Jubiläum

„Der Jugendstadtrat hat mich sehr geprägt“

Mitglieder des ersten Jugendstadtrats, der von 1997 bis 1999 amtierte, darunter Carolin Zeller (vorne, 3. von links).
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Mitglieder des ersten Jugendstadtrats, der von 1997 bis 1999 amtierte, darunter Carolin Zeller (vorne, 3. von links).

Der Jugendstadtrat in Solingen feiert seinen 25. Geburtstag. 1997 wurde das Gremium gegründet. Seine erste Vorsitzende ist heute Politik-Professorin.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Mit einer großen Party in der Ohligser Festhalle und dem Festival „Know your flow“ haben sie den Geburtstag gefeiert: Der Solinger Jugendstadtrat ist in diesem Jahr 25 Jahre alt geworden. Das Jugendparlament war 1997 unter anderem als Reaktion auf den Solinger Brandanschlag gegründet worden. Und viele Themen von damals sind auch heute noch aktuell. Das ST sprach mit einer der Mitbegründerinnen des JSR, dem ersten Geschäftsführer und dem aktuellen Vorsitzenden.

Carolin Zeller, damals Berschauer, gehörte zu den Jugendlichen, die sich damals für die Gründung des Gremiums einsetzten. Heute ist sie Professorin für Politikwissenschaften und Public Affairs an der Quadriga-Hochschule in Berlin. „Ich habe viel mitgenommen aus dieser Zeit. Das hat mich total geprägt“, blickt sie zurück. „Ob ich ohne den Jugendstadtrat Politik studiert hätte? Ich weiß es nicht.“ Als nach dem Brandanschlag Jugendliche gesucht wurden, um Jugendbeteiligungsmodelle für Solingen zu finden, sagte sie zu. „Ich habe mich damals am Gymnasium Schwertstraße schon in der Schülervertretung engagiert.“ Die neue Aufgabe brauchte langen Atem. Drei Jahre habe es gedauert, bis die Satzung für den Jugendstadtrat stand. An den Schulen warb sie mit Mitstreitern für das neue Gremium.

Mitgründerin Carolin Zeller.

Carolin Zeller wurde 1997 die erste Vorsitzende des Jugendstadtrats, dessen Amtszeit damals noch zwei Jahre betrug (heute drei). Themen seien gewesen: Nachtbusse und Orte für die Freizeitgestaltung wie Basketballkörbe und Flächen für Sprayer. „Wir haben dafür gekämpft, ernst genommen zu werden“, sagt sie. Der 1. JSR etablierte auch ein politisches Format, den „Talk in der Brauerei“: „Den ersten habe ich moderiert.“ Nach dem Abitur 1999 verließ Zeller Solingen, studierte in Bonn und England.
Auch interessant: Im Sommer hat der Jugendstadtrat gefragt, was sich in Solingen verbessern soll. Das sind die Ergebnisse.

Einer der großen Erfolge sei die Gründung des Rollhauses 2004 gewesen, sagt Jürgen Beu, erster Geschäftsführer des JSR. „Dafür haben wir viele dicke Bretter gebohrt.“ Vor der entscheidenden Sitzung des Stadtrats veranstalteten Jugendliche eine Skater-Demo. Auch das Jugendkulturfestival gehe auf den JSR zurück, blickt Beu zurück. Er verfolgt die Entwicklung heute aus dem Ruhestand. „Letztens war ich noch bei der Fridays-for-future-Demo.“

Jürgen Beu war erster Geschäftsführer des JSR.

Die Umwelt sei eines der Themen, die Jugendlichen wichtig seien, sagt Alexander Erkelenz, Vorsitzender des 12. Jugendstadtrats. Vieles ähnelt auch dem, was schon Carolin Zeller und ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern Ende der 90er Jahre wichtig war. Der JSR hat dazu gerade eine Umfrage gemacht. „Ein Großteil der Jugendlichen ist unzufrieden, dass es keinen festen Club in Solingen gibt und dass man nachts nicht gut mit dem Bus nach Hause kommt.“

Einen Jugendstadtrat gibt es in der Hauptstadt nicht

Alexander Erkelenz ist aktuell Vorsitzender.

Der JSR organisiert in diesem Jahr deshalb auch selbst Partys. Nach der Jubiläumsveranstaltung im September in der Ohligser Festhalle steigt dort am 25. November die nächste Party. Auch in Sachen Mitbestimmung haben die Jugendvertreter etwas erreicht: Der JSR hat wie Seniorenbeirat und Behindertenbeirat künftig ein Rederecht in Ausschüssen. Anregungen von Jugendlichen greife das Gremium gerne auf, betont Erkelenz. So habe eine Schülerin sich gewünscht, dass Periodenartikel an öffentlichen Orten gratis zur Verfügung gestellt werden. Im Haus der Jugend Dorper Straße hängt nun ein Automat.

„Ich finde es toll, dass es den Jugendstadtrat noch gibt“, sagt Carolin Zeller. „Das kann nur funktionieren, wenn es Leute gibt, die sich weiter dafür einsetzen.“ Ein Gremium wie der JSR existiere zum Beispiel in Berlin nicht.

Mitwirkung

„Ich glaube, dass Jugendliche eine Stimme brauchen und mitsprechen müssen“, sagt der JSR-Vorsitzende Alexander Erkelenz. Er wirbt für Beteiligung: „Jeder kann zu unseren Sitzungen kommen. Man muss dafür nicht gewählt sein.“

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