Andacht

Der Mai steckt voller Leben und Fruchtbarkeit

Alexandrer Grüder ist seit September 2022 Assistent der katholischen Gemeinde St. Sebastian. Er hat praktische und katholische Theologie studiert.
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Theologen laden im ST zur Andacht ein

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie herrlich ist doch der Mai! Der Frühling ist meine liebste Jahreszeit, es ist meistens nicht zu heiß und nicht zu kalt, aber dennoch kitzelt einem öfters die Sonne angenehm warm auf die Nase und ich kann ohne Jacke in die Natur. Der Frühling spricht alle Sinne an. Die längeren Tage erwecken die Lebensgeister.

Leben, das ist ein gutes Stichwort. Im Monat Mai hat der Frühling seine volle Pracht entfaltet, deshalb wird er als Wonnemonat bezeichnet. Er ist ein besonderer Monat im Jahr, der voller Leben und Fruchtbarkeit steckt. So ist es nicht verwunderlich, dass sich der Name des Monats von der römischen Fruchtbarkeitsgöttin Maia ableitet. Im römischen Kult wurde am ersten Tag des Monats Mai Maia besonders in kultischen Riten und Bräuchen verehrt. Auch in anderen Religionen und Kulten wie zum Beispiel dem Isis-Kult gab es Furchtbarkeitsgöttinnen, die durch ihre Weiblichkeit die zugewandte und fürsorgliche Seite des Göttlichen repräsentierten.

Alexandrer Grüder ist seit September 2022 Assistent der katholischen Gemeinde St. Sebastian. Er hat praktische und katholische Theologie studiert.

Der Brauch, den Monat Mai und eine Frau weiterhin zu feiern und zu verehren, hat sich bis heute gehalten. In der katholischen Tradition wurde das naturell-kulturelle Ereignis des Frühlings aufgegriffen und den Mai Maria, der Mutter Jesu geweiht. Maria – als Mutter Jesu – steht als Pendant der römischen Fruchtbarkeitsgöttin Maia gegenüber.

Dabei ist Maria eben keine Göttin, sondern eine Frau des Glaubens, die allen Gläubigen ein Vorbild im Glauben seien möchte. Maria ist deshalb Vorbild für jeden Christen und jede Christin, weil sie schon das endgültige Ziel eines christlichen Lebens erlangt hat: die vollkommene Gemeinschaft mit Gott. So ist es nicht unbegründet, dass Maria seit dem Konzil in Ephesus 431 n. Chr. die zweitwichtigste Rolle im Christentum einnimmt. Im Mai wird Maria in der katholischen Kirche besonders durch die gottesdienstliche Form der Maiandachten verehrt. In der Maiandacht bringen die Gläubigen ihre Bitten vor Maria und verehren sie zugleich als „Himmelskönigin“ und „schönste aller Frauen“. Dabei war sie nie eine Königin und hat sich nie wichtiggemacht.

Maria war eine einfache jüdische Frau und Mutter. Sie kennt alles menschliche Leid und alle menschlichen Sorgen und Nöte. Das macht sie sympathisch und nahbar. Es ist ein Grund, warum Maria viele Gläubige anspricht; sie ist zutiefst menschlich und mütterlich, blickt jeden mit einem gnädigen Blick auf vielen Darstellungen an und spricht Trost und Mut zu, damit meine Lebensgeister geweckt bleiben. Die „Furchtbarkeit“ Marias liegt in der Furcht ihres treuen Glaubens an den Gott Israels, ihrer Barmherzigkeit und ihrer lebensbejahenden Kraft in Zeiten der Freude und des Schmerzes. In der christlichen Spiritualität ist der Frühling ein Sinnbild für Maria geworden. Denn Jesus, ihr Sohn, verwandelt wie die Sonne die düstere Welt in eine helle Welt, die ausschlägt und Blüten treibt. Die erste und schönste Blume dieser Verwandlung – der Auferstehung – ist Maria, die bis zuletzt eine einfache jüdische Frau und die Mutter Jesu geblieben ist. So wie eine Mutter immer Mutter bleibt, so blieb und bleibt auch Maria immer Mutter. Mutter Jesu und Mutter aller Gläubigen.

Ihr Alexander Grüder

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