Mein Leben als Urlaubsvertretung

Der Kollege mit dem orangefarbenen Helm war mal wieder da

„Schumi ist da“ – und Hannes und Michel streiten sich darum, wer ihm die Tür aufmachen darf. Foto: gf
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„Schumi ist da“ – und Hannes und Michel streiten sich darum, wer ihm die Tür aufmachen darf.

Urlaubsvertretung Markus Schumacher schreibt über seinen Kollegen Gunnar Freudenberg und dessen Söhne Hannes (5) und Michel (3).

Es ist nur ein kleiner Schlenker bei meiner Trainingsrunde mit dem Fahrrad, um zum Haus der Freudenbergs zu gelangen. Die Zeit für ein Pläuschchen am Fenster oder an der Tür nehme ich mir dann gerne. „Schumi ist da“, ruft der Kollege Freudenberg dann ins Haus. Und sofort kommen Hannes und Michel zur Begrüßung angelaufen. „Bayern“, erkennt der Jüngste mein rotes Trikot. „Richtig“, lobe ich ihn. Da kann ja fußballerisch doch noch etwas aus ihm werden. Obwohl der Vater beide Sprösslinge von Anfang an zu Werder-Bremen-Fans formen wollte. Bei Hannes ist er da schon weit gekommen. Aber oft trägt der Große auch ein blaues Trikot mit „HANNES“ auf dem Rücken. Es ist also noch nichts verloren.

Bei trockenem Wetter hört man schon von weitem Kindergeschrei aus dem Garten. Dann ist dort die komplette kleine Familie versammelt. Und weitere Nachbarn und Bekannte mit noch mehr Kindern dazu. Da fällt es manchmal schwer, die Dreikäsehochs auseinanderzuhalten.

Doch der Junge, der so doll an meinem rechten Arm zerrt, um mir den Swimmingpool zu zeigen, das muss wohl Hannes sein. Und der, der seinem Vater fröhlich lachend mit dem Kettcar vors Schienbein rauscht, das müsste Michel sein. Sonntags spielt der Vater mit seinen Jungs auch ein paar Hundert Meter weit entfernt auf dem Parkplatz des Discounters. „Da ist Schumi“, erkennt Michel mich trotzdem beim Vorbeifahren. „Ich konnte von weitem nur einen orangefarbenen Fahrradhelm erkennen“, gesteht mir der Kollege später. Doch Michel war sich seiner Sache absolut sicher. Zur Belohnung verliere ich das Wettrennen gegen Kinderfahrrad und Kettcar.

Ist bei Freudenbergs keiner daheim, begrüße ich wenigstens die Nachbarn kurz. Gunnar rufe ich dann auf dem Handy an. „Wir sind im Wald“ oder „Wir sind an der Wupper“, höre ich dann oft. Oder an einem anderen Gewässer.

„Dein Kollege mit dem Fahrrad war wieder da“, wird Gunnar später noch vom Nachbarn erfahren. Manchmal fahren die Freudenbergs in ihrer Familienkutsche aber auch an meinem Haus vorbei. „Schumis Haus“ nennen es die Kinder –und es ist eine feste Wegmarke auf dem Weg zu den Großeltern. Gerne wird dann aus dem Auto raus kurz vorher angerufen: „Die Kinder möchten, dass du ans Fenster kommst und deinen Bauch zeigst.“ Also nicht wundern, wenn sie mich am frühen Abend am offenen Fenster mit Handy am Ohr und T-Shirt bis zur Brust hochgezogen stehen sehen. Das mach ich nur den Kindern zuliebe. . .

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