Mein Leben als Papa

Der Fotograf kommt in den Kindergarten – und ich blicke zurück

Nein, nicht Hannes und Michel, sondern der Papa – ein echtes Kind der 80er Jahre.
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Nein, nicht Hannes und Michel, sondern der Papa – ein echtes Kind der 80er Jahre.

ST-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (6) und Michel (3).

Nicht nur Nikolaus und Verkehrspolizist gehören zu den regelmäßigen Besuchern im Kindergarten. Normalerweise heißt es auch einmal im Jahr: „Der Fotograf kommt.“ Aber was war in den vergangenen Corona-Jahren schon normal? Und so hatte ich mich schon damit abgefunden, dass es von Hannes nur ein professionelles Bild aus seiner Kindergartenzeit geben würde. Das aus seiner Anfangszeit.

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Jetzt aber hatte sich derselbe Fotograf nach mehr als drei Jahren Pause mal wieder angekündigt. Hannes freute sich darauf. Er hatte den Fotografen als netten Mann, der immer so viel Quatsch macht, um die Kinder zum Lachen zu bringen, abgespeichert. Auf dem drei Jahre alten, sehr gelungenen Foto lächelt er auch fröhlich in die Kamera, was uns damals doch sehr überrascht hatte – war Hannes zu dieser Zeit doch noch ein eher schüchterner Neuling im Kindergarten.

Heute ist er das große Vorschulkind, das die anderen Kinder auf dem Gruppenbild um einen Kopf überragt. Freiwillig zog er sich morgens sein schickstes Hemd für das angekündigte Fotoshooting an. Seine Haare wollte er vorher nicht noch einmal schneiden lassen, denn: „Ein bisschen längere Haare find ich cool.“

Michel war sich am Morgen noch überhaupt nicht sicher, ob er wirklich für einen fremden Mann Model stehen solle. Zu schicken Klamotten ließ er sich auch nicht überreden. Es hätte mich also nicht gewundert, wenn er mir mittags mit den Worten von Heidi Klum mitgeteilt hätte: „Ich habe leider kein Foto für dich.“ Doch schon wenige Tage später konnte das Ergebnis der Fotosessions im Kindergarten bewundert werden. Mit Hannes. Mit Michel. Und mit Hannes und Michel gemeinsam auf einem Bild.

Was soll ich sagen? Die Fotos sind wirklich schön geworden. Hannes lächelt mich irgendwie weltmännisch an. Wie ein Drittklässler, der für die Wahl zum Klassensprecher Plakate hat drucken lassen.

Michel lächelt nicht. Der Junge, der zu Hause gerne den Clown gibt, blickt nicht unfreundlich, aber sehr skeptisch in die Kamera. Nach dem Motto: „Ich guck mir das hier erst mal an und bin vielleicht im nächsten Jahr bereit, mich etwas mehr zu öffnen.“ Kurzum: Die Fotos spiegeln den Charakter der beiden wider. Hannes und Michel sind mit dem Ergebnis auf jeden Fall sehr zufrieden. Die Mappen mit allen Bildern werden bestellt.

Schaue ich mir meine alten Kindergartenfotos, die mein Vater ordentlich in Fotoalben aufbewahrt, an, muss ich eher lachen. Ich sehe auch eine bordeauxfarbene Brille, für die ich mich noch heute vor meiner Frau rechtfertigen muss. Ich sehe Haare, die mir die Erzieherinnen noch kurz vor der Aufnahme unnatürlich glatt gekämmt haben. Ich sehe, dass sich meine Frisur seit mehr als 30 Jahren nicht großartig verändert hat. Und ich sehe einen Raben, der mir in die Hand gedrückt wurde, um das Foto aufzulockern. Oder habe ich ihn mir ausgesucht? Cool ist er jedenfalls nicht.

Was ich trotz aller Kuriositäten auf meinen Fotos aber auch irgendwie erkenne, sind Hannes und Michel. „Der schönste Spiegel eines Menschen sind seine Kinder“, heißt es. Da ist was dran.

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