Pandemie

Vierter mutierter Virus-Fall in Solingen

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Stadt lässt weiterhin die Positiv-Tests auf die ansteckende Variante überprüfen.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Insgesamt leicht sinkende Infektionszahlen und eine vorsichtige Entspannung in den Kliniken auf der einen Seite und die Bedrohung durch die deutlich ansteckenderen Virus-Mutationen auf der anderen Seite – in diesem Spannungsfeld befindet sich die Solinger Corona-Lage. „Die Situation ist anstrengend und gleichbleibend ernst“, kommentierte Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) die Lage am Donnerstag bei der digitalen Pressekonferenz der Stadtspitze.

Dabei musste Dr. Annette Heibges, Leiterin des Stadtdienstes Gesundheit, einen vierten Fall der englischen Virus-Mutation B.1.1.7 bei einem Solinger Familienvater vermelden. „Eine direkte Beziehung zu einer England-Reise gab es nicht, die Kontaktpersonen konnten aber schnell ermittelt und in Quarantäne geschickt werden“, so Dr. Heibges.

Aufgefallen war die Mutation bei speziellen Untersuchungen in der Virologie der Uniklinik Köln. Dort will die Stadt Solingen insgesamt 100 Positiv-Proben auf die Mutation überprüfen lassen. 38 Proben sind schon verschickt, unter den vier vorliegenden Ergebnissen war eine Mutation. „Diese Tests machen wir auf eigene Kosten, um zu verhindern, dass das Virus wieder weiter außer Kontrolle gerät. Das sieht die Bundes- oder Landestestvorgabe bislang leider nicht vor“, sieht Kurzbach die Stadt in verschiedenen Punkten „weit voraus“.

Stadt Solingen sieht sich als Vorreiter bei Mutations-Test und Homeoffice

Neben den Testungen auf Mutationen sei man auch Vorreiter bei der Pflicht zum Mund-Nase-Schutz in Innenstädten oder beim jetzt bundesweit diskutierten Homeoffice. „Von den gut 2000 Mitarbeitern der städtischen Kernverwaltung arbeiten gut 1000 im Homeoffice“, so Stadt-Sprecher Thomas Kraft. Mit Blick auf Feuerwehr, Erzieher, Entsorgungsbetriebe oder die Abordnungen für Ordnungs- und Gesundheitsamt gehe das natürlich nicht in allen Bereichen.

Deutliche Verärgerung war in der Stadtspitze spürbar angesichts der Verzögerungen bei der Lieferung des Impfstoffes. „Der Impfbeginn im Impfzentrum muss vom 1. auf den 8. Februar verschoben werden. Es bleibt aber bei der Anmeldung für die erste Impfgruppe der über 80-Jährigen ab dem 25. Januar“, erklärte der Leiter des Impfzentrums, Udo Stock.

Man könne natürlich keinen Impfstoff verimpfen, der nicht da ist, räumte Ordnungsdezernent Jan Welzel (CDU) ein. Seine Kritik richtete sich aber ganz klar gegen die Art der Kommunikation. „Wir haben erst am Dienstagabend erfahren, dass die für Mittwoch geplanten Impfungen des Personals in den Krankenhäusern wegen des fehlenden Impfstoffes nicht stattfinden können“, schildert Welzel. „Diese Kommunikationsprozesse muss man dringend überdenken.“ Auch die Dienstpläne für die Ärzte der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein, die die Reihenimpfungen durchführen, habe die KV für die erste geplante Impfwoche über Bord werfen müssen. Nach wie vor stehe man aber für den Start bereit. „Wir werden zu jeder Tages- und Nachtzeit aktiv werden, um zu impfen, wenn der Impfstoff kommt“, versprach Tim Kurzbach.

Der Wunsch von jüngeren chronisch Erkrankten, schnell geimpft zu werden, könne allerdings noch nicht erfüllt werden. „Für chronisch Kranke gibt es noch keine Terminvereinbarung“, so Stock.

Leicht entspannt hat sich die Situation in den Solinger Krankenhäusern. Aktuell werden dort 34 Solinger Patienten mit Covid-19 stationär behandelt, zudem etwa zehn auswärtige Patienten. Insgesamt acht Menschen müssen auf der Intensivstation behandelt werden. In den Solinger Alten- und Pflegeheimen gibt es keine aktuellen Corona-Ausbrüche. In nur noch einem Heim sind sechs Bewohner und drei Mitarbeiter infiziert.

Aktuell wartet die Stadt auf die Ausführungsbestimmungen des Landes zu den jüngsten Beschlüssen der Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin, etwa mit Blick auf die Kontrolle der neuen Maskenregelung.

Auch bei den Schulen hat das Land das letzte Wort. „Ich hoffe bald auf eine Perspektive vom Land etwa zu festen Lerngruppen in den Schulen“, so Schuldezernentin Dagmar Becker (Grüne). Aktuell nutzen fünf Prozent der Grundschüler die Notbetreuung, die Kitas werden von 40 Prozent der Kinder genutzt. 

Alle aktuellen Nachrichten rund um das Coronavirus finden Sie in unserem Live-Blog für Solingen. Der Blog wird laufend aktualisiert.

Weiterer Toter

Ein weiterer Mensch ist mit Covid-19 verstorben. Es handelt sich um eine 63-jährige Person mit Vorerkrankungen. Die Gesamtzahl der Corona-Todesopfer stieg damit in Solingen auf 121. In Quarantäne sind derzeit 601 Menschen. Die Anzahl der Tests in Bethanien lag am Donnerstag bei 81 Tests pro Tag.

Standpunkt

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Simone Theyßen-Speich

Verlässlichkeit und Transparenz bringen Vertrauen – und das ist dringend notwendig angesichts der Mammutaufgabe der anstehenden Impfungen und auch angesichts kritischer Stimmen gegen die Corona-Maßnahmen. Gerade mit Blick auf die Impfung geht es nicht ohne Vertrauen – in den Impfstoff, in seine Sicherheit und auch in das Verfahren, die einzelnen Gruppen nach und nach zu impfen. Dass jetzt gerade die Mitarbeiter in den Krankenhäusern, die seit Monaten in vorderster Linie gegen das Virus kämpfen, Opfer der Verzögerung der Impfstoff-Lieferung geworden sind und in dieser Woche nicht geimpft werden konnten, ist besonders tragisch. Die Ärzte und das medizinische Personal zu schützen und das Gesundheitssystem zu sichern, muss absolute Priorität haben. Die Städte und Kreise haben ihre Aufgaben erfüllt – und sogar darüber hinaus Maßnahmen ergriffen. Jetzt darf es in den anderen Ebenen bei den weiteren Schritten keine Verzögerungen und Pannen mehr geben, um nicht das Vertrauen in die Impfaktion zu verspielen – auch nicht bei der Vergabe der Termine, die ab Montag ansteht. 

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