Mein Leben als P̶a̶p̶a̶  Mama

Der Job im Kreißsaal unterscheidet sich gar nicht so sehr vom Job als Mama

Wenn der Kaffee nicht stark genug sein kann und die Ohrläppchen vom ganzen „Wuuusa“ rot geschwollen sind, fühlt sich das Mamasein nicht gerade leicht an. Foto: gf
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Wenn der Kaffee nicht stark genug sein kann und die Ohrläppchen vom ganzen „Wuuusa“ rot geschwollen sind, fühlt sich das Mamasein nicht gerade leicht an.

Zum Muttertag erzählt nicht Gunnar Freudenberg vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes und Michel, sondern seine Frau Larissa.

„Wann ist Muttertag? Diesen Sonntag schon? Dann könnte ich ja über dich schreiben. . .“ stellte er fest und überlegte sich kurzerhand: „Ich wünsche mir zum Muttertag, dass du was schreibst.“ Warum sich mein Mann etwas zum Muttertag von mir wünscht, erschließt sich mir nicht wirklich, aber ich will mal nicht so sein. Nun gut, here we go. . .

„Manchmal ist das Leben schwer und dann weiß ich auch nicht mehr, was ich jetzt noch machen kann, dann fange ich zu summen an: Mhm mhm mhm mhm.“ So fühle ich mich in den letzten Tagen auch immer wieder – summe diese Strophen von Rüdiger Hoffmann vor mich her. Auslöser für meine meditative Auszeit sind in diesen Momenten die herrschende Unordnung, die Kabbeleien oder die allgemeine Lautstärke von Hannes und Michel.

Wenn der Kaffee nicht stark genug sein kann und die Ohrläppchen vom ganzen „Wuuusa“ rot geschwollen sind, fühlt sich das Mamasein nicht gerade leicht an. Es gibt Tage, da prallt jeder Deeskalationsversuch an unseren Altbaumauern ab – wie der Flummi, der eigentlich ein lebendiges Ziel hätte treffen sollen.

Heimlich wünsche ich mir dann endlich wieder einen Dienst im Kreißsaal. Von mir aus auch mit drei Geburten gleichzeitig. Aber ganz anders als zu Hause wäre das dann auch wieder nicht. Im Kreißsaal ist es nur anders laut, körperlich anstrengend und durcheinander. Meine Hebammen-Kolleginnen sagten mir vor sechs Jahren, dass ich nur bloß so lange bei meinen Kindern bleiben soll, wie es geht. Frisch ins Beschäftigungsverbot geschickt, konnte ich mir ein Leben „ohne Arbeit“ nur schwer vorstellen. Unsere Jungs belehren mich aber jeden Tag eines Besseren. Schon mit Hannes’ Geburt wusste ich, was meine Kolleginnen meinten. Ich liebe es, Mama und daheim zu sein.

Wenn ich mit meiner Oma telefoniere, lacht sie häufig ins Telefon beim Blick in die Vergangenheit. „Dass du jemals kochen lernst, damit hätte ich nicht gerechnet.“ Ich ehrlich gesagt auch nicht. Die Fußstapfen meiner Mama sind extrem riesig, was die Kochkunst betrifft. Aber nicht nur das. Seitdem ich selbst Mama bin, weiß ich noch viel mehr, was die Oldies, wie ich meine Eltern nenne, alles für meine Schwester und mich getan und mit uns ausgehalten haben.

Es gibt Sorgen und Ängste, die lernst du erst durch dein eigenes Kind kennen. Und du lernst dich selbst kennen. Oh, und wie du dich kennen lernst, wenn dein kleines Du nicht nur vor, sondern auch parallel in dir wütet. Das ist wie ein Blick in den verschmierten Spiegel im Badezimmer: Der Anblick ist nicht immer gleich gut zu ertragen.

Nein, hier läuft nicht immer alles rund und manche Tage sind einfach so. Aber abends kriechen wir alle zusammen in die Betten, lesen noch etwas – und dann summe ich wieder. Nur dieses Mal etwas von Rolf Zuckowski: „Bald seid ihr groß und könnt alles allein. Aber bis dann schlaft ihr hier bei mir ein.“

Allen Müttern da draußen wünsche ich einen sonnigen Muttertag!

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