Praktische Prüfung

Das Führerschein-Experiment: ST-Mitarbeiterin wagt den Selbstversuch

Unter den strengen Augen von Fahrlehrer Thomas Rademacher stellt sich ST-Mitarbeiterin Susan Jörges den Anforderungen einer praktischen Fahrschulprüfung. Ohne Vorbereitung versteht sich. 
+
Unter den strengen Augen von Fahrlehrer Thomas Rademacher stellt sich ST-Mitarbeiterin Susan Jörges den Anforderungen einer praktischen Fahrschulprüfung. Ohne Vorbereitung versteht sich. 

ST-Mitarbeiterin will wissen, ob sie heute noch eine Fahrprüfung bestehen würde.

Von Susan Jörges

Unter den strengen Augen von Fahrlehrer Thomas Rademacher stellt sich ST-Mitarbeiterin Susan Jörges den Anforderungen einer praktischen Fahrschulprüfung. Ohne Vorbereitung versteht sich. 

„Herzlichen Glückwunsch, Sie haben es geschafft.“ Diesen Satz möchte wohl jeder Prüfling am Ende der praktischen Fahrprüfung hören. Die Aufregung ist meist groß, der Prüfer sitzt auf der Rückbank und möchte sehen, dass man Verkehrsregeln beherrscht und als verantwortungsvoller Fahrer am Straßenverkehr teilnehmen kann.

Seit sechs Jahren steckt der Führerschein nun in meinem Portemonnaie. An die Anspannung, die von mir abfiel, als ich grünes Licht vom Fahrprüfer erhielt, erinnere ich mich noch sehr genau. Bestanden habe auch ich damals erst im zweiten Versuch. Mittlerweile ist Autofahren bei mir zur Routine geworden und gleichzeitig schleichen sich über die Jahre ein paar Unachtsamkeiten in den eigenen Fahrstil ein.

„Darüber müssen wir später mal sprechen.“

Thomas Rademacher Fahrlehrer

Für das Experiment treffe ich mich mit Thomas Rademacher, Fahrlehrer der Fahrschule Harscheidt, an der Prüfstelle des TÜVs. Von hier startet jede Fahrprüfung in Solingen.

Nicht nur rund um den Hofgarten wurde es eng.

Sitz und Spiegel einstellen, los geht’s. Kaum vom Hof abgebogen, die erste Ermahnung: Ich fahre zu langsam und trete ein wenig aufs Gaspedal. An der nächsten Ampel biegen wir rechts ab und kreuzen einen Fußgängerüberweg. Deutlicher Schulterblick, ermahne ich mich. Auf der Viehbachtalstraße beschleunige ich auf 100 Kilometer pro Stunde, dann nähere ich mich einem langsamen Fahrzeug der städtischen Verkehrsbetriebe. Blick in den Rückspiegel, Blinker setzen, Schulterblick und links überholen. Gut gemacht, wird Thomas nach der Prüfung kommentieren. Er notiert ständig etwas auf seinem Notizblock. Vermerkt er dort meine Fehler? Wir sind doch noch gar nicht weit gefahren.

Nicht verunsichern lassen, sage ich mir

Wir nehmen die nächste Ausfahrt und fahren in Richtung Innenstadt. Die Straßen werden voller und wir nähern uns dem ersten Baustellenschild. Auf meinen ersten Fahrschulfahrten hätte mich das in Stress versetzt, doch jetzt bleibe ich ruhig. Den Weyersberg hoch und links in eine Einbahnstraße. Ich verlasse mein gewohntes Fahrgebiet, hier kenne ich die Straßenführung nicht. Rund um den Hofgarten und C&A ist es eng. Fußgänger, ein Paar mit Kinderwagen, ein Kleinkind auf dem Laufrad, jetzt muss ich aufpassen. Ich halte an und warte auf eine Lücke im Verkehr. „Fährst du heute noch weiter?“, fragt Thomas. Ständige Verkehrsbeobachtung und selbstbewusstes Fahren sind ihm wichtig.

Entschlossen, aber rücksichtsvoll Fahren

„Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht“, sagt Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung. In unübersichtlichen Situationen, die besonders in der ersten Zeit hinter dem Steuer auftreten können, hilft nur ruhig bleiben. Auch im Hinblick auf jährlich steigende Zusammenstöße mit Radfahrern, E-Rollern oder Pedelecs mahnt Thomas zu einem vorausschauenden und aufmerksamen Fahrverhalten. „Das bedeutet aber nicht, dass man übervorsichtig fährt oder gar auf seine Vorfahrt verzichtet“, betont er gleichzeitig. Prüfer wollen sehen, dass sich Schüler nicht nur über ihre Pflichten, sondern auch über ihre Rechte hinter dem Steuer bewusst sind. Ich bin mittlerweile an der Tiefgaragenausfahrt des Hofgartens in der Kasernenstraße angekommen, an der ich zügig vorbeifahre. Nur aus dem Augenwinkel nehme ich das Rechts-vor-links-Zeichen wahr. Mist, das habe ich nicht gesehen.

Auch Thomas räuspert sich und notiert wieder etwas in seinem Block: „Darüber müssen wir später mal sprechen“. Wir fahren den Weyersberg wieder runter. Anders als die drei Autos vor mir blinke ich an der abknickenden Vorfahrtsstraße vorbildlich.

Auf dem Parkplatz am Tüv an der Schorberger Straße beginnt und endet das Führerschein-Experiment.

Etwa 45 Minuten dauert die praktische Fahrprüfung, 25 habe ich schon geschafft. Wir fahren in eine Einbahnstraße, am Ende soll ich links abbiegen. Hier steht ein Stopp-Schild. Mindestens drei Sekunden muss ich stehenbleiben. Darüber vergesse ich, mich beim Abbiegen deutlich links einzuordnen. Passiert das zweifach in einer Fahrprüfung, fällt man durch, erklärt Thomas später. Die Einbahnstraße ist schmal, ein weiteres Auto hätte ohnehin rechts von mir keinen Platz gehabt. Wäre ich nicht in einer Fahrprüfung, würde ich über die Notwendigkeit dieser Vorschrift diskutieren. Aber Regel ist Regel.

In der nächsten engeren Anliegerstraße soll ich rückwärts einparken. Mit drei Zügen stehe ich in der Parklücke. Thomas ist zufrieden. Er weiß, dass sich Fahrschüler oftmals um das Einparken sorgen, und möchte Prüflinge beruhigen: „Parken übt man so lange, bis es sitzt. Da lernt man die Schritte im Zweifel auswendig.“

In einer Seitenstraße nahe dem Tüv soll ich eine Gefahrenbremsung machen. Das Antiblockiersystem (ABS) setzt ein, und wir stehen. Ich fahre auf den Tüv-Parkplatz und blicke zu Thomas. Habe ich die Prüfung bestanden?

Wäre das hier eine richtige Fahrprüfung gewesen, wohl eher nicht. Das missachtete Rechts-vor-links Schild am Hofgarten und ein zweimaliges falsches Einordnen am Ende einer Einbahnstraße hätte ein Fahrprüfer nicht durchgehen lassen. Auch Schulterblicke, sowohl beim Abbiegen als auch beim Spurwechsel, hätte ich noch deutlicher machen müssen, sagt Thomas.

Gewohnheit schleicht sich ein

Insgesamt ist er mit meinem Fahrstil jedoch zufrieden. Na immerhin. Die meisten meiner Fehler entstünden aus Gewohnheit. „Da bist du nicht die Einzige“, beruhigt mich Thomas. Denn mit der Zeit tritt Routine ein und ein paar der eisern trainierten Regeln der Fahrstunden rücken in der Praxis in Vergessenheit.

Hätte ich die Prüfung tatsächlich bestehen müssen, wären wir anspruchsvolle Stellen wie zum Beispiel den Doppelkreisverkehr in Ohligs oder aber die Ausfahrt des Parkhauses Hofgarten kurz vor der Prüfung abgefahren.

Auch eine Auffrischung der wichtigsten Fahrschulregeln hätte mich vor dem einen oder anderen Gewohnheitsfehler bewahrt. Als ich in mein eigenes Auto steige und vom Platz fahre, bin ich ein wenig erleichtert, nun nicht mehr unter Beobachtung zu stehen.

Der Test hat mir eines verdeutlicht: Routine im Fahren ist zwar gut. Doch wer den eigenen Fahrstil ab und an hinterfragt, schützt sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer gleich mit.

Fahrprüfung

Anmeldung: Die praktische Prüfung folgt nach bestandener theoretischer Prüfung. Mindestens 25 bis 30 Fahrstunden benötigen die meisten Prüflinge. Wann man tatsächlich bereit ist, sollte der Fahrlehrer einschätzen können.

Grundlagen: Regelkonformes Abbiegen, Beachten der Vorfahrtsregeln und flüssiges Fahren sind Voraussetzung für die Prüfung. „Schüler fahren nach der Prüfung gut genug, um allein weiter zu üben“, fasst es Fahrlehrer Thomas Rademacher zusammen.

Nervosität: Vor der Prüfung steigt die Nervosität. Gespräche mit Bekannten, die Erfahrungen von ihren Autofahrten teilen, können zwar ermuntern. Doch dürfen sie nicht dazu führen, dass man Regeln, die in der Fahrschule nun mal gelten, in Frage stellt.

Gefahren: Nach bestandener Prüfung können Gefahrensituationen bei einem Fahrsicherheitstraining in sicherer Umgebung erprobt werden.

Corona-Schutzverordnung: Testpflicht nun auch für Fahrschulen

Während in vielen Branchen weitere Lockerungen in Sicht sind, gilt für Fahrschulen seit dieser Woche eine neu eingeführte Testpflicht. Fahrschüler müssen für die Teilnahme am theoretischen und praktischen Unterricht sowie an Fahrprüfungen einen negativen Coronatest vorzeigen. Dieser darf maximal 48 Stunden alt sein und muss an einer amtlichen Teststation durchgeführt werden.

Sollten Fahrschüler keinen Testnachweis vorzeigen können, kann unter Umständen ein Schnelltest im Beisein des Fahrlehrers oder eines Angestellten der Fahrschule durchgeführt werden.

Grund für die Neuregelung ist das Inkrafttreten der aktualisierten Coronaschutzverordnung, die bei stabilen Inzidenzen unter 100 die bundesweiten Regelungen der Notbremse außer Kraft setzt. Ermöglicht wird die Ausweitung der Testpflicht auf Fahrschulen durch umfangreiche Bürgertestkapazitäten im Land, die zu Beginn der Pandemie begrenzt waren. Dass die Testpflicht jetzt, bei einer Inzidenz von unter 30, eingeführt wird, sorgt für Unmut: „Bisher sind wir mit der strengen Einhaltung der Maskenpflicht und den Hygieneregeln gut durch die Pandemie gekommen“, sagt Volker Freigang, stellvertretender Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Nordrhein. Bei Inzidenzen von über 200, wie es in Solingen im April der Fall war, hätte eine Testpflicht hingegen für zusätzliche Sicherheit bei Schülern, Lehrern und Prüfern gesorgt.

Wer zur Kontrolle und Dokumentation der Tests angehalten ist, sei bisher unklar, sagt Kristof Krannich von der Solinger Fahrschule Krannich. Er begrüßt weitere Konkretisierungen und hofft, dass alle Fahrschüler zuverlässig einen Negativtest mitbringen werden, denn für das Testen vor Ort sei zwischen Fahrstunden nur wenig Zeit. -sj-

Führerscheinprüfung: Hätten Sie die richtige Antwort auf die Frage gewusst?

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Corona: Solingen wieder mit landesweit höchsten Wert - Impfungen in Burg und Südpark
Corona: Solingen wieder mit landesweit höchsten Wert - Impfungen in Burg und Südpark
Corona: Solingen wieder mit landesweit höchsten Wert - Impfungen in Burg und Südpark
Nach dem Hochwasser kehrt der Alltag nicht zurück
Nach dem Hochwasser kehrt der Alltag nicht zurück
Nach dem Hochwasser kehrt der Alltag nicht zurück
Rückkauf der Ohligser Festhalle erntet Zustimmung
Rückkauf der Ohligser Festhalle erntet Zustimmung
Rückkauf der Ohligser Festhalle erntet Zustimmung
Brückensteig: Die Kletterer gehen an den Start
Brückensteig: Die Kletterer gehen an den Start
Brückensteig: Die Kletterer gehen an den Start

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare