Montagsinterview

Studium in Solingen: „Bin sehr guter Dinge, dass der Standort bald richtig fliegen wird“

Tanju Aygün leitet den Solinger Standort der CBS International Business School (bisher: EUFH). Er dankt allen Unternehmenspartnern, Schulvertretern, der IHK Bergisches Land und Oberbürgermeister Tim Kurzbach: „Ohne diese einzigartige Unterstützung hätten wir das nicht hinbekommen.“ Foto: Michael Schütz
+
Tanju Aygün leitet den Solinger Standort der CBS International Business School (bisher: EUFH). Er dankt allen Unternehmenspartnern, Schulvertretern, der IHK Bergisches Land und Oberbürgermeister Tim Kurzbach: „Ohne diese einzigartige Unterstützung hätten wir das nicht hinbekommen.“

Prof. Dr. Tanju Aygün leitet seit 1. Januar den Ohligser Standort der CBS International Business School. Duale Studiengänge laufen. Künftig könnte es auch Vollzeitstudiengänge geben, etwa für Wirtschaftspsychologie. Ein Interview über den Studien-Standort Solingen.

Von Björn Boch

Herr Aygün, die EUFH wurde kurz nach dem Start in Ohligs in CBS International Business School umbenannt. Heißt Raider jetzt einfach Twix? Oder hat das konkrete Auswirkungen?

Tanju Aygün: Für Solingen heißt das definitiv: Wir haben mehr Möglichkeiten. Sowohl die Europäische Fachhochschule EUFH als auch die CBS International Business School gehören zur Klett-Gruppe. Mit dem Unterschied, dass die EUFH im Bereich Management knapp 20 Professoren hatte. Jetzt haben wir etwa 70. Es ist also eine ganz andere Bandbreite an Kompetenzen.

Für Solingen heißt das etwa, dass wir die Kompetenzen auch hier am Hochschulstandort einsetzen können. Es gibt zum Beispiel an der CBS drei Professoren, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen. Die freuen sich schon, hier einen Beitrag zu leisten. Gerade in der Klingenstadt spielt das Thema Nachhaltigkeit eine große Rolle.

Wie stellt sich die Hochschule darauf ein?

Aygün: Wir sind mit dem Hochschulbeirat da gerade sehr aktiv. Eigentlich wollten wir im Dezember einen Workshop veranstalten rund um technisches Nachhaltigkeitsmanagement und angewandte IT – dabei ging es auch um eine Ideenentwicklung, was man am Studienort noch zusätzlich anbieten kann.

Wir wollen nicht nur Studiengänge ausbauen, sondern mehr Weiterbildungsangebote und Seminare schaffen. Wir wachsen schon personell, etwa im Bereich Studienservice. Und wir suchen jemanden, der das Thema Unternehmens- und Schulbetreuung komplett am Standort Solingen übernimmt.

Was ist dabei Ihre Rolle?

Aygün: Zum Start war ich Projektleiter der Solinger Hochschule, seit dem 1. Januar bin ich nun Standortleiter und verantworte den Standort komplett. Ich bin also für das Wachsen und Gedeihen verantwortlich. Aus dem Projekt ist Kontinuität entstanden. Oder, einfacher gesagt: Man wird mich nicht mehr so leicht los (lacht).

Was bedeutet Ihnen das als gebürtiger Solinger?

Aygün: Ich liebe es hier. Vor allem liebe ich die Verbindlichkeit mit den Menschen in der Stadt und bei den Unternehmen. Was wir hier aufgebaut haben – zum Start 27 Studienverträge in Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsingenieurwesen – hätten wir woanders wohl nicht geschafft. Hier ging das. Hut ab.

Ich möchte mich bei allen Unternehmenspartnern, Schulvertretern, der IHK Bergisches Land und Oberbürgermeister Tim Kurzbach bedanken. Ohne diese einzigartige Unterstützung hätten wir das nicht hinbekommen.

Wir haben auch andere Standorte, aber Solingen ist bei den Wirtschaftsingenieuren jetzt schon einer der stärksten überhaupt. Deshalb brauchen wir ein gutes Team für Solingen und das Bergische Land. Unser Kern-Zielgebiet sind neben Solingen ja auch Wuppertal und Remscheid.

Ist schon sicher, welche weiteren Studiengänge es geben wird?

Aygün: Zum Wintersemester 2022 starten wir mit General Management im System „zwei plus drei“. Die Studierenden sind also zwei Tage an der Hochschule und drei im Betrieb, und das über sechs Semester kontinuierlich. Das ist ein Bachelor-Studiengang. Dazu kommen zwei Master-Studiengänge: Business Development Management und Digitales Projektmanagement. Die sind viersemestrig.

Sind diese auch dual, wie alle Studiengänge?

Aygün: Ja. Das Bergische Land hat eine Anpack-Mentalität, da passt die Verbindung von Theorie an der Hochschule und Praxis im Unternehmen sehr gut. Wir wollen die dualen Studiengänge weiter stärken, sie sind unser Steckenpferd. Perspektivisch könnte es aber auch Vollzeitstudiengänge geben, etwa für Wirtschaftspsychologie. Das wird von Studentenseite stark nachgefragt.
Dazu auch: EUFH startet in Solingen: Hochschule möchte Angebot ausweiten

Da könnte es im Coworking bei Ebbtron aber bald eng werden.

Aygün: Auf Dauer wird es bei Ebbtron sicher zu eng, auch wenn sie dort sehr flexibel sind und uns entgegenkommen. Wir versuchen also, so weit es geht, am Standort zu bleiben. Noch müssen wir uns da keine Gedanken machen. Für die kommenden Semester sind wir da sehr zuversichtlich.

„Ich bin sehr guter Dinge, dass der Standort Solingen bald richtig fliegen wird.“

Prof. Dr. Tanju Aygün 

Wie viele Studenten sollen im Wintersemester dazukommen?

Aygün: Der Bachelor dürfte gut angenommen werden, die Master-Studiengänge sind etwas spezifischer. Aber mehr als verdoppeln im Vergleich zu den 27 Studierenden jetzt wollen wir uns schon. Deshalb wollen wir jemanden einstellen, der das Thema Vertrieb mit den Schulen und den Unternehmen beherrscht – also das Angebot an Studiengängen mit der Nachfrage der Firmen im Bergischen zusammenbringt. Im Moment werde ich hier von Kollegen vom Standort Neuss unterstützt. Ich bin sehr guter Dinge, dass der Standort Solingen bald richtig fliegen wird.

Wie sieht die pandemiebedingte Lehre derzeit aus bei Ihnen?

Aygün: Schon seit einiger Zeit und mindestens noch bis Ende Januar sind wir wieder komplett auf Online-Unterricht umgestiegen. Sowohl die internen Veranstaltungen in Präsenz als auch geplante Formate mit externen Gästen haben wir erst einmal gestrichen.

Was planen Sie da?

Aygün: Ich unterrichte Verhandlungsmanagement und Projektmanagement – auch an anderen Standorten unserer Hochschule. Ich möchte mit einem Abend zu Verhandlungsmanagement Werbung für den Standort machen. Studierende werden eingeladen unter der Bedingung, dass jeder einen neuen Kontakt mitbringt. Außerdem ist ein Nachhaltigkeitsabend geplant, bei dem wir die breite Bevölkerung ansprechen wollen. Vor dem Frühjahr wird das allerdings aufgrund der aktuellen Corona-Situation nicht möglich sein.

Spüren Sie die Corona-Krise an der Hochschule?

Aygün: Nicht von Unternehmensseite, dort sind einige freie Stellen zu besetzen. Es mangelt eher an qualifizierten Bewerberinnen und Bewerbern – wobei die Unternehmen ihre Ansprüche bereits gesenkt haben. Wurden noch vor einigen Jahren teils nur Abiturienten mit 1,3 oder besser genommen, sind manche heute froh über einen Schnitt von 2,5. Dazu kommt: Dual Studierende haben einen ganz anderen Bezug zur Wirtschaft, sind mit einem Bein in der Arbeitswelt drin. Dazu muss man bereit sein. Das ist anders als ein klassisches Studium.

Persönlich: Prof. Dr. Tanju Aygün

Der gebürtige Solinger hat sein Abitur 1995 am Gymnasium Vogelsang gemacht und Industriekaufmann bei der Firma Krups gelernt. Danach ging es weiter an die Universität Köln, wo er Betriebswirtschaftslehre studierte und promovierte. Im Anschluss war er als Bezirksverkaufsleiter bei einem Lebensmitteldiscounter tätig. Daraufhin folgte eine Tätigkeit als Senior Consultant bei einem Marktforschungs-Beratungsunternehmen. Seit knapp zehn Jahren lehrt und forscht er an der EUFH / CBS. Er ist 46 Jahre alt, verheiratet und Vater zweier Töchter.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Mustang prallt gegen geparkten Lkw
Mustang prallt gegen geparkten Lkw
Mustang prallt gegen geparkten Lkw
Brand im Städtischen Klinikum Solingen
Brand im Städtischen Klinikum Solingen
Brand im Städtischen Klinikum Solingen
Grundschulen in Solingen „kapitulieren“ vor dem Test-System
Grundschulen in Solingen „kapitulieren“ vor dem Test-System
Grundschulen in Solingen „kapitulieren“ vor dem Test-System
Autounfall: Solinger übersieht Treppe
Autounfall: Solinger übersieht Treppe
Autounfall: Solinger übersieht Treppe

Kommentare