Corona-Krise

Schulen bereiten sich auf Öffnung vor

Werden in Solingen bald wieder Schüler in den Klassenräumen sitzen?
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Werden in Solingen bald wieder Schüler in den Klassenräumen sitzen?

Ab Donnerstag soll der Betrieb bereits eingeschränkt anlaufen. Am Zeitplan der Landesregierung gibt es allerdings Kritik.

Von Kristin Dowe

Solingen. Es ist ein straffer Zeitplan, den NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) für die Wiedereröffnung der Schulen vorgelegt hat. Demnach sollen bereits ab Montag (20. April) Schulleitungen, Lehrkräfte und anderes Personal alle Vorbereitungen treffen, damit am Donnerstag, 23. April, die Schulen mit Einschränkungen geöffnet werden können. So ist vorgesehen, dass der Betrieb zunächst für die vierten Jahrgänge der Grundschulen sowie Schüler aufgenommen werden soll, die in diesem Jahr noch Prüfungen zu absolvieren haben, hieß es am Donnerstag aus dem NRW-Schulministerium.

Die Vorbereitungen für diesen Schritt laufen in Solingen auf Hochtouren: „Die Reinigung der Schulen wird Ende dieser Woche abgeschlossen sein“, teilt Rathaussprecherin Stefanie Mergehenn auf ST-Nachfrage mit. „Es werden die empfohlenen Reinigungsmittel eingesetzt, aber kein Desinfektionsmittel, da gründliches Händewaschen nach Aussage der Experten ebenso wirksam ist.“ Dabei sei zu errechnen, wie viele Plätze bei einem Radius von 1,50 Meter pro Kind in jedem Klassenraum zur Verfügung stehen. Die hygienischen Anforderungen des Landes werde die Stadt erfüllen.

Eine Finanzspritze etwa für Schüler, die über keinen Computer verfügen, gebe es nicht, bedauert Mergehenn: „Zusätzliches Geld aus dem Digitalpakt gibt es leider nicht. Die Ausstattung der Schulen erfolgt anhand der technisch-pädagogischen Konzepte, die die Schulen erstellen müssen. Es werden auch Tablets angeschafft.“ Das Thema Bildungsgerechtigkeit in der Corona-Krise beschäftige auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), sagt Dirk Bortmann, Vorstandsmitglied des Solinger Stadtverbandes. „In der Zeit der Schließung der Schulen sind die ungleichen Bildungschancen für Kinder und Jugendliche verstärkt worden.“ Dies gelte insbesondere für Schüler, die kein eigenes digitales Endgerät besitzen und zuhause keine „lernförderlichen Strukturen“ vorfinden. Insgesamt befürworte die GEW die Pläne, die Schulen schrittweise wieder zu öffnen.

Solingen: Schüler sollen behutsam in den Schulalltag zurückfinden

Was die Wiedereröffnung der Schulen insbesondere für die Viertklässler emotional bedeutet, lässt sich wohl schwer abschätzen. „Wie gewohnt werden die Lehrkräfte die Kinder dort abholen, wo sie gerade stehen“, betont Schulrätin Monika Hannemann. „Es wird zunächst Zeit eingeräumt, um die emotionalen Befindlichkeiten festzustellen. Nachfolgend werden die sozialen Veränderungen beachtet und es wird darauf eingegangen. Erst im dritten Schritt wird es um inhaltliches Arbeiten gehen können.“

Kritisch sieht Jens Merten, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Solingen, die Regelungen. „Die Geschwindigkeit, die NRW damit vorlegt, ist hanebüchen. Sinnvoller wäre es gewesen, wie die meisten anderen Bundesländer mit der Wiedereröffnung der Schulen bis zum Stichtag 4. Mai zu warten, damit alle Beteiligten ausreichend Vorbereitungszeit haben.“

Die Pläne des Landes hält Merten für sehr „optimistisch“: „Die Kinder müssen teilweise fachfremd unterrichtet werden, weil viele Lehrkräfte ausfallen, da sie zur Risikogruppe gehören oder schwanger sind. Die Viertklässler müssten im Schichtbetrieb unterrichtet werden, um die hygienischen Anforderungen zu erfüllen.“ Offene Fragen gebe es mit Blick auf den Schulbustransport, der das Risiko räumlicher Enge für die Kinder berge. 

In unserem Live-Blog finden Sie alle Informationen rund um das Coronavirus in Solingen. Der Blog wird laufend aktualisiert.

LIVE-SCHALTE

GESPRÄCH Um die Rückkehr in den Schulalltag geht es bei der Solinger Live-Schalte am Freitag von 17.30 bis 18.30 Uhr. Gast im Rathaus-Studio bei Moderatorin Evelyn Wurm ist Schuldezernentin Dagmar Becker, zugeschaltet werden Schulrätin Monika Hannemann und Schulleiter Andreas Tempel. Das Gespräch wird live übertragen auf der Facebook-Seite der Stadt, dem Account von OB Tim Kurzbach sowie auf dessen Youtube-Kanal.

live-studio.solingen.de

STANDPUNKT

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Kristin Dowe

Armin Laschet hat mit der schnellen Wiedereröffnung der Schulen einiges riskiert. Das Tempo, das der NRW-Ministerpräsident dabei vorlegt, hat bundesweit für Kritik gesorgt, und auch Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach meldete auf Facebook Zweifel am eiligen Kurs der Landesregierung an. Mag deren Ansinnen auch nachvollziehbar sein, den Schulbetrieb mit Blick auf die anstehenden Abiturprüfungen so schnell wie möglich wieder aufzunehmen, so muss die Gesundheit von Schülern, Lehrkräften und anderen doch absolute Priorität haben. In Solingen stehen die Schulen, deren Alltag auch in coronafreien Zeiten von verschmutzten Sanitäranlagen und überfüllten Schulhöfen geprägt ist, jetzt vor einer Mammutaufgabe. 

Allein die Aufteilung der Klassen und der Unterricht mit knapper personeller Besetzung dürften Schwierigkeiten bereiten. Hier sollte nichts überstürzt werden, um den fragilen Erfolg der Maßnahmen nicht zu gefährden. 

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