Aktion

„Denk mit statt quer!“: Das ist die Resolution der Stadt im Wortlaut

In der Stadtkirche am Fronhof wurde am Freitag eine Resolution unterzeichnet.
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In der Stadtkirche am Fronhof wurde am Freitag eine Resolution unterzeichnet.

Die Kampagne wurde am Freitag mit einer öffentlichen Unterschriftenaktion und einigen Redebeiträgen gestartet.

Solingen. Unter der Überschrift „Denk mit statt quer!“ haben die Stadtverwaltung und das Bündnis für Toleranz und Zivilcourage eine Resolution verfasst – viele Institutionen, Vereine und Initiativen rufen die Solingerinnen und Solinger dazu auf, zu unterschreiben. Oberbürgermeister Tim Kurzbach hat die Kampagne am Freitag mit der öffentlichen Unterzeichnung gestartet. Ab 14. Februar soll die Resolution im Rathaus-Foyer und im Impfzentrum zur Unterschrift ausliegen. Zur Dokumentation und um Ihnen, liebe Leserinnen und Lesern, die Meinungsbildung zu erleichtern, druckt das Solinger Tageblatt die Resolution im Wortlaut.

Die Resolution im Wortlaut unter der Überschrift „Denk mit statt quer!“:

Zwei herausfordernde Jahre Corona-Pandemie liegen hinter uns. Die Pandemie hat unseren Alltag bestimmt und eingeschränkt. Maskenpflicht, Abstandsregeln, Lockdown: Jeder und jede von uns war und ist in irgendeiner Weise betroffen. Und über 240 Solingerinnen und Solinger sind bis jetzt mit oder an den Folgen des Virus gestorben. Auch wenn die Ansteckungsrate jetzt nach oben schnellt, besteht die Hoffnung, dass wir die Seuche überwinden können: Indem wir uns impfen lassen, indem wir uns an die Regeln halten, indem wir verantwortungsvoll mit uns und den anderen umgehen. Mehr denn je ist gegenseitige Solidarität gefordert!

Auch, wer Zweifel an den Corona-Maßnahmen und Furcht vor dem Impfen hat, soll das in einer lebendigen Demokratie offen sagen und für seine Überzeugungen demonstrieren dürfen. Aber nur im Rahmen unserer Verfassung, unter Beachtung der Gesetze und nur im Respekt vor den Überzeugungen der Andersdenkenden.

Doch wir erleben anderes: Seit Wochen schwillt auch in unserer Stadt der Protest der Querdenker und Corona-Leugnerinnen und Corona-Leugner an. Eine kleine Minderheit kämpft um die Deutungshoheit zum Thema Pandemie. Mit Autokorsos und „Spaziergängen“ an vielen Orten kapern sie den öffentlichen Raum. Ihr Handwerkszeug sind Grenzüberschreitung, Regelverletzung, Verächtlichmachung der Vertreterinnen und Vertreter von Polizei, Stadt und Behörden. Das reicht vom bewussten Entgleisenlassen der montäglichen Demonstration vor dem Rathaus bis zu offener Einschüchterung: So wurde in einer Chatgruppe des sogenannten „Solinger Widerstands“ die Privatadresse des Solinger Oberbürgermeisters gepostet und zu einem „Besuch“ vor seinem Privathaus aufgefordert.

Welcher Ungeist und Irrsinn hinter dem „Solinger Widerstand“ steht, wie quer die Autoren denken, entlarvt der beigefügte Satz, nur auf diese Weise bringe man „psychopathische Schwerkriminelle und Spritzen-Massenmörder komplett aus dem Konzept“. Gemeint sind alle Institutionen, die seit zwei Jahren den Kampf gegen die Seuche für uns alle führen: Ministerien, Gesundheitsämter, Ärztinnen und Ärzte, die Ordnungsbehörden. Solches Denken und Handeln dürfen wir als Demokratinnen und Demokraten nicht schweigend hinnehmen!

Wir appellieren an alle Solingerinnen und Solinger, die noch nicht geimpft sind, die eigene Haltung noch einmal zu überprüfen. Es sprechen mehr rationale Argumente für die Impfung als dagegen: Sie schützt uns und andere vor Ansteckung und schweren Krankheitsverläufen; sie ist der Weg aus der Pandemie für uns alle.

Doch vor allem appellieren wir an alle, die an Autokorsos und Spaziergängen teilnehmen oder damit sympathisieren: Überlegen Sie, mit wem Sie hier mitlaufen. Verfolgen die Organisatoren nicht ganz andere Ziele? Keine Sorgen, keine Kritik, keine Empörung und auch keine Enttäuschung rechtfertigen den Schulterschluss mit den Feinden unserer Demokratie.

Mit-Denken, nicht Quer-Denken lautet das Gebot der Pandemie. Impfen und Maske tragen schützt. Dich. Mich. Uns alle.

Tim-O. Kurzbach, Oberbürgermeister – Bündnis für Toleranz und Zivilcourage Solingen – Fraktionen im Rat der Klingenstadt Solingen

Unterzeichner

Initiatoren: Lutz Peters als Sprecher der Stadtverwaltung und Hans-Werner Bertl als Sprecher des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage – das Bündnis gehört ebenso zu den Erstunterzeichnern wie Oberbürgermeister Tim Kurzbach und alle Fraktionen des Solinger Stadtrates, die teils mit mehreren Vertretern anwesend waren.

Weitere Unterzeichner – laut Stadt Solingen und ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Angekündigt hatten sich Dr. Ilka Werner (Superintendentin der Evangelischen Kirche Solingen), Jan Welzel (Gesundheits-, Ordnungs- und Rechtsdezernent), Dagmar Becker (Dezernentin für Schule, Jugend, Kultur, Integration und Sport), Birgitta Radermacher (Regierungspräsidentin), Ingo Schäfer (Mitglied des Deutschen Bundestages, SPD), Jürgen Hardt (Mitglied des Deutschen Bundestages, CDU), Josef Neumann und Marina Dobbert (beide Mitglieder des Landtags NRW, SPD), Sylvia Löhrmann (Ex-NRW-Ministerin, Grüne), Bernd Wilz (Ex-Bundestagsmitglied, CDU), Prof. Winfried Randerath (Chefarzt Lungenfachklinik Bethanien), Prof. Dr. Thomas Standl (Medizinischer Geschäftsführer Klinikum Solingen), Dr. Markus Meibert (Ärztlicher Direktor St. Lukas Klinik), Annette Heibges (Leiterin des Gesundheitsamtes), Guido Krämer (Gesundheitsamt), Uta Schneider und Stephan A. Vogelskamp (beide Geschäftsführung Bergische Struktur- und Wirtschaftsförderung), Sigrid Wolf (Regionsgeschäftsführerin DGB Düsseldorf-Bergisch Land), Jens Merten (Vorsitzender Personalrat Grundschulen), Kirsten Olsen-Buchkremer (Geschäftsführerin Bädergesellschaft), Hans-Peter Harbecke (Verein Wir in der Hasseldelle, 1. Vorsitzender) sowie die Preisträger des „Silbernen Schuhs“ Ursula und Hermann Josef Dörpinghaus (2020), Daniela Tobias (2019), Christoph Zenses (2018), Uli Preuss (2012) und Helmut Eckermann (2006).

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