Historische Bedeutung

Denkmalliste erfasst fünf Siedlungen in Solingen

Bei der Siedlung an der Regerstraße, die Schweizer Architekten „Atelier 5“ im Jahr 1972 entwarfen, loben die LVR-Experten für Denkmalschutz die architektonische Bedeutung. Die Siedlung ist eine von fünf in der neuen Denkmal-Inventarliste für Wohnsiedlungen des LVR. Foto: Michael Schütz
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Bei der Siedlung an der Regerstraße, die Schweizer Architekten „Atelier 5“ im Jahr 1972 entwarfen, loben die LVR-Experten für Denkmalschutz die architektonische Bedeutung. Die Siedlung ist eine von fünf in der neuen Denkmal-Inventarliste für Wohnsiedlungen des LVR.

Der LVR hat die städtebauliche, architektonische und historische Bedeutung untersucht.

Von Philipp Müller

Solingen. Das Amt für Denkmalpflege beim Landschaftverband Rheinland (LVR) hat fünf Solinger Siedlungen in das neue große und zweibändige Werk einer Inventarliste mit denkmalwürdigen Orten aufgenommen. Sechs Jahre lang hat der LVR mit Experten daran gearbeitet und den Bereich zwischen Bonn und Düsseldorf sowie Neuss bis Wuppertal betrachtet. 207 Siedlungen an dieser „Rheinschiene“ haben es in das Werk geschafft.

Dr. Andrea Pufke vom LVR erklärte, es habe bisher an einer systematischen Erfassung der Siedlungsorte gefehlt. Ihre Kollegin Dr. Helmtrud Köhren-Jansen erläuterte den Sinn der Arbeit. Die neue Liste wolle Maßstäbe setzen, mit denen Kommunen beurteilen können, wo es aus ihrer Sicht denkmalwürdige Siedlungen gibt. Dazu habe der LVR eng mit den Unteren Denkmalbehörden der Städte bei der Erstellung zusammengearbeitet. Einer der Autoren, Prof. Walter Buschmann, erklärt, so zeige sich die ganze Vielfalt der baulichen Entwicklung.

Bereits unter Denkmalschutz stehen drei der in der LVR-Inventarliste aufgeführten Siedlungen aus Solingen:

Werkssiedlung für Angestellte der Firma J. A. Henckels: Zwischen 1911 und 1913 entstand die Siedlung an der Henckelsstraße nach einem Entwurf von Arno Eugen Fritzsche. 1988 stellte die Stadt sie unter Denkmalschutz. Begründung: Sie sei ein Zeugnis des Siedlungsbaus in Solingen und dokumentiere die Bedeutung des Architekten wie des auftraggebenden Unternehmens.

Werkssiedlung Kronprinz: Zwischen 1921 und 1922 wurde die Bauten an der Weyerstraße errichtet. Für weiter denkmalwürdig halten die Experten des LVR die Häuser, die die Stadt seit 1992 unter Schutz gestellt hatte, weil, sie „zur bautypologisch und funktional abgrenzbaren Gattung von Wohnanlagen für die leitende Angestelltenschicht von Unternehmen“ zählen.

Städtische Feuerwehrsiedlung: Zwischen 1928 und 1929 wurden die Häuser an der Brunnen- und Saturnstraße gebaut. Seit 1987 stehen sie unter Denkmalschutz. Die LVR-Experten begrüßen die Begründung der Stadt: „Die Siedlung ist ein Zeugnis des öffentlichen Wohnungsbaus der 1920er Jahre und der Geschichte des Feuerwehrwesens in Ohligs.“

Zwei weitere Siedlungen sollten nach Ansicht der Experten in die Solinger Liste: 

Genossenschaftssiedlung Cäcilienstraße: Der Entwurf stammte wie bereits bei vielen Bauten des Spar- und Bauvereins vor dem Ersten Weltkrieg von dem Solinger Architekten Franz Perlewitz. Die Siedlung entstand zwischen 1921 und 1922. Die mögliche Aufnahme in die Liste begründet der LVR so: „Innerhalb der umfangreichen Tätigkeit des Bauvereins und anderer Bauträger stellt die Siedlung Cäcilienstraße eine Ausnahme dar.“

Siedlung Regerstraße: Die Autoren des LVR erklären: „Das renommierte Schweizer Architekturbüro Atelier 5 leistete mit mehreren Werken einen bedeutenden Beitrag zum Konzept der verdichteten Flachbausiedlung.“ Dazu gehöre die zwischen 1971 und 1977 errichtete Anlage in Höhscheid.

Siedlungsinventar

Die gewichtige Publikation des LVR-Amts für Denkmalpflege im Rheinland ist die erste ihrer Art in der Bundesrepublik Deutschland. Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) erklärt dazu: „Noch nie wurden denkmalwerte Siedlungen hierzulande so systematisch erfasst und publiziert. Dass ausgerechnet im Rheinland der Aufschlag zu diesem Mammut-Projekt gemacht wurde, hat gute Gründe. Mit der Industrialisierung entstanden vielfältige Siedlungen im Rheinland, um den wachsenden Bedarf nach Wohnraum zu bedienen.“ Die zwei Bände kosten 99 Euro. Bezug im Handel über: ISBN 978-3-7319-0966-8

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