Unfallprävention

Crash-Kurs NRW: Unfall-Schilderungen rütteln Jugendliche auf

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Leander Marten erzählte von seinem Freund Jakob, der 2020 mit dem Motorrad tödlich verunglückte.

Bei Crash-Kurs NRW berichten Einsatzkräfte und Angehörige von Schicksalen – Leander Marten hat seinen besten Freund verloren.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Als der Vortrag beendet ist, ist es ganz still in der Aula der August-Dicke-Schule (ADS). Was die Schüler und Schülerinnen der Q2 in den anderthalb Stunden zuvor gehört haben, ist schwer zu verdauen. In der Veranstaltung „Crash Kurs NRW“ berichteten Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und die Solinger Notfallseelsorgerin Simone Henn-Pausch, wie sie schwere Verkehrsunfälle erlebt haben. Um junge Menschen zu warnen. Eine der eindrücklichsten Schilderungen kam von Leander Marten. Der 20-jährige Solinger hat im Sommer 2020 seinen besten Freund verloren, mit dem er ein Jahr vorher an der ADS Abitur gemacht hatte. Jakob starb bei einem Motorradunfall in Glüder. „Ich bitte euch: Vermeidet, was ihr vermeiden könnt!“, sagte Leander an die Abiturienten gerichtet.

Auch Polizist Savino Dörpfeld...

Vor Jahren war er selbst im Publikum. Denn der „Crash Kurs NRW“ gehörte auch für seinen Abitur-Jahrgang zum Programm. „Wie ihr saß ich mit meinen besten Freunden Jakob und Tim hier. Das war nicht ohne, aber wir haben das, was wir gehört haben, in der Aula gelassen.“ Zwei Jahre später hatte er an einem Juli-Morgen zwei verpasste Anrufe auf seinem Handy. „Ich dachte, es ging um Corona.“ Doch eine Freundin erzählte ihm das Unvorstellbare: Jakob war tot. Was Leander berichtete, ging unter die Haut: die Kreidezeichen auf dem Asphalt an der Unfallstelle, die Schreie von Jakobs Oma vor der Beerdigung und seine eigene Hilflosigkeit bei der Begegnung mit Jakobs Eltern. „Das sind Momente, die vergisst man nicht. Manchmal gehe ich durch die Straßen und sehe jemanden mit einer ähnlichen Jacke und Sonnenbrille wie er.“ Irgendwann habe er sich nicht mehr an Jakobs Stimme erinnern können. „Das tut weh. Deshalb habe ich angeboten, das alles hier zu erzählen.“

Seine Schilderung verstärkte das, was die Einsatzkräfte erzählten. Polizistin Maike Schmitz musste mit ihrem Chef einem Elternpaar die Nachricht vom Tod ihres Sohn überbringen. Er war ebenfalls bei einem Motorradunfall gestorben.

Notfallseelsorgerin Simone Henn-Pausch berichtete davon, wie sie Eltern begleitet hat, deren Sohn als Beifahrer auf einem Motorrad auf der Konrad-Adenauer-Straße schwer verunglückt war. Vom Umhertigern der Eltern im Krankenhausflur beim Warten auf eine Nachricht, von der Sprachlosigkeit des Bruders.

...Feuerwehrmann Tobias Karwatzki...

Der junge Mann sei nie wieder aus dem Koma erwacht und an seinen schweren Kopfverletzungen gestorben, sagte Henn-Pausch. Bei dem Unfall war er als Sozius über 60 Meter geschleudert worden, erinnerte sich Savino Dörpfeld, einer der Polizisten an der Unfallstelle. Der Fahrer überlebte – den Schädel mit 13 Metallplatten „zusammengeflickt“. Die beiden hatten sich unter Drogeneinfluss ein Rennen mit Freunden geliefert. „Ihre ganze Clique fühlte sich hinterher schuldig, weil ihnen niemand die Schlüssel abgenommen hatte.“

Mit überhöhter Geschwindigkeit gegen eine Mauer gekracht

Auch Verkehrssicherheitsberaterin Katrin Grastat und Feuerwehrmann Tobias Karwatzki berichteten von einem Unfall, bei dem Leichtsinn im Spiel war. Ein junger Solinger war damals mit seinem Opel frontal in die Mauer der Clemens-Galerien gekracht – die Tacho-Nadel blieb bei 110 Stundenkilometern stehen. Der Fahrer überlebte schwer verletzt. „Habt den Mut zu sagen, ich fahre nicht mit dir, weil du immer zu schnell fährst oder getrunken hast“, appellierte Katrin Grastat an die Zuhörer. Und Leander Marten sagte: „Seid lieber Spielverderber.“

...und Verkehrssicherheitsberater Ulrich Schmidt berichteten eindringlich von Unfällen und ihren Folgen

Als er seinen Vortrag beendet hatte, rührte sich bei der Fragerunde niemand im Publikum – als müssten alle das Gehörte erst einmal verarbeiten. Es wirkte wie eine Gedenkminute.

Crash Kurs NRW

Programm: „Crash Kurs NRW“ ist ein Verkehrsunfallpräventionsprogramm für junge Erwachsene an weiterführenden Schulen und Berufskollegs.

Zahlen: Der pensionierte Polizei-Verkehrssicherheitsberater Ulrich Schmidt hatte im Crash Kurs NRW Zahlen parat. 2020 verunglückten allein im bergischen Städtedreieck 240 junge Menschen zwischen 18 und 24 Jahren bei einem Verkehrsunfall schwer. „In diesem Alter steigt das Risiko enorm.“ Menschen zwischen 18 und 24 Jahre sowie zwischen 25 und 31 Jahren gehörten zu den häufigsten Unfallverursachern.

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