Pandemie

Coronavirus: Stadt Solingen testet Kinder in den City-Kitas

Die Gruppe Lila der Kita Klingenbande wurden gestern freiwillig auf das Corona-Virus mit dem Lolli-Verfahren getestet. Foto: Christian Beier
+
Die Gruppe Lila der Kita Klingenbande wurden gestern freiwillig auf das Coronavirus mit dem Lolli-Verfahren getestet.

Ausbrüche mit dem Coronavirus sollen schnell erkannt und verfolgt werden.

Solingen. Langsam zählt Erzieherin Antje Fleschenberger in der Kita Klingenbande bis 30. Dann schallt es: „Igitt!“ Das ruft ein kleiner Junge, als er das Teststäbchen nach der halben Minute aus dem Mund nimmt. Das Lolli-Test-Projekt genannte Verfahren auf das Coronavirus ist zumindest kein Geschmackserlebnis. Aber notwendig, wie am Montagmorgen Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) vor der Kita neben dem Rathaus betont. Die Stadt wolle weiter „vor der Lage“ sein. Dazu gehören zwei Tests pro Kind pro Woche – zunächst in den 26 Kitas in der City.

Das Ganze nennt sich „Lolli-Test“ und wurde an der Uni Köln mitentwickelt. Doch der Lolli – ein Holzstäbchen mit einem Stück Watte an der Spitze – schmeckt auch in der zweiten Runde nicht wirklich. Denn die Kinder der Gruppe Lila stecken ein zweites Stäbchen in den Mund. Und wieder für 30 Sekunden. Lolli-Test heißt das alles auch deshalb, weil der PCR-Test damit auskommt, wenn die kleinen Kinder 20 bis 30 Sekunden auf ihm herumlutschen – auch wenn es ohne Zucker abgehen muss.

Zwei Testrunden gehörten zum Prinzip, erklärt Guido Krämer vom Gesundheitsamt. Beim ersten Test werden alle Proben aus einer Kita-Gruppe zusammen in einem Behälter gesammelt und gemeinsam als eine Probe ausgewertet. Das koste die Stadt pro Test und pro Gruppe rund 50 Euro. Falle der Sammeltest positiv aus, kommen die Stäbchen aus der zweiten Lutsch-Runde zum Einsatz, berichtet Krämer. Jedes dieser Holzstäbchen ist einem Kind per mehrstelligem Zahlen-Code zugeordnet.

So lässt sich aus jeder der insgesamt 80 Gruppen in den Innenstadt-Kitas durch einen zweiten Test dann herausfinden, welches Kind infiziert ist. Die Kosten für die Einzeltests übernimmt dann das Land NRW. Fällt schon der erste Test negativ aus, werden die Lollis aus der zweiten Runde ohne Auswertung vernichtet.

Marco Haas vom Kölner Labor Dr. Quade beobachtet die Probenentnahme durch die Erzieherinnen Antje Fleschenberger und Natascha Zashocki. Die Kinder sitzen dabei im Halbkreis und lassen alles geduldig über sich ergehen. Es wirkt mehr wie ein Spiel – leider mit Igitt-Faktor. Haas wird die Proben noch bis zum Mittag in die Domstadt fahren. Ergebnisse gibt es dann schon am Abend. In Köln können täglich bis zu 15 000 PCR-Tests verarbeitet werden.

„Die Ansteckung kommt meistens von zu Hause in die Kitas.“

Tim Kurzbach, Oberbürgermeister

Da es in der vergangenen Woche in fünf Kitas Corona-Ausbrüche gab, sei die Strategie sinnvoll, sagt Guido Krämer vom Gesundheitsamt. „Die Ansteckung kommt meistens von zu Hause in die Kitas“, sagt OB Kurzbach. Deshalb sei es wichtig, in den Kindergärten schnell einen Überblick über die Infektionslage zu erhalten. Die Stadt hat in der Innenstadt mit den Tests begonnen, weil dort laut Kurzbach die 7-Tage-Inzidenz in Solingen am höchsten ist.

Solingen: Das Testen der Kinder läuft auf freiwilliger Basis ab

Die Strategie, schon ganz am Anfang die Infektionsketten zu unterbinden, sei deshalb wichtig, weil die immer stärker auftretende britische Mutation des Virus nicht nur ansteckender sei. Auch die Inkubationszeit der Variante B.1.1.7 sei länger als es beim Ursprungsvirus der Fall ist.

Zugleich seien die Tests der gangbare Weg, die Kinder wieder gemeinsam in den Kitas zu empfangen, sagt der OB. Bildung sei wichtig, betont er. Deshalb will er in Kürze das Lolli-Test-Modell auch auf Grundschulen erweitern.

In der Kita Klingenbande an der Potsdamer Straße ist der Test – wie in allen anderen 26 Kitas der Stadt auch – freiwillig. Julia Jarrar, die Leiterin der Kindertagesstätte, berichtet, dass die Eltern der 92 Kinder eine Einwilligung geben mussten. Das sei aber fast zu 100 Prozent erfolgt.

Kita-Öffnung

Seit dem 22. Februar gibt es wieder den Regelbetrieb in allen Solinger Kitas. Seit gestern wird das Personal der Kindertageseinrichtungen der Klingenstadt im Solinger Impfzentrum Zug um Zug geimpft. Parallel hat die Stadt damit begonnen, in den eigenen Kitas die Kinder zu testen.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

800 Menschen demonstrieren in Solingen für mehr Klimaschutz
800 Menschen demonstrieren in Solingen für mehr Klimaschutz
800 Menschen demonstrieren in Solingen für mehr Klimaschutz
Mordprozess Hasseldelle: Keine Hinweise auf männlichen Täter
Mordprozess Hasseldelle: Keine Hinweise auf männlichen Täter
Mordprozess Hasseldelle: Keine Hinweise auf männlichen Täter
83-Jähriger verstirbt nach Verkehrsunfall am Werwolf
83-Jähriger verstirbt nach Verkehrsunfall am Werwolf
83-Jähriger verstirbt nach Verkehrsunfall am Werwolf
Corona: Inzidenzwert bleibt in Solingen unter 50
Corona: Inzidenzwert bleibt in Solingen unter 50
Corona: Inzidenzwert bleibt in Solingen unter 50

Kommentare