbrunden Quellmulde im Boden, entstanden durch Niederschläge, gelangen wir zu einem Steinbruch. Er lieferte einst das Material für den Bau der Burger Landstraße.

Der Stein besteht aus gehärteten Ton-, Tuff- und Sandsteinschichten aus dem Devon, den sogenannten Remscheider Schichten. Diese wurden vor etwa 390 Millionen Jahren im Meer abgelagert. Am Standort 11 trifft man auf große Rillen – „Rippelmarken“ – im Gestein. Hier wurde der Meeresboden am Uferbereich des Devon-Meeres von Wellen geformt. Nach Verfestigung des Feinsandes und Überlagerungen von Sedimenten blieb die Wellenform erhalten. An Stelle 16 finden wir Lößablagerungen, die vor etwa 10 000 Jahren nach der letzten Eiszeit entstanden. Wir gehen durch einen Mischwald vornehmlich aus Buchen, Eichen, Ahorn, Birken und Kiefern. Hier und dort stehen abgestorbene Fichten. An kleinen Lichtungen wachsen Brombeeren, unterschiedliche Farne und Fingerhut, zudem Kräuter wie Schöllkraut und Gundermann.

Fast jede Stadt baute Löns ein Denkmal – so 1926 auch Solingen

Bald führt rechts ein Weg bergan, auf dem wir einen Abstecher zum Hermann-Löns-Denkmal unternehmen können. Oben an der Wegkreuzung weist eine steinerne Inschrift nach links. Die Werke des Heimat- und Heidedichters Hermann Löns waren in den 1920er Jahren sehr begehrt. Fast jede Stadt baute Löns ein Denkmal – so 1926 auch Solingen. Das Bronzerelief stammt vom Solinger Metallkünstler F.O. Hoppe. Jungjäger der Solinger Jägerschaft kümmern sich heute um das Denkmal.

Der Platz bildete früher, als er noch nicht zugewachsen war, einen schönen Aussichtspunkt. Eine Bank lädt zur Rast ein. Wieder zurück auf dem Lehrpfad kommen wir noch vor der Petersmühle zu fast senkrecht aus dem Hangboden ragenden Klippen aus Schiefer. Am Standort 19 dann wurden Fossilien mir Abdrücken feinschaliger Muscheln aus dem Devon-Meer gefunden. Vor uns liegt jetzt die ehemalige nach einem ihrer Besitzer benannte Mühle. 1648 stellte die Petersmühle noch einen von neun Schleifkotten am Bertramsmühler Bach dar. Um 1800 wird sie als Fruchtmühle, 1823 auch als Knochenmühle genutzt und um 1853 wieder zum Kotten umgeändert. Dazu ließ der neue Besitzer Gustav Lüttges eine Dampfmaschine einbauen und legte so den Grundstein für die spätere Metall- und Textilzutaten-Fabrik Lüttges, die heute ihren Sitz in Wald hat. Die Petersmühle ist heute ein Wohnhaus.

Das Hermann-Löns-Denkmal wurde von dem Solinger Metallkünstler F.O. Hoppe geschaffen.

Wir folgen dem Weg talabwärts und erfahren Wissenswertes über die Mäander im Bertramsmühler Bach, über einen Prallhang und Siepen, die kleine Täler am Bach bildeten. In diesen siedelten sich früher Kotten, Hämmer und Mühlen an. Vom Kirschbaums- oder Claubergskotten sind weiter unten am Bach noch letzte Grabenreste vorhanden. Etwas unterhalb stand früher der 1836 abgebrannte Wittekotten. Sein Obergraben ist noch zu erkennen. Laut einer Karte von 1715 standen bis zur Wupper hin noch weitere fünf Kotten, von denen heute nichts mehr bekannt ist. Eine Bank nahe der Stelle, wo sich der Bach in die Wupper ergießt, bietet einen schönen Platz zum Rasten. Von dort aus hat man einen herrlichen Blick auf die Flusslandschaft. Rechts entsteht die neue Strohner Brücke.

Nun geht es talaufwärts, und wir erleben das reinste Wupperidyll mit immer wieder neuen Ausblicken auf den Fluss und die Waldlandschaft. Wir überqueren den Stadtwaldbach. In der Nähe wurden Fossilien gefunden. Bald vernimmt man ein immer stärker werdendes Rauschen von Wasser – es rührt von dem Wupperwehr her, auf das wir zugehen. Hinter der Wehrmauer zweigt ein künstlich angelegter Obergraben der Wupper ab, der bis zu dem in Strohn gelegenen Wasserkraftwerk führt und eine lang gestreckte Insel einfasst. Durch das Grabengefälle von immerhin fünf Metern wird der Wasserzufluss zum Kraftwerk relativ konstant gehalten.

Nun geht es am Burger Klärwerk vorüber, und über die Hasencleverstraße mit Blick auf Schloss Burg nähern wir uns der Sesselbahn. Vor der Bahn folgen wir der Straße linksum. Kurz gehen wir bergan und biegen dann rechts in den Wanderweg ein. Er führt uns zurück auf den Weg, der um die Galapa führt und letztlich wieder zum Ausgangspunkt.

Tipp: Die ersten 40 Folgen unserer „Wanderrouten im Bergischen Land“ – unter anderem mit den GPX-Daten zum Wandern mit Smartphone oder GPS-Gerät – gibt es als PDF-Download: Willi-Lohbach-Weg

www.bergisch-bestes.de

Tour 47

Dauer: ca. 3 Stunden 40 Minuten, mit Abstecher zum Herrmann-Löns-Denkmal

Schwierigkeitsgrad: mittelschwer

Ausrüstungstipp: festes Schuhwerk

Busanbindung: Linie 683, Haltestelle Stadtwald

Zum Einkehren: In Unterburg bieten sich Restaurant Wupper-
Terrasse, Tel. 4 45 78, Eschbachstraße 1, und das Café Meyer, Schlossbergstraße 4,
Tel. 2 44 32  75, an.

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