Familienzeit

„Das Thema Krieg darf man nicht der Kinder-Fantasie überlassen“

Andrea Daun ist Pädagogin und Leiterin einer Kita in Remscheid. Foto:
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Andrea Daun ist Pädagogin und Leiterin einer Kita in Remscheid.

Pädagogin Andrea Daun rät, mit Kindern altersgemäß über Konflikte zu sprechen

Von Andrea Daun

Kann man das aktuelle Thema des Kriegs in der Ukraine komplett von Kindern fernhalten? Nein, so die Pädagogin und Kita-Leiterin Andrea Daun. Kinder hören im Bus, in der Kita oder Schule, am Telefon, im Treppenhaus Gesprächsfetzen. Bevor man alles ihrer Fantasie überlässt, wäre es besser, sie altersentsprechend einzuweihen. Und wie spreche ich mit ihnen? Erstmal könnte man auch erfragen, wie sie sich den Krieg vorstellen oder was sie schon darüber wissen. Dann kann man ergänzen oder ein Beispiel aus dem Alltag bringen. „Erinnerst du dich, als du deiner Schwester den Nachtisch weggenommen hast? So ist es gerade auch. Da will der Boss eines Landes einem anderen Boss etwas wegnehmen.“ Hören Sie den Gedankenspielen Ihres Kindes zu und kommentieren Sie nicht zu sehr.

Denn es geht ja nicht ums Rechthaben, sondern darum, Blockaden und Ängste zu lösen. Wenn man über sie spricht, verlieren sie an Kraft.

Bis einschließlich Grundschulalter sollten Kinder keinen eigenen Zugriff auf soziale Netzwerke haben. Die Dimension ist nicht abzuschätzen und deren Wirkung auch nicht. Hier sind die Erwachsenen gefragt, sie sollten Kinder schützen vor zu viel Digitalität. Und bitte keine Kriegsdetails erzählen. Es reicht der grobe Zusammenhang: dass sich Erwachsene so sehr streiten können, dass auch andere Menschen darunter leiden müssen. „Das ist sehr traurig, doch so ist es. Auf der anderen Seite gibt es Erwachsene, die helfen wollen, diesen großen Streit zu stoppen. Das sind unsere politischen Abgeordneten, die jetzt für uns da sind und für den Frieden kämpfen.“ Gespräche nicht als Dauerthema anschneiden, sondern zeitliche Grenzen ziehen und auch für schöne Augenblicke sorgen.

Wenn Kinder fragen „Machst du dir Sorgen?“: ehrlich antworten. Etwa: „Ja, das tue ich. Ich habe auch Hoffnung, doch ich habe auch Sorge.“ Oder: „Ich bin jemand, der macht sich immerzu Sorgen. Auch wenn es nicht genug regnet, mache ich mir Sorgen, oder zu viel Sonne scheint. Ich will auch nichts versprechen, denn niemand weiß, wie sich ein Streit entwickeln kann. Doch ich bin auch voller Zuversicht. Kennst du solche Gefühle?“ Wenn ein Kind helfen will, soll man es unterstützen? Spenden kann man zusammen an Sammelstellen abgeben. Auch ein Gebet oder eine Kerze im Fenster können positiv wirken. Etwas tun kann Ängste ausgleichen, und sich als ein Teil der Hilfe zu fühlen, ist ein gutes Gefühl, das belebt die Hoffnung und die Stimmung.

Fragen für Andrea Daun an: daniela.neumann@solinger-tageblatt.de

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