Beruf

Der mühsame Weg zum Traum-Ausbildungsplatz

Aktuell absolviert Nikos Herbertz ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Evangelischen Kirchengemeinde Solingen-Wald. Die Aufgabe macht ihm Spaß, bringt ihm aber nicht von seinem Berufswunsch ab: Der 22-Jährige möchte Mediengestalter werden. Foto: Christian Beier
+
Aktuell absolviert Nikos Herbertz ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Evangelischen Kirchengemeinde Solingen-Wald. Die Aufgabe macht ihm Spaß, bringt ihm aber nicht von seinem Berufswunsch ab: Der 22-Jährige möchte Mediengestalter werden.

Nikos Herbertz ärgert sich darüber, wie teilweise mit Bewerbern umgegangen wird

Von Manuel Böhnke

Bergisches Land. 2013 hat Nikos Herbertz seine Leidenschaft für Mediengestaltung entdeckt. Als Schüler machte er sich mit den gängigen Programmen vertraut, arbeitete an kleineren Projekten für Freunde, Verwandte und Bekannte. Dementsprechend musste er nicht lange über seinen Berufswunsch nachdenken. Der 22-Jährige strebt eine Ausbildung zum Mediengestalter Digital und Print oder Bild und Ton an. Doch er findet keine Lehrstelle. Seit 2019 hat er mehr als 60 Bewerbungen geschrieben. In den meisten Fällen bekam er nicht einmal eine Rückmeldung.

„Es ist nicht in Ordnung, wie teilweise mit Bewerbern umgegangen wird.“

Nikos Herbertz über seine Suche nach einem Ausbildungsplatz

„Mir würde reichen, eine automatisierte Eingangsbestätigung zu bekommen. Doch selbst die gibt es von den meisten Unternehmen nicht. Das ist schon frustrierend“, erzählt der gebürtige Solinger. 2015 machte er seinen Realschulabschluss an der Friedrich-Albert-Lange-Schule. Im vergangenen Sommer holte er am Technischen Berufskolleg der Klingenstadt sein Fachabitur nach und schloss gleichzeitig eine schulische Ausbildung zum Gestaltungstechnischen Assistenten ab. Seine seitdem unternommenen Versuche, einen Ausbildungsplatz zu finden, waren bislang nicht von Erfolg gekrönt.

„Mediengestaltung ist ein sehr beliebtes Berufsbild“, bestätigt Carmen Bartl-Zorn. Sie ist die für Aus- und Weiterbildung zuständige Geschäftsführerin der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK). Hinzu komme ein knappes Stellenangebot. In Remscheid, Solingen und Wuppertal gebe es im Bereich Bild und Ton lediglich fünf Ausbildungsplätze pro Jahr, für die Richtung Digital und Print seien es 20 bis 25. „Das ist natürlich viel weniger als beispielsweise im Einzelhandel.“

Deshalb hat Nikos Herbertz seinen Suchradius ausgeweitet, Bewerbungen an Firmen in Düsseldorf, Köln, Oberhausen, Essen und Bonn verschickt. Zweimal wurde er bislang zum Probearbeiten eingeladen. Von einem Unternehmen bekam er im Anschluss die Nachricht, man habe sich für einen anderen Bewerber entschieden – das andere meldete sich überhaupt nicht mehr. Darüber ärgert sich der 22-Jährige: „Wenn ich eine Absage erhalte, muss ich damit leben. Es ist aber nicht in Ordnung, wie teilweise mit Bewerbern umgegangen wird.“

Als Alternative zum Ausbildungsplatz hat Nikos Herbertz im vergangenen Sommer ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Evangelischen Kirchengemeinde Solingen-Wald begonnen. Zweieinhalb Monate länger als geplant kann er dort bleiben. Seine Hoffnung ist, in der Zwischenzeit doch noch einen Ausbildungsplatz finden. Jüngst hat er weitere Bewerbungen für dieses und das kommende Jahr versendet. Parallel dazu plant Herbertz, ein Kleingewerbe anzumelden, um Auftragsarbeiten erledigen zu können. An seinem Traum hält der 22-Jährige vorerst fest.

„Es ist toll, wenn junge Menschen einen so gefestigten Berufswunsch haben. Davon sollte man nicht so schnell abrücken“, betont Carmen Bartl-Zorn. Die Expertin rät Interessenten für besonders gefragte Jobs, bereits mit den Bewerbungsunterlagen herauszustechen. Einerseits müsse die Mappe großes Interesse an der Stelle signalisieren, andererseits im besten Fall bereits erste Kompetenzen erkennen lassen. Im konkreten Beispiel sei es etwa ratsam, auf erste mediengestalterische Arbeiten zu verweisen oder diese beizulegen. „Man muss den klassischen Weg verlassen“, erklärt Bartl-Zorn. Einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz könne auch haben, wer ein Unternehmen bereits aus einem Praktikum kennt. Deshalb sei es ratsam, mit dem Praktikumsbetrieb sporadisch in Verbindung zu bleiben,

Und wenn sich keine Möglichkeit ergibt? Dann müsse man sich schweren Herzens nach einer Alternativen umschauen. Bei vielen Berufsbildern keine einfache Aufgabe.

Hintergrund

Ende Juli gab es im bergischen Städtedreieck noch rund 1250 freie Ausbildungsstellen. Bedarf war es vor allem für Kaufleute im Einzelhandel, Verkäuferinnen und Verkäufer, medizinische und zahnmedizinische Fachangestellte sowie Handelsfachwirte vorhanden. Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber in Remscheid, Solingen und Wuppertal ist im Vergleich zum Vorjahr um 8 Prozent gesunken, die der Ausbildungsstellen ging um 0,6 Prozent zurück.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Mordprozess Hasseldelle: Gutachter stufen Angeklagte als voll schuldfähig ein
Mordprozess Hasseldelle: Gutachter stufen Angeklagte als voll schuldfähig ein
Mordprozess Hasseldelle: Gutachter stufen Angeklagte als voll schuldfähig ein
Corona: Inzidenzwert bleibt in Solingen weiterhin unter 50
Corona: Inzidenzwert bleibt in Solingen weiterhin unter 50
Corona: Inzidenzwert bleibt in Solingen weiterhin unter 50
83-Jähriger verstirbt nach Verkehrsunfall am Werwolf
83-Jähriger verstirbt nach Verkehrsunfall am Werwolf
83-Jähriger verstirbt nach Verkehrsunfall am Werwolf
800 Menschen demonstrieren in Solingen für mehr Klimaschutz
800 Menschen demonstrieren in Solingen für mehr Klimaschutz
800 Menschen demonstrieren in Solingen für mehr Klimaschutz

Kommentare