Kirche

Andacht im ST: Dem Himmel ganz nahe sein

Zur Person Michael Mutzbauer ist leidenschaftlicher Wanderer. Seit Oktober 2020 ist der Theologe Vikar in der Evangelischen Kirchengemeinde Rupelrath. Fotos: Katharina Mutzbauer / Leon Hohmann
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Zur Person Michael Mutzbauer ist leidenschaftlicher Wanderer. Seit Oktober 2020 ist der Theologe Vikar in der Evangelischen Kirchengemeinde Rupelrath.

Theologen laden im ST zur Andacht ein – heute Vikar Michael Mutzbauer.

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich bin ein großer Bergfan. An keinem Ort fühle ich mich dem Himmel näher als in den Bergen. Damit bin ich in der guten Gesellschaft einer ganzen Reihe von heiligen Menschen, die alle ihre besonderen Bergerlebnisse hatten. Mose war 40 Tage auf dem Berg Sinai und hat dort die zehn Gebote empfangen. Salomo hat auf dem Zionsberg den Jerusalemer Tempel erbauen lassen. Von Jesus wird erzählt, dass er Berge bestieg, um dort zurückgezogen zu beten. Berge und Gott – das gehört zusammen wie erste warme Tage und erstes Eis! Und vom Bergsteigen kann man tatsächlich viel über Gott und Glauben im Alltag lernen.

Bergsteigen bedeutet: herrliche Aussichten. Der Duft von Latschenkiefern. Weite geschwungene Bergwiesen. Schier endlose Mengen an Fels und Stein. Schritt für Schritt geht es auf dem Weg voran. Plätscherndes Wasser von einem Bach. Was für ein Erlebnis! Wie herrlich und wunderschön! Ich finde, an einem Tag in den Bergen kann man Gott ganz leicht zustimmen, dass die Erde „sehr gut“ (1. Mose 1, 31) gelungen ist. Aus meinem ersten Urlaub in den Bergen habe ich eine richtige Begeisterung für die Natur mitgenommen. Denn begeistert kann man auch ein paar Höhenmeter tiefer sein – besonders in so schöner Natur wie im Bergischen Land. Auch wozu mein Körper fähig ist und wie beeindruckend Gott ihn geschaffen hat, kann ich bei einer Wanderung bestaunen. Staunen über Gottes Schöpfungskraft ist etwas, das ich sehr oft im Alltag erlebe. Der Blick aus dem Fenster, ein Spaziergang und die Stimmen der Vögel zeigen mir tagtäglich, wie „sehr gut“ Gott die Erde geschaffen hat.

Berge sind allerdings nicht immer ein idyllisches Wander- oder Schneeparadies. In den Bergen lauert auch große Gefahr. Auf unsicheren Pfaden ist Trittsicherheit gefragt. Im Winter droht Lawinengefahr. Auch im Sommer kann das Wetter schnell und gefährlich umschwingen. Wenn ein Berg umhüllt ist von Wolken, dann kann es dort oben ganz schön zur Sache gehen. Diese Erfahrung von Gefahr gehört auch zum Leben dazu: Nicht immer ist alles schön und gut. Krieg in der Ukraine, Tausende Corona-Tote, Zweifel, Sorgen, Krankheit, Leid und Tod stehen dem Glauben an einen guten Gott gegenüber. Gott ist verhüllt in einer Wolke aus Leid, Alltag und Schwerem. Für diese Erfahrung lassen sich in den biblischen Klagepsalmen Worte finden, die das Gott entgegenschleudern (Psalm 77).

Es gibt beides: Das Staunen über das Gute und Schöne. Und die harte Realität des Lebens. Das Spannende des christlichen Glaubens liegt genau darin: Die Spannung wird nicht aufgelöst. Das Negative, Schwere und abgrundtief Schlechte werden nicht einfach aus dem Leben gestrichen. Sie sind Teil unseres Lebens. Und häufig passieren schlechte Dinge gleichzeitig mit guten Dingen.

Berge und Gott – das gehört zusammen wie erste warme Tage und erstes Eis!

Das stärkste Zeichen für diese Gleichzeitigkeit ist das Kreuz. Es steht für beides: Jesus leidet und stirbt, aber am Ostermorgen hat er den Tod besiegt und das Kreuz bleibt leer. Das Kreuz bedeutet: Es gibt den Tod und gleichzeitig ist der Tod besiegt. Es gibt Schlechtes, Schlimmes und Grausames, aber gleichzeitig so viel Gutes.

Gott hat sich auf die Seite des Guten geschlagen. Bei aller Gleichzeitigkeit: Am Ende wird das Gute gewinnen. Darauf setze ich meine Hoffnung. Mit den biblischen Worten von Psalm 121: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen.“

Ihr Michael Mutzbauer

Michael Mutzbauer

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