Das machen Einser-Abiturienten von damals heute

Meltem Dogan promoviert am Deutschen Kinderschmerzzentrum in Datteln. Foto: Susanne Lopez Lumbi
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Meltem Dogan promoviert am Deutschen Kinderschmerzzentrum in Datteln.

Vor zehn Jahren legten sie einen Schulabschluss mit der Traumnote 1,0 hin

Von Susan Jörges

Abi-Entlassfeiern bestimmten in diesen Tagen lokale Nachrichten im ST, was vor zehn Jahren nicht anders war. Damals erzählten sieben Absolventen mit der Note 1,0 unserer Redaktion von ihren Plänen. Wir wollten wissen: Welche Wege haben sie eingeschlagen, was hat sie geprägt und wofür begeistern sie sich heute?

1Corinna Brauner: Sie hat an ihrem Studienwunsch festgehalten und in Münster Psychologie studiert, im Master mit dem Schwerpunkt Personal- und Wirtschaftspsychologie. Die Frage, wie das Arbeitsleben zufriedenstellend und gesund gestaltet werden kann, findet sie besonders spannend. Ihre Promotion widmete sie daher den Themenbereichen Arbeitszeit und Entgrenzung von Arbeit und Privatleben. Brauner wohnt in Holzwickede nahe Unna und arbeitet seit 2020 am Landesinstitut für Arbeitsgestaltung des Landes NRW in Bochum. Ein Geheimrezept für die Work-Life-Balance hat sie zwar nicht, doch bei einer Wanderung im Sauerland oder bei der Gartenarbeit kann die 29-Jährige am besten abschalten. Abiturienten, die sich für ein Psychologiestudium interessieren, rät Brauner: „Schaut euch das Hochschulprofil an und informiert euch über die Studienschwerpunkte. In der Psychologie geht es nicht ums Gedankenlesen, an wissenschaftlichen Methoden und der Statistik kommt niemand vorbei.“

2Laura Assé: Sie ist heute Personalentwicklerin bei der Stadt-Sparkasse Solingen und begleitet Mitarbeitende bei der beruflichen Qualifizierung und Weiterentwicklung. Nach einer Ausbildung zur Bankkauffrau studierte sie berufsbegleitend im Bachelor und Master Wirtschaftspsychologie und Personalmanagement. Die Kombination aus Ausbildung und anschließendem Studium war für sie goldrichtig: „Mit meinem Abiturdurchschnitt hatte ich die freie Studienwahl. Meine Entscheidung hat daher nicht jeder in meinem Umfeld nachvollziehen können. Für mich war die Mischung aus Praxis und Theorie perfekt.“ Eine gute Abschlussnote öffne zwar viele Türen, aber niemand sollte sich von Abschlussnoten unter Druck setzen lassen, rät die 29-Jährige allen, die nach dem Abitur vor beruflichen Entscheidungen stehen. Dem Bergischen bleibt sie auch weiterhin verbunden: Im Jahr 2019 haben Assé und ihr Partner ein über 100 Jahre altes Fachwerkhaus in Widdert gekauft und im letzten Jahr aufwendig saniert. In diesem Sommer ist der Garten an der Reihe.

3Shpetim Bajrami: Der heute 29-Jährige hat Rechtswissenschaften an der Universität Düsseldorf studiert und hier sein Interesse für das Völkerrecht entdeckt. In diesem Fachbereich verfasste er seine Doktorarbeit an der Bucerius Law School in Hamburg, wo er auch als wissenschaftlicher Mitarbeiter gearbeitet hat. Seine kulturelle Perspektive konnte er sowohl durch Forschungsaufenthalte in Florenz und Cambridge als auch auf einer mehrwöchigen Südamerika- und Neuseelandreise erweitern: „Andere Länder inspirieren mich, hier lerne ich mich oft selbst besser kennen.“ Von dem Gedanken, die 1,0 auch im Studium aufrechtzuerhalten, hat er sich recht schnell verabschiedet: „Das Jura-Studium fordert heraus, es wird einiges abverlangt. Aber Themen, die einen interessieren, fallen meist automatisch leichter.“ Bajrami lebt und arbeitet in Hamburg und absolviert dort sein juristisches Referendariat, momentan mit einer Station beim Bundesministerium der Verteidigung in Berlin.

4Mira Watermeyer: Die heute 30-Jährige zog es nach dem Abitur raus aus Solingen. Sie hat an ihrem Interesse für Naturwissenschaften festgehalten und Wirtschaftsingenieurwesen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) studiert. Ihr Interesse gilt ganz besonders der mathematischen Modellierung in der Energiewirtschaft. In ihrer Promotion am KIT erforscht sie, wie erneuerbare Energien in die Energieversorgung integriert werden können und entwickelt Prognosemodelle über den zukünftigen Strompreis und Strombedarf. Ehrenamtlich engagiert sie sich in einem Verein, der sich für die Umsetzung der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung einsetzt und soziale Projekte weltweit realisiert: „Zu sehen, dass wir vor Ort mit meist recht einfachen Maßnahmen viel erreichen können, das ist ein schönes Gefühl.“ Um den Kopf freizubekommen, schwingt sich die 30-Jährige auf ihr Rennrad, schnürt die Wanderschuhe oder lernt für ihren Segelschein.

„Neue Behandlungsmethoden zu erforschen und zu sehen, dass sie in der Praxis tatsächlich angewendet werden können, das motiviert mich.“

Meltem Dogan

5Meltem Dogan: Gemeinsam mit Corinna Brauner hat Meltem Dogan Psychologie in Münster studiert und währenddessen ein halbes Jahr an der Columbia University in New York verbracht: „Der Auslandsaufenthalt hat mich geprägt, ich hatte viele wirklich außergewöhnliche Begegnungen.“ Möglich war dies durch ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes, welches auch Corinna Brauner und Peter Falke aufgrund ihrer schulischen Leistungen erhalten haben. Seit 2018 arbeitet und promoviert Dogan am Deutschen Kinderschmerzzentrum in Datteln und erforscht, wie Kinder bei der Therapie gegen chronische Schmerzen unterstützt werden können. Auch nach ihrer Promotion möchte sie in der Wissenschaft tätig sein: „Neue Behandlungsmethoden zu erforschen und zu sehen, dass sie in der Praxis tatsächlich angewendet werden können, das motiviert mich.“ Beheimatet ist die 29-Jährige mittlerweile in Düsseldorf.

6Peter Falke: Nach seinem Physikstudium in Bonn zog Peter Falke (29) für die Promotion nach Frankreich und widmete sich der wissenschaftlichen Grundlagenforschung. Als Physiker sucht er nach neuen Elementarteilchen und beschäftigt sich mit Wechselwirkungen zwischen jenen Teilchen im Universum, die der Wissenschaft heute bekannt sind. Schon seit seiner Masterarbeit arbeitet er für den Atlas-Teilchendetektor am europäischen Kernforschungszentrum Cern in der Schweiz und ist heute an verschiedenen Forschungsprojekten beteiligt. Nach Feierabend und am Wochenende wandert er rund um Genf in den Alpen und im Jura-Gebirge. Seine Familie in Solingen hat er durch die erschwerten Reisebedingungen während Corona nicht besuchen können, „aber das möchte ich dieses Jahr unbedingt nachholen.“

7Linda Weißbach: Ihre Leidenschaft für Sprachen und die Mathematik hat Linda Weißbach im Studium European Business Studies in Aachen verknüpft. Die internationale Ausrichtung des Studiengangs hat ihr besonders gefallen. Bei Studienaufenthalten in Spanien und Schweden konnte sie ihre Sprachkenntnisse vertiefen und neue Bekanntschaften knüpfen. Heute lebt Linda Weißbach in Düsseldorf und arbeitet als Investment-Managerin für einen schwedischen Finanzdienstleister. Stetig herausgefordert zu werden und dazuzulernen, ist der 29-Jährigen wichtig: „Durch neue Projekte, Auslandsaufenthalte und verschiedene Kunden entwickle ich mich weiter. Die Lernkurve sollte mit dem Ende des Studiums nicht abreißen.“ Zum Ausgleich feiert Weißbach gerne in den Düsseldorfer Clubs: „Ich freue mich, wenn das bald wieder möglich ist.“

Linda Weißbach lebt in Düsseldorf und arbeitet als Investment-Bankerin.
Physiker Peter Falke ist heute an verschiedenen Forschungsprojekten beteiligt.
Mira Watermeyer hat an ihrem Interesse für Naturwissenschaften festgehalten.
Shpetim Bajrami absolviert gerade in Hamburg sein juristisches Referendariat.
Laura Assé ist heute Personalentwicklerin bei der Stadt-Sparkasse Solingen.
Corinna Brauner hat an ihrem Berufswunsch festgehalten und in Münster Psychologie studiert.
Von Anfang an war Linda Weißbach an der Friedrich-Albert-Lange-Schule eine gute Schülerin.
Sein Abitur mit der Traumnote 1,0 baute Peter Falke am Humboldtgymnasium.
Meltem Dogan erreichte am Gymnasium Schwerstraße bei allen Prüfungen die volle Punktzahl.
Ihre Schulzeit bis zum Abitur verbrachte Mira Watermeyer am Gymnasium August-Dicke-Schule.
Den Notendurchschnitt von 1,0 erreichte Shpetim Bajrami an der Friedrich-Albert-Lange-Schule.
Ihre Schulzeit beendete Laura Assé am Gymnasium August-Dicke-Schule.
Ihr Abitur legte Corinna Brauner im Jahr 2011 am Gymnasium Schwertstraße ab.

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