Der Gräfrather Lichtturm wird zum Musikinstrument

Unter dem Titel „Loud x Speakers“ wurde im Lichtturm das Wechselspiel von Licht und Tönen zum meditativen Erlebnis. Jeweils nur sechs Teilnehmer gab es pro Runde. Foto: Rouven Böttner
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Unter dem Titel „Loud x Speakers“ wurde im Lichtturm das Wechselspiel von Licht und Tönen zum meditativen Erlebnis. Jeweils nur sechs Teilnehmer gab es pro Runde.

Drei kleine Besucher-Grüppchen erlebten am Samstag das Installationsprojekt LTS4

Von Jutta Schreiber-Lenz

Zum Ende wurde es auf der Plattform unter dem Glasdach des Gräfrather Lichtturms meditativ: Mit geschlossenen Augen schienen Lola Mlaçnik, Pablo Garretón und Verena Barié als die drei Protagonisten des Samstagabends völlig in sich versunken. In stiller Taktung knipsten sie im Kniesitz fünf orientalisch anmutende Lampen an und aus – immer und immer wieder in gefühlter Endlos-Schleife. Dreimal konnten sich an diesem Abend jeweils sechs Zuschauer um das Trio herumdrapieren und gespannt sein auf das, was folgte – so wie zuvor auf den vier Stockwerken des Lichtturms.

Vom Parterre angefangen, hatte sich die kleine an Kunst interessierte Gruppe von den Künstlern Stiege um Stiege hinaufführen lassen. Stumm, nur von Tönen, Klängen, Geräuschen und Licht geleitet.

Auf den Etagen wurden Klänge zu einer einfühlsamen Kunsteinheit

Große Kesselpauken oder Triangeln, die schwerelos von der Decke zu schweben schienen, entlockten zum Beispiel Lola Mlaçnik und Verena Barié heftige „Wumms“ und zarte „Klings“. Mal im Liegen, wie verträumt und nebenher, mal energisch und geradezu aggressiv bearbeiteten sie die Instrumente und machten auch dem Fußboden zur Trommel.

Das Projekt LTS4 des Performance-Terzetts erkundet als Kunst-Reihe „Licht, Ton und Sicht“ als dialektische Werkzeuge in vier verschiedenen Etappen. Nach den Veranstaltungen „Rational x World“ und „Submarine x Solarzeppelin“ stand der vergangene Samstag unter der Überschrift „Loud x Speakers“. „Es geht um Dominanz, Selbst-Achtung, Erfolg, Ambition und Erotik“, erläuterte Medienkünstlerin Verena Barié, die das Ganze auch kuratierte und die an den Schnittstellen von Musik, Neuen Medien und Performance-Kunst arbeitete. „Was möchte man selbst, wo im Leben wird man getrieben, wie ist das mit der Balance zwischen diesen Polen: Das sind die Fragen, die wie als Abstraktionen in den Raum projizieren, durch Wechselspiel zwischen Licht und Klängen für den Zuschauer erfahrbar machen.“

Mit der Slowenin Lola Mlaçnik dem Chilenen Pablo Garretón hatte sie Kollegen dabei, die den Lichtturm einmal in bisher ungewohnter Weise nutzten und damit ihre Neugier nach alternativen Kunstformaten unterstützten. Schnell hatte sie mit dem Schließen von Vorhang und Eingangstür im Untergeschoss des Turmes die Atmosphäre geschaffen, die Protagonisten und Publikum zu einer dichten stillen Dialog-Einheit zusammenfassten. Im dunklen Rund flackerten erst eine, dann zwei und schließlich immer mehr Glühbirnen schrill und geradezu verstörend auf. Nur als Schatten erkennbar, baumelten Pendel über Weingläsern, in denen sich schäumende Substanzen sprudelnd und leise zischend auflösten.

Vier Lautsprecher, auch sie im Raum hängend, übertrugen Geräusche, unzusammenhängend und fernab jeglicher Melodie. Schweigend und intensiv gaben sich die sechs der Zuschauer ihrem Lauschen, Horchen und Erahnen hin, bis es endlich, nach gefühlter Ewigkeit, geradezu erlösend ein Stockwerk höher ging. Hier wartete Sichtbarkeit: Im Hellen zelebrierten Lola Mlaçnik und Verena Barié ihr Spiel mit Triangeln und Pusterohren, die wie ein Mix aus Trompete und Fernrohr anmuteten. Dazwischen gellende Pfiffe aus kleinen Röhrchen, so dass wiederum der weitere Aufstieg in die nächste Etage wie eine willkommene Fluchtmöglichkeit schien. Das Tappen der Schritte auf den Metallgitter-Stufen schien Teil der Performance zu werden – ebenso das pausenlose Klicken der Fotoapparate – Auslöser zweier Zuschauer, die das Erlebte digital einfingen.

Kunst im Turm

Förderung: Mit dem Solinger Kunstverein, der Kunststiftung NRW, dem Musikfonds e. V. sowie dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft unterstützen gleich vier Fördermittelgeber die spartenübergreifende Kulturreihe „Dialektik 1-6“.

Wiederholung: Die nächste Performance wird bei freiem Eintritt am 2. Oktober stattfinden. Erneut ist der Gräfrather Lichtturm der Ort des Geschehens. Anmeldung vorab notwendig:

info@lts4.org

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