Andacht

„Der Himmel – bunt gemischt“

Michael Mohr ist Leitender Pfarrer für die Pfarreien St. Clemens und St. Johannes der Täufer und seit 2017 als Solinger Stadtdechant tätig.
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Michael Mohr ist Leitender Pfarrer für die Pfarreien St. Clemens und St. Johannes der Täufer und seit 2017 als Solinger Stadtdechant tätig.

Theologen laden im ST zur Andacht ein – heute der katholische Stadtdechant Michael Mohr

Liebe Leser und Leserinnen,

in den letzten Tagen haben wir in der katholischen Kirche die beiden Feste Allerheiligen und Allerseelen begangen. Wir haben uns also bewusst gemacht, dass zur Gemeinschaft der Glaubenden viel mehr gehören als die, die in den letzten Tagen in den Kirchen oder auf den Friedhöfen unserer Stadt zusammengekommen sind: Da sind die, von denen wir überzeugt sind, dass ihr Leben gelungen ist und sie bei Gott sind: die Heiligen. Und da sind die, die wir begraben haben, die uns oft lange begleitet und geprägt haben: Für sie beten wir und hoffen, dass auch sie am Ziel bei Gott ankommen.

In der Lesung aus der Offenbarung des Johannes steht dann etwas von 144 000, die aus dem Volk Israel auserwählt seien. Und hier hat ein großes Missverständnis seine Ursache: Immer wieder haben Menschen daraus gemacht, dass es nur 144 000 Menschen sind, die in den Himmel kommen.

Also heißt es, wahlweise in diese oder jene Glaubensgemeinschaft oder Sekte einzutreten, um wenigstens eine Chance zu haben. Oder damit zu leben, dass der Himmel verschlossen bleibt. Wie viel Druck ist da aufgebaut worden, wie viele Menschen sind da ausgeschlossen worden durch die Zeiten hindurch!

Dabei kommt das Entscheidende erst danach: „Danach sah ich und siehe, eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen; niemand konnte sie zählen.“ Und schon sieht die Sache ganz anders aus: Da ist nicht mehr die Rede von einer bestimmten Zahl (die ohnehin eher symbolisch zu verstehen ist), und da ist auch nicht mehr die Rede von einer bestimmten Herkunft. Sondern da ist die unzählbare große Schar von Menschen aus allen Nationen, Stämmen und Sprachen. Der Himmel scheint also angefüllt und bunt gemischt zu sein mit den unterschiedlichsten Menschen.

Ich bin gespannt, wer alles dazu gehören wird. Wahrscheinlich wird es einige Überraschungen geben, denn auch die Religionszugehörigkeit spielt in dem Text der Offenbarung keine Rolle. Entscheidender ist, dass das Leben vor Gott gelingt. Dass es gelingt, immer wieder den anderen Menschen in Liebe zu begegnen, zu verzeihen und seinen Weg mit Gott zu finden.

Unsere Stadt hat am Allerheiligentag, dem 1. November, auch Abschied genommen von Mevlüde Genç. Keiner von uns kann ermessen, wie sehr die furchtbare Tat vom 29. Mai 1993 ihr Leben aus der Bahn geworfen hat. Aber sie hat ihren Weg ins Leben zurückgefunden und mehr noch: Sie hat unermüdlich für Verständigung und Versöhnung gearbeitet. Das beeindruckt mich sehr. Nun ist sie gestorben, und auch ich habe ihrer gedacht, während ich auf den Friedhöfen für unsere Verstorbenen gebetet habe.

Gott möge auf ihr Leben schauen und er, der sie aus Erde erschaffen und in die Erde hat zurückkehren lassen, möge sie erstehen lassen ein andermal. Wir alle sind berufen, unser Leben so zu leben, dass es gelingt. Wie das genau geht? Das ist sicher bei jedem von uns verschieden. Für mich ist diese herbstliche Zeit auch Gelegenheit, mir Zeit zu nehmen für diese Frage und mich zu erinnern an Menschen, die mich begleitet haben und mir Vorbild waren. Bestimmt kennt jeder von uns solche Menschen. Nehmen Sie sich ab und an die Zeit und denken an solche Menschen zurück. Ich bin sicher, dass das hilft, den eigenen Weg gut weiter zu gehen.

Ihr Pfarrer Michael Mohr

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