Aktion verbindet die Kulturen

Solingen trifft Syrien: Vom Flüchtling zur Festanstellung

Zu Beginn des Syrientags in der Stadtbibliothek stellten sich die Jahrespraktikantinnen und -praktikanten vor. Foto: Christian Beier
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Zu Beginn des Syrientags in der Stadtbibliothek stellten sich die Jahrespraktikantinnen und -praktikanten vor.

Städtische Praktikanten stellen ihre Heimat und ihre Lebensgeschichten vor. Ein Jahr lang waren sie bei der Stadtverwaltung - für alle haben sich berufliche Perspektiven entwickelt.

Von Ann-Christin Stosberg

Solingen. Wer an Syrien denkt, der hat meist sofort Bilder von Krieg, Zerstörung und menschlichem Leid vor Augen. Dass Syrien aber viel mehr ist und vor allem reich an Traditionen und kulturellen Schätzen, zeigten fünf Jahrespraktikantinnen und -praktikanten der Stadt beim Syrientag am Samstag in der Stadtbibliothek. Unter dem Motto „Mensch, Solingen trifft Syrien“, haben sie ein Programm aus Film, Vortrag, Kunst, Musik und Essen organisiert.

Der Tag war Teil des einjährigen Projektes „Qualifizierung von syrischen Geflüchteten in deutschen Kommunalverwaltungen“, bei dem die Stadt als eine von fünf Kommunen bundesweit teilnimmt.

Die Teilnehmer schnuppern ein Jahr lang in die Bereiche und Abteilungen der Verwaltung hinein, um Erfahrungen zu kommunalen Strukturen, Verwaltungsdeutsch, Wirtschaft und Partizipation zu sammeln, berichtet Projektleiterin Caren Tuchel. In dieser Zeit stehen den Praktikanten ehrenamtliche Mentoren zur Seite – pensionierte Führungskräfte der Stadt.

Gundhild Hübel (SPD), Bezirksbürgermeisterin in Ohligs/Aufderhöhe/Merscheid, unterstützt Tahani Burhan. „Ich freue mich, dass wir Syrien aus unserer Perspektive zeigen können. Und auch unsere Geschichten“, sagte Burhan. In Syrien hat sie Psychologie studiert und beginnt nach ihrem Praktikum eine Ausbildung als Erzieherin im Haus der Jugend. „Ziel des Praktikums ist es, alle auf ihrem Berufsweg zu begleiten“, sagte Caren Tuchel.

Besonders erfolgreich dabei ist Salah Edden Alhalabi. Er ist 45 Jahre alt, kommt aus Damaskus und ist seit 2018 in Deutschland. Er hat lange als Architekt in Kuwait gearbeitet. Das Praktikum konnte Alhalabi vorzeitig beenden: Seit Februar hat er eine Festanstellung beim Gebäudemanagement der Stadt.

Praktikanten treten bald Arbeits- oder Ausbildungsstellen an

Auch die anderen Praktikantinnen treten bald Ausbildungs- oder feste Stellen an. Für den Tag haben die fünf einen Film gedreht, über sich und ihre Lebenswege. Bei der Vorführung wurden viele Anwesende emotional, es kullerten hier und da Tränen, und Taschentücher wurden herumgereicht.

Für Auflockerung sorgte ein humorvoller Vortrag über die Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten von Deutschland und Syrien hinsichtlich der Bildungssysteme, Feiertage, Essgewohnheiten und Architektur. Auch einige Sprichwörter gibt es in beiden Kulturen, zum Beispiel „Liebe geht durch den Magen“. Es gab eine Ausstellung mit Ölgemälden, die an die Verstorbenen im syrischen Bürgerkrieg erinnern.

Nach den Vorträgen schallten Gesang und Gitarrenklänge durch die Stadtbibliothek, mit arabischen, spanischen und englischen Texten. Abgerundet wurde das Kulturprogramm kulinarisch, mit syrischem Fingerfood. „Es gibt viel Fleisch, viel Olivenöl und natürlich typisch: Falafel“, sagte Tahani Burhan.

Das Praktikumsprojekt endet am 31. März. Die Stadt will künftig an ähnlichen Projekten teilnehmen, sagt Tuchel.
Dazu auch: Junge Geflüchtete erhalten Starthilfe fürs Berufsleben

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