Mein Leben als Papa

Denn was sich reimt, ist gut! Nicht immer, aber immer öfter . . .

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ST-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (6) und Michel (3).

Meine Frau fand die Idee nicht so toll: „Darüber willst du doch nicht wirklich schreiben.“ Sie möchte manche der Reime, die Hannes und Michel seit Wochen vom Stapel lassen, einfach nicht in der Zeitung lesen. Ist vielleicht wirklich besser so.

Das Thema greife ich aber trotzdem auf. Denn was sich reimt, ist ja bekanntlich erst mal gut. Wusste der Pumuckl schon, als ich noch ein Kind war. Mit dem rothaarigen Kobold ist Hannes allerdings nie so richtig warm geworden. Sein Vorbild, was das Reimen angeht, hört auf den Namen Captain Tolle – ein Papagei aus der Hörspielreihe „Die Playmos“, der ausschließlich in Versen kommuniziert. Ganz so schlimm ist es bei Hannes noch nicht. Aber es gilt, um im Bild zu bleiben: Auch Hannes, der kann es! Manchmal ist sein erster Satz am Morgen schon ein Reim. Wenn ich ihn um zehn nach acht endlich aus dem Bett bewegen will, kontert er: „Acht Uhr zehn, ich will noch nicht aufsteh’n.“

Ein gelungener Reim, das muss ich ihm lassen.

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Michel hat er längst angesteckt. Auch sein kleiner Bruder kontert immer häufiger erstaunlich schlagfertig. Abends zum Beispiel, wenn ich ihn endlich ins Bett bewegen möchte, sagt er: „Müde sein, will kein Schwein.“ Natürlich entspringen ihren Lippen nicht immer gelungene, passende und sinnhafte Verse. Auf „zwölf“ wird da etwa „pölf“ gereimt oder „Schnudeln“ auf „Nudeln“. Als Dauerbeschallung wird ihr Reimen irgendwann anstrengend. Und bisweilen echt nervig. Zumal dann auch noch die seit Jahrzehnten bewährten Standardreime, zum Teil aus dem Kindergarten mitgebracht, zwischendurch immer wieder abgeschossen werden: „Vertan, sprach der Hahn“ oder „Ja genau, du bist’n Pfau“,

Dass Reime für Kinder wichtig sind, sagt auch die Wissenschaft. Weil Reime von der gewöhnlichen Art, miteinander zu sprechen, abweichen und sich einfach lustig anhören. Kinder lernen, dass Sprache eben nicht nur Inhalt ist, sondern jeder Inhalt auch eine Form hat. Sprache ist rhythmisch, melodisch und macht manchmal sogar ohne Sinn einfach Spaß.

Kein Wunder, dass Zungenbrecher bei Hannes gerade ganz hoch im Kurs stehen. Sein Liebling: „Zehn Zappelmänner zeigen Handstand, zehn im Wandschrank, zehn am Sandstrand.“ Wiederholt er immer wieder. Muss ich immer wieder wiederholen. Und Michel versucht es zumindest.

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Ziemlich beliebt sind auch Reime, die provozieren. Schimpfe ich mit ihnen, muss ich mir von Hannes und Michel oft den Spruch „Was man sagt, das ist man selbst, wenn man nicht die Klappe hält“ anhören. Und am besten großzügig weghören und mich an meine eigene Kindheit erinnern, als ein Spruch wie „Noch so’n Spruch – Kieferbruch!“ als cool galt.

An guten Tagen gelingt es den Jungs auch, eine für sie ungünstige Situation mit einem Reim zu verbessern. Als Oma und Opa neulich zu Besuch waren, reimten Hannes und Michel wirres Zeug, quatschten ständig dazwischen und machten eine gepflegte Unterhaltung unmöglich. „Jetzt ist aber wirklich mal Schluss“, fuhr ich sie irgendwann an. Was Hannes geistreich entgegnete: „Unterhalten? Dürfen sich nur die Alten.“

Wieder hatte er erfahren, was Sprache alles erschaffen kann – manchmal auch einfach nur viele lachende Gesichter.

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