Andacht

Der Weg nach Santiago de Compostela ist auch ein Weg zu sich selbst

Der Jakobsweg.
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Der Jakobsweg.

Theologen laden im ST zur Andacht ein – heute der katholische Stadtdechant Michael Mohr

Liebe Leserinnen, Liebe Leser,

Ultreia et suseia! Wenn Sie auf dem Jakobsweg hin nach Santiago de Compostela unterwegs waren, dann könnte Ihnen das bekannt vorkommen. Ich selbst habe es zugegebenermaßen 2010 nicht benutzt und auch so gut wie nie gehört. Aber auch wenn heutzutage das „Buen Camino“ viel geläufiger ist: „Ultreia et suseia!“ ist der historische Gruß der Jakobspilger auf dem Weg. Übersetzen könnte man das mit „Vorwärts, aufwärts, immer weiter!“ und gemeint ist es als Mutmacher und Ermunterung. Und das ist manchmal bitternötig, wenn man einige hundert Kilometer in den Beinen hat.

Aber: Man hat ein Ziel vor Augen: Santiago de Compostela. Dort möchte man ankommen, dafür ist man angetreten. Auf dem Weg dorthin trifft man viele Menschen und vor allem: Man begegnet sich selbst. Das ist mir erst so richtig bewusstgeworden, als ich am Ziel angekommen war und zurückschauen konnte auf das, was alles passiert ist. Ich habe dann manches und manchen besser verstanden. Und vielleicht stellt man auch fest, dass es Menschen auf dem Weg gab, die besonders sind.

„Neben Etappen- zielen ist auch ein endgültiges Ziel wichtig. Eines, das hilft, sich bewusst zu machen, dass es immer noch etwas Größeres, Höheres gibt, das hilft, den Alltag und die Last leichter zu nehmen.“

Kennen Sie solche Mutmacher auf Ihren Wegen oder sind Sie sogar selbst ab und zu so ein Mutmacher? Und haben Sie solche Ziele? Denn eigentlich braucht doch jeder mindestens ab und zu solche Menschen und solche Ziele. Das hilft vor allem dann, wenn man müde ist und keine Lust oder Kraft mehr hat, den Alltag zu stemmen. Das mag vielleicht sehr nach Corona klingen, passiert aber auch sonst immer mal wieder.

Ob so ein Ziel dann ein Ort, ein Datum oder auch ein Projekt ist: Es tut gut, auf etwas hin zu leben und das dann auch zu erreichen: Noch so und so viele Tage bis zum nächsten Urlaub. In x Wochen wird das große Projekt in der Firma abgeschlossen. Und dann, wenn die Ziele erreicht sind, wird erzählt und gefeiert. Aber auch Rückschau gehalten: Was ist gut gelungen in der Zwischenzeit? Was war enttäuschend? Das ist wichtig, auch um die nächsten Dinge noch besser in Angriff nehmen zu können und neu Fahrt aufzunehmen.

Manches Ziel „passiert“ auch einfach auf dem Weg dorthin

Auf dem Weg nach Santiago gab es nicht nur das große Ziel der Ankunft am Ziel. Manches Mal ist so ein Ziel auch einfach „passiert“, wie der 25. Juli 2010, der Jakobustag, den wir in einer kleinen Herberge so richtig feiern konnten. Das sind keine großen, bedeutenden Ziele gewesen, aber sie haben gut getan. Jedes Jahr wieder ist für mich auch Ostern so ein Ziel. Nach 40 Tagen der Besinnung (was mal besser, mal schlechter gelingt), 40 Tagen voll mit Begegnungen (in diesem Jahr sicher weniger als sonst), dann das Fest der Auferstehung Jesu Christi.

Neben Etappenzielen, die mal mehr, mal weniger wichtig, aber immer schön sind, ist auch ein endgültiges Ziel wichtig. Eines, das hilft, den Alltag und sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen, sondern sich bewusstzumachen, dass es immer noch etwas Größeres, Höheres gibt, das hilft, den Alltag und die Last leichter zu nehmen. Für mich ist das Gott. Und für Sie?

Mit der Auferstehung ändert sich die Perspektive auf die Welt

Und auch da spielt für mich Ostern eine entscheidende Rolle, denn mit der Auferstehung hat sich meine Perspektive auf die Welt geändert. Nicht nur das Hier und Jetzt ist entscheidend. Das Leben endet nicht mit dem Tod, sondern das endgültige Ziel ist Auferstehung und Leben mit Gott. Dieser Perspektivwechsel befreit und entlastet mich sehr.

Pfarrer Michael Mohr

Und dann, am Ziel angekommen? Dann kann ich zurückschauen und erkenne wahrscheinlich viel genauer, dass das, was ich für den kürzesten oder besten Weg gehalten habe, vielleicht ein Umweg war. Und das, was sich wie ein Umweg angefühlt hat, vielleicht genau der richtige Weg war.

Also: Ultreia et suseia!

Ihr Pfarrer Michael Mohr

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