Falsches Fahren und Abstellen

Der Start der Elektro-Roller in Solingen erregt die Gemüter

Kaum sind die E-Scooter vorgestellt worden, sind viele Solinger in heller Aufregung darüber, wo die Roller überall abgestellt werden, wie etwa an der Bushaltestelle Hossenhaus.
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Kaum sind die E-Scooter vorgestellt worden, sind viele Solinger in heller Aufregung darüber, wo die Roller überall abgestellt werden, wie etwa an der Bushaltestelle Hossenhaus.

Die Solinger kritisieren den Umgang mit den E-Scootern.

Von Timo Lemmer

Solingen. Seit Mittwochmorgen sind drei Firmen, die mit einem Sharing-Angebot für E-Roller deutschlandweit am Markt agieren, auch in Solingen vertreten. Und seit Mittwochmorgen scheiden sich an den sogenannten Scootern die Geister, wie zahlreiche Zuschriften ans ST sowie hunderte Kommentare – mal erbost, mal verzückt – in den Internet-Netzwerken belegen.

Auch in Höhscheid an der Katternberger Straße/Ecke Marienstraße stehen die Roller.

Für die einen sind sie wie eine Armada, die mit 1000 Geräten – es sollen sogar noch bis zu 2000 werden, ehe zum Jahresende mit der Stadt bilanziert und ein neuer Vertrag aufgesetzt wird – über Nacht die Stadt befielen. Sie kritisieren insbesondere die unsachgemäße Handhabung im Straßenverkehr sowie beim Parken – oder bezeichnen den Elektro-Aspekt als scheinheilig, da die über das Stadtgebiet verteilten Roller an manchen Abenden mit Transportern eingesammelt werden, ob zum Aufladen oder zur Wartung. Für die anderen sind die Scooter ein Segen: Positive Erfahrungen im Internet beschreiben den erleichterten Weg zum Einkaufen oder von der Bushaltestelle zum Arbeitsplatz.

„Die Erfahrungen zeigen, dass alle Beteiligten jeden Tag dazulernen.“

Sabine Rische, Stadtsprecherin

In den Reihen der Stadtverwaltung war man sich bereits bei der Vorstellung darüber im Klaren, dass es negative Rückmeldungen geben werde. „Die meisten Vorbehalte, die es gegen solche Roller gibt, konnten wir in guter Kooperation ausräumen“, bekannte Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) da. Gemeint war unter anderem der Umweltaspekt. Rathaus-Sprecherin Sabine Rische konkretisiert bezüglich des vermeintlich umweltbelastenden Einsammelns: „Die Anbieter haben vertraglich erklärt, dass die Roller mit emissionsarmen oder lokal emissionsfreien Fahrzeugen transportiert werden.“

Auf einen weiteren Aspekt macht ST-Leser Thomas Löwenbrück aufmerksam: „Erschreckend ist, dass wir eine vermeintliche Zunahme der Mobilität mit einer erheblichen Einschränkung der Mobilität insbesondere für Ältere und Behinderte erkaufen.“ So sei es beispielsweise für Blinde nahezu unmöglich, vormals vertraute Wege zu laufen, wenn Roller umherliegen – oder an Hauswände angelehnte Roller das notwendige Entlangtasten erschweren. Die Roller seien „böse Fallen für Sehbehinderte“. Rollstuhlfahrer müssten zudem schwierige Slalom-Fahrten unternehmen. Er wünscht sich seitens der Stadt Maßnahmen gegen wild geparkte Roller: Auf einer morgendlichen Fahrt von Mitte nach Ohligs habe er knapp 20 solcher Stellen, an denen es kein Durchkommen auf dem Fußweg gebe, entdeckt.

Auch bei der Stadt gingen bereits kurz nach dem Start unzählige Rückmeldungen ein, wie Sprecherin Rische bestätigt. Sie erklärt: „Wer einen falsch abgestellten oder umgekippten Roller findet, kann sich direkt an die Anbieter wenden. Die Rufnummer steht auf jedem Roller. Ordnungsamt oder Polizei sollten nur bei einer konkreten Gefahr eingeschaltet werden.“ Manchmal helfe auch „der kleine Dienstweg“: Umgekippte Roller aufstellen oder beiseiteschieben. Die besondere Sorgfaltspflicht liege bei den Nutzern – und die müssten sich an die Bedingungen der Anbieter-Apps halten. Das bedeutet auch: Fahren ist erst ab 18 Jahren erlaubt.

Florian Anders von Tier Mobility erklärt die Altersfreigabe, die gesetzlich zwar bei 14 Jahren liegt - aber: „Um Kunde bei uns zu werden, müssen Nutzer 18 Jahre alt sein und dies bei der Anmeldung bestätigen. Wir kontrollieren dies über die Zahlungsmethode. Wenn wir informiert werden, dass Minderjährige unerlaubt unseren Service genutzt haben - zum Beispiel durch Zahlungsmitteln von Dritten -, dann sperren wir die Konten.“ Das geschieht dann auch mit den hinterlegten E-Mail-Adressen und Zahlungsmitteln. Weiter sagt er: „Wenn Personen unter 14 Jahren Elektrokleinstfahrzeuge nutzen, ist das tatsächlich auch Aufgabe der Behörden und kann strafrechtliche Folgen haben.“

E-Tretroller-Sharing startet in Solingen

E-Tretroller-Sharing startet in Solingen
E-Tretroller-Sharing startet in Solingen © Christian Beier
E-Tretroller-Sharing startet in Solingen
E-Tretroller-Sharing startet in Solingen © Christian Beier
E-Tretroller-Sharing startet in Solingen
E-Tretroller-Sharing startet in Solingen © Christian Beier
E-Tretroller-Sharing startet in Solingen
E-Tretroller-Sharing startet in Solingen © Christian Beier
E-Tretroller-Sharing startet in Solingen
E-Tretroller-Sharing startet in Solingen © Christian Beier
E-Tretroller-Sharing startet in Solingen
E-Tretroller-Sharing startet in Solingen © Christian Beier
E-Tretroller-Sharing startet in Solingen
E-Tretroller-Sharing startet in Solingen © Christian Beier
E-Tretroller-Sharing startet in Solingen
E-Tretroller-Sharing startet in Solingen © Christian Beier
E-Tretroller-Sharing startet in Solingen
E-Tretroller-Sharing startet in Solingen © Christian Beier
E-Tretroller-Sharing startet in Solingen
E-Tretroller-Sharing startet in Solingen © Christian Beier
E-Tretroller-Sharing startet in Solingen
E-Tretroller-Sharing startet in Solingen © Christian Beier
E-Tretroller-Sharing startet in Solingen
E-Tretroller-Sharing startet in Solingen © Christian Beier

Am frühen Freitagmorgen gab es auf dem Neumarkt folgende Szene zu beobachten: Städtisches Reinigungspersonal musste aufgrund verstreut und mittig abgestellter Roller einige bislang unbekannte Kurven ziehen. Je nach Perspektive würden die einen, die Befürworter, diese Manöver sicherlich als ulkig, die Kritiker hingegen sie eher als sinnbildlich und ärgerlich beschreiben. Vielleicht ist so etwas aber auch vorübergehend, denn ob die ausleihbaren Tretroller im Weg stehen oder nicht, das liegt in erster Linie in der Hand der Nutzer.

Darauf baut auch die Stadt, so Sabine Rische: „Mit den Tretrollern ist ein neues Verkehrsmittel nach Solingen gekommen. Wir gehen davon aus, dass sich das einspielen muss. Die Erfahrungen aus anderen Städten zeigen, dass alle Beteiligten jeden Tag dazu lernen.“

Abstellen der E-Scooter

Eigentlich schließen die von der Stadt vorgegebenen Parkverbotszonen für Parks, Fußgängerzonen oder auch die Täler der Wupper ein dortiges Abstellen der E-Scooter aus. Die kostenpflichtige Uhr läuft in diesen Zonen weiter, der Fahrer ist klar identifizierbar. Haben Sie dennoch Stellen im Stadtgebiet entdeckt, an denen die Roller unsachgemäß abgestellt sind, im Weg standen oder gar ins Gebüsch geworfen wurden? Lassen Sie uns ihre Erfahrungen mit dem Betreff „E-Scooter“ zukommen unter: redaktion@solinger-tageblatt.de

Kritik an OB Kurzbach: CDU fordert Regeln für E-Scooter

Als Gefahr für die Verkehrssicherheit sieht die CDU-Ratsfraktion die Art, in der in Solingen die Elektro-Roller eingeführt wurden. Der rechts- und ordnungspolitische Sprecher der Christdemokraten, Rafael Sarlak, wirft Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) „Effekthascherei“ vor. Er hätte die Einführung zuvor mit betroffenen Bürgern und der Politik diskutieren müssen. CDU-Ratsfraktionsvorsitzender Daniel Flemm fordert strengere Regeln vor allem für das Abstellen der Roller nach Gebrauch. Es dürfe nicht sein, dass die Roller „vielerorts sorglos“ und ohne Rücksicht auf Fußgänger, Eltern mit Kinderwagen sowie Geh- und Sehbehinderte abgestellt würden.

Erschwerend komme hinzu, dass in Solingen insgesamt 1000 Roller unterwegs seien. Dies ist laut Flemm ein „völlig sinnfreies Überangebot“. Die Stadt müsse Abstellzonen für die Roller ausweisen, fordert Flemm. Außerdem solle das Ordnungsamt zumindest in der Anfangsphase in den Fußgängerzonen das Fahrverbot kontrollieren. Aus Sarlaks Sicht hat der OB bei der Einführung keine Rücksicht auf Erfahrungen anderer Städte oder die aktuelle Rechtsprechung genommen.

Die Christdemokraten betonen, dass sie die Einführung des neuen Mobilitätsangebots – die Stadt unterstützt drei kommerzielle Anbieter durch den Verzicht auf Sondernutzungsgebühren – grundsätzlich positiv bewerten. Laut Flemm haben sich die Roller aber anderenorts nicht als alternatives Fortbewegungsmittel bewährt, sondern seien eher zu einem „Freizeitvergnügen“ geworden. Auch ökologisch sei das Angebot „höchst fragwürdig“. -ate-

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