Coronavirus

Solinger Ärzte bieten Schnelltests an

Das Schnelltestzentrum in der alten Maschinenhalle bietet bereits jetzt eine kostenlose Testung pro Woche an. Foto: Christian Beier
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Das Schnelltestzentrum in der alten Maschinenhalle bietet bereits jetzt eine kostenlose Testung pro Woche an.

In verschiedenen Einrichtungen soll es künftig Angebote für Corona-Schnelltests geben, doch es gibt Startschwierigkeiten.

Von Kristin Dowe und Moritz Jonas

Solingen. Theoretisch ist der Erlass des NRW-Gesundheitsministeriums nun seit Montag in Kraft, durch den jedem Bundesbürger einmal pro Woche ein kostenloser Schnelltest auf Covid-19 ermöglicht werden soll. Praktisch ist die Ratlosigkeit bei Stadt, Apotheken, dem Solinger Schnelltestzentrum und Ärzten noch groß, wie die nun gültige Verfügung umgesetzt werden soll. Vorgesehen ist nach dem Vorstoß von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ein niederschwelliges Testangebot, das nicht nur von Arztpraxen, sondern auch von medizinischen Laboren, Apotheken sowie Rettungs- und Hilfsorganisationen abgedeckt werden soll. Nach 15 Minuten soll ein Bürger dann zumindest zu 70 Prozent Klarheit über eine mögliche Corona-Infektion haben.

„Die Solinger Arztpraxen sind für Schnelltests bereit.“

Dr. Stephan Kochen, Solimed

„Das genaue Vorgehen wird noch geprüft, allerdings ist zurzeit noch unklar, wie die genaue Teststruktur aussehen soll und wie Stadt dabei involviert wäre“, sagt Rathaussprecherin Sabine Rische. Beratungen dazu liefen aktuell. Einen Schritt weiter sind dagegen schon die niedergelassenen Ärzte in Solingen, welche die Schnelltests größtenteils schon nach Terminabsprache anböten, berichtet Dr. Stephan Kochen, Geschäftsführer des Praxisnetzwerk Solimed. „Grundsätzlich sind die Solinger Arztpraxen bereit für die Schnelltests und sie sind auch schon möglich. Dennoch gibt es auch für uns dabei noch ein paar ungeklärte Fragen, über die ich kürzlich mit der Leiterin des Solinger Gesundheitsamtes, Dr. Annette Heibges, gesprochenen habe.“

Solingen: Unklarheiten bei der Coronatest-Abrechnung

So stelle sich für private Ärzte und andere Einrichtungen aktuell noch die Frage, wie die Leistung, die vom Bund übernommen wird, abzurechnen ist. Mehr Sicherheit haben die Kassenärzte. Deren Vereinigung (KV) hat einen Dienstleistungsvertrag mit dem Land NRW geschlossen. Somit können die niedergelassenen Ärzte den Schnelltest regulär über die Krankenkassen abrechnen.

Die Frage der Abrechnung stellt sich auch für das Testzentrum in der alten Maschinenhalle in Höhscheid. Die Einrichtung wird privat geleitet und gehört aktuell noch nicht zu den offiziellen Testeinrichtungen der Kassenärztlichen Vereinigung. „Wir sind recht zuversichtlich, dass sich das bald ändert“, sagt Alexander Klein, einer der drei Betreiber des Testzentrums. Dennoch werden dort bereits jetzt kostenlose Testungen angeboten. Für diese trete man zurzeit noch selbst in Vorleistung. Man hoffe aber darauf, sich das Geld für den wöchentlichen kostenlosen Test im Nachgang über die KV zurückholen zu können, erklärt Klein.

Ob jeder den Gratistest tatsächlich nur einmal pro Woche in Anspruch nehme, werde aktuell nicht kontrolliert, erklärt Kochen. „Der Staat appelliert da an das Verantwortungsbewusstsein der Deutschen. Ob das dann funktioniert, ist eine andere Sache.“ Auch die gewünschte Niederschwelligkeit sei bei den ärztlichen Schnelltests nicht gewährleistet, da der Patient erst einen Termin vereinbaren müsse und sich nicht kurz „im Vorbeigehen“ testen lassen könne. „Meine Vision wäre es, wenn in der Fußgängerzone in Ohligs ein Zelt stehen würde, in dem ich mich testen lassen und anschließend in ein Café gehen könnte.“

Solingen: Was passiert nach einem positiven Corona-Test?

Unklar ist auch, wie Bürger bei den Schnelltests mit einem möglicherweise positiven Ergebnis umgehen müssen, denn auch dieses müsste wohl umgehend ans Gesundheitsamt gemeldet werden. „Ein positiv getesteter Patient sollte ja auch nicht mehr einfach durch die ganze Stadt laufen“, gibt Kochen zu bedenken. Auf keinen Fall sollten Patienten in einem solchen Fall einfach eine Arztpraxis aufsuchen, sondern vorher telefonisch Rücksprache halten.

Für „sportlich“ hält der Vorsitzende der Solinger Kreisstelle der Kassenärztlichen Vereinigung, Dr. Olivier Weh-Gray, die Pläne: „Die schiere Masse wird schwer zu bewältigen sein, wenn jede Woche über 100 000 Solinger getestet werden sollen. Im Übrigen bietet ein Test keine absolute Sicherheit, so dass bei einem positiven Ergebnis zwingend noch ein PCR-Test gemacht werden muss.“ Insgesamt begrüße die KV aber die Pläne. „Wir brauchen eben noch ein bisschen Geduld.“

Die brauchen auch Solinger Apotheker. Laut deren Sprecher Michael Veithen wissen sie noch nicht, wie sie die Schnelltests konkret umsetzen sollen und wie die Abrechnungsfrage geregelt ist. In den kommenden Tagen sollen die Schnelltests aber bereits in den Solinger Apotheken käuflich zu erwerben sein.

Terminbuchung im Testzentrum in der alten Maschinenhalle: coronaschnelltestsolingen.de

In unserem Live-Blog finden Sie alle Informationen rund um das Coronavirus in Solingen. Der Blog wird laufend aktualisiert.

Standpunkt: Strategie hat Potenzial

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Kristin Dowe

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sich inzwischen den Beinamen des „Ankündigungsministers“ eingehandelt. Zwar muten seine Vorstöße zur Eindämmung der Coronapandemie im Kern sinnvoll an, doch können sie zum angekündigten Zeitpunkt oft nicht umgesetzt werden, wie schon die anfängliche Verwirrung um die Ausgabe von kostenlosen FFP2-Masken an Risikopatienten in Apotheken gezeigt hat. Bei den kostenlosen Schnelltests stehen Apotheken, Gesundheitsamt und ärztliche Einrichtungen vor einer ähnlichen Situation, in der es für sie noch viele offene Fragen gibt. Wie wird die Leistung abgerechnet? Wer darf die Tests unter welchen Voraussetzungen durchführen und wie genau ist bei einem positiven Testergebnis zu verfahren?

All diese Aspekte müssen noch geklärt werden. Dabei birgt die Strategie durchaus das Potenzial, einen umfassenden Überblick über das Infektionsgeschehen in einer Stadt zu gewinnen – ein wichtiger Faktor in der Bekämpfung der Pandemie. Wichtig ist, dass Bürger einen Test stets nur als Anhaltspunkt werten. Wer ein negatives Ergebnis und dennoch Symptome hat, sollte sich zum Arzt begeben.

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