Kammerspielchen

Das Publikum hat viel Spaß an temporeichen Wortgefechten

In der Komödie „Runter zum Fluss“, lieferten sich Anke und Thorsten im Pina-Bausch-Saal unter-haltsame Auseinandersetzungen. Foto:
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In der Komödie „Runter zum Fluss“, lieferten sich Anke und Thorsten im Pina-Bausch-Saal unter-haltsame Auseinandersetzungen.

Das Kammerspielchen Solingen brachte das Stück „Runter zum Fluss“ von Frank Pinkus auf die große Bühne des Pina-Bausch-Saals

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Am Ende wollten beide verliebt und glücklich „zusammen irgendwo hinfahren“ – so wie der alte Peter-Rubin-Schlager aus dem Off es passgenau auf das finale Bühnengeschehen herunter schnulzte. Bis zu diesem Happy End gab es am Donnerstagabend auf der Bühne des Pina- Bausch-Saals allerdings viele Worte, meistens heftige und laute: Zwischen Nina von Altenstadt als Anke und Thorsten Nindel als Karsten schlugen die verbalen Wellen knappe zwei Stunden ausgesprochen hoch.

In der Komödie „Runter um Fluss“ aus der Feder von Frank Pinkus lieferte sich das Paar ein wortwitziges und temperamentvolles Dialog-Dauer-Scharmützel, an dem die Zuschauer und Zuschauerinnen im zur Hälfte gefüllten Saal ihren Spaß hatten.

Nahezu zeitgleich im Streit von ihren Ehepartnern sitzen- beziehungsweise stehengelassen, wendete sich der gegenseitige Blick der Protagonisten plötzlich aufeinander. Und das, obwohl Charaktere und Temperament kaum gegensätzlicher sein könnten. Amüsiert verfolgte das Publikum die Bemühungen der toughen Anke, aus ihrem bis dato eher von Ferne belächelten peniblen und geradezu spießigen Zelt-Nachbarn auf dem Campingplatz in Süd-Frankreich, einen „echten Mann“ zu machen.

Derbe Lebensweisheiten werden zu echten Komplimenten

„Frauen wollen sensible Kerle, die trotzdem ,Hey Baby, hier bin ich‘ sagen“, war so ein deutlicher Hinweis, der dem hölzernen Karsten auf der Bühne ein ehrliches Staunen abrang und das Auditorium breit grinsen ließ. Wie selbstverständlich zog Anke gleich zu Anfang mit in das Zelt ihres Nachbarn. „Mein Mann hat unser Zelt schließlich mitgenommen“, war ihre logisch-pragmatische Begründung und machte klar, wer hier künftig das Sagen hatte. Ihr Wahlspruch „Das kriegen wir hin“ stieß vehement und in Dauerschleife gegen Karstens Bedenken-Mantra: „Das kriegen wir in keinem Fall hin!“ Dennoch: Gegensätze ziehen sich bekanntlich an. Trotz aller Reibereien und zum Teil wütenden gegenseitigen Beschimpfungen knisterte es prompt mächtig zwischen dem ungleichen Duo.

Endlich hatte Anke jemanden gefunden, der nicht nur ihre Beine, sondern auch ihre gefühlvollen Geschichten über ihre geliebte „Linie 142“, deren Busfahrerin in Hamburg sie ist, zu schätzen wusste. Und Karsten saugte wie ein Schwamm die in derbe Äußerungen verpackten Komplimente auf: „Ein gut aussehender Mann in weißen Tennissocken mit Sandalen geht gar nicht.“

Der Anruf, dass die beiden im Zorn verschwundenen Ehepartner der sitzengelassenen Schicksalsgemeinschaft reumütig auf dem Rückweg seien, sorgte unterm Strich nicht für Begeisterung.

Es würde diesmal nicht reichen gemeinsam „runter zum Fluss“ zu laufen, um das Problem zu lösen. Das war nämlich während des Stückes zum Synonym für „Es wird wieder gut“ geworden. Jetzt war die Zeit reif für ein gemeinsames „Irgendwohin“.

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