Coronavirus

Testlabore stoßen an ihre Grenzen

400 bis 500 Tests werden in Bethanien seit etwa einer Woche täglich gemacht.
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400 bis 500 Tests werden in Bethanien seit etwa einer Woche täglich gemacht.

Negatives Ergebnis kann nur online abgerufen werden – Übermittlung dauert bis zu fünf Tage.

  • Seit Beginn der Herbstferien hat sich das Testaufkommen in Solingen erhöht.
  • Bis ein Ergebnis vorliegt, dauert es 36 Stunden bis 5 Tage.
  • Auch ein Problem mit der Corona-Warn-App sorgt für Verzögerungen.

Von Katharina Birkenbeul und Kristin Dowe

Solingen. Personen, die sich auf das Coronavirus Sars-CoV-2 testen lassen, müssen sich in Geduld üben. Denn derzeit werden die Testergebnisse erst nach bis zu fünf Tagen übermittelt. „Die Labore stoßen mittlerweile an die Grenzen ihrer Kapazitäten“, bestätigt Prof. Dr. Winfried Randerath als Chefarzt der Lungenfachklinik Bethanien. Grund dafür sei das Testaufkommen, das sich seit dem Beginn der Herbstferien deutlich erhöht habe – auch durch die kostenlose Testmöglichkeit für Reisende, die einen negativen Test für eine Beherbergung benötigen.

„Für einige Praxen ist es inzwischen schon schwierig, die normalen Behandlungen unabhängig von Corona zu bewältigen.“
Dr. Stephan Lenz über die Testsituation in Hausarztpraxen

400 bis 500 Tests werden in Bethanien seit etwa einer Woche täglich gemacht – zuvor waren es nur rund 200. Diese schickt die Lungenfachklinik anschließend an das bundesweit tätige Labor SynLab, in dem die Tests dann ausgewertet werden. „Und da kommen nicht nur unsere Tests an“, sagt Randerath und lässt damit Rückschlüsse auf die extrem hohe Menge an Tests zu. „Dass ein Ergebnis erst zwischen 36 Stunden und fünf Tagen vorliegt, ist dem Laborweg geschuldet, nicht der Abnahme und Durchführung der Tests“, betont Randerath.

Bethanien-Chefarzt Prof. Dr. Winfried Randerath.

Zu den begrenzten Kapazitäten der Labore komme aber noch ein Faktor hinzu: „Die elektronische Befundmitteilung über die App und den Barcode funktioniert nicht richtig“, erklärt Randerath. Am Freitag habe es sogar bundesweit Ausfälle der Warn-App gegeben, wodurch sich die Übermittlung der Ergebnisse verzögerte. Auf die Ergebnisübermittlung eines Corona-Tests durch die App sind aber nur Personen angewiesen, die negativ getestet wurden, denn diese werden nicht telefonisch über den Befund benachrichtigt, bestätigt der Chefarzt.

Betroffene, die nachweislich mit dem Virus infiziert wurden, bekommen schnellstmöglich einen Anruf vom Gesundheitsamt. Das Ergebnis könne seit kurzem zudem über die Internetseite „Mein Laborergebnis“ abgerufen werden. Dafür ist der Zahlencode, der auf demselben Zettel zu finden ist wie der QR-Code für die Corona-Warn-App, notwendig.

Das erhöhte Testaufkommen macht auch den Hausarztpraxen in Solingen zu schaffen. „Für einige Praxen ist es inzwischen schon schwierig, die normalen Behandlungen unabhängig von Corona zu bewältigen“, so Dr. Stephan Lenz.

Solingen: Nicht alle Arztpraxen bieten Corona-Tests an

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Solingen betont deshalb, dass sich nur bestimmte Personen testen lassen sollen – Patienten, die Symptome haben und Personen, die verreisen möchten und am Zielort gegebenenfalls einen negativen Coronatest vorweisen müssen, sofern dort ein Beherbergungsverbot besteht. „Es muss eine konkrete Indikation für den Test vorliegen“, betont Lenz.

Derweil pflegten die Praxen einen unterschiedlichen Umgang mit Coronatests, so Lenz weiter: „Einige Praxen testen alle, andere nur ihre eigenen Patienten. Deshalb sollte man sich vorher bei seinem Arzt erkundigen.“

Wer Symptome des Coronavirus aufweise, solle keinesfalls einfach den Hausarzt aufsuchen, sondern sich unbedingt vorher telefonisch beim Arzt melden, um weitere Schritte abzusprechen.

Einen Überblick über testende Hausarztpraxen bietet die Seite coronavirus.nrw. Unter dem Punkt „Patienten-Infos“ finden Betroffene eine Übersicht aller testenden Arztpraxen sowie Testzentren aus dem Bereich Nordrhein. In Solingen testen demnach 20 Praxen Betroffene mit Verdacht auf das Coronavirus.

Täglich erreichen das Tageblatt Leserfragen: Zu möglichen Verstößen gegen die Corona-Schutzverordnung und zum richtigen Verhalten in Pandemiezeiten. So verhalten Sie sich richtig - eine Zusammenfassung. 

Nach wie vor gilt Solingen als Risikogebiet. Am Montag liegt der Inzidenzwert liegt bei 136,2.

Telefon

Viele ST-Leser bemängeln, dass in Bethanien durchgehend die Leitungen belegt sind. Das Problem ist dem Chefarzt bekannt: „Von der Abfrage von Ergebnissen sollte abgesehen werden“, betont er deshalb. So bleiben die Leitungen für diejenigen frei, die einen Termin zum Testen vereinbaren wollen.

Standpunkt

katharina.birkenbeul@solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Katharina Birkenbeul

Täglich nehmen Mitarbeiter von Krankenhäusern, Hausarztpraxen und Kinderärzten stundenlang und oft auch nach Feierabend zahlreiche Coronatests ab. Und das jetzt schon seit einigen Monaten. Beschwert hat sich von ihnen – die auch als Helden des Hintergrunds bezeichnet werden können – aber noch keiner. Ganz im Gegensatz zu den Personen, die sich aus etwaigen Gründen freiwillig haben testen lassen. Immer wieder ist nämlich auf den Straßen, von Freunden oder Familie zu hören, dass es zu lange dauert, bis der Befund übermittelt wird. Dabei ist es verständlich, dass sich durch das erhöhte Testaufkommen die Befundübermittlung ein wenig verzögert. Auch für Ärzte, Helfer oder Labore hat ein Tag nicht unendlich viele Stunden. 

Verständnis sollten deshalb alle haben, besonders die Personen, die unbedingt in dieser Krisensituation in den Urlaub fahren möchten. Wer fahren will, sollte ein längeres Zeitfenster einplanen, anstatt sich zu beschweren. Ansonsten haben auch Solingen und die nähere Umgebung schöne Ecken für einen ausgedehnten Heimaturlaub zu bieten.

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