Pandemie

Pflegeeinrichtungen testen umfassend

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Bei den Schnelltests gibt es vereinzelt Lieferschwierigkeiten – Krisenstab fordert einheitliche Strategie vom Land.

Von Kristin Dowe und Simone Theyßen-Speich

Solingen. Bereits mehrere Solinger Altenpflegeeinrichtungen hatten in den vergangenen Monaten mit Corona-Ausbrüchen zu kämpfen. Kontinuierlich überprüfen gerade die zuletzt betroffenen Häuser immer wieder ihr Hygienekonzept, versuchen Schwachstellen im System auszumachen und zu beheben. Die alten und kranken Menschen, die vielzitierten vulnerablen Gruppen, und vor allen Dingen die Bewohner in den Einrichtungen waren in den vergangenen Wochen leider auch häufiger von tödlichen Verläufen der Covid-19-Erkrankung betroffen.

Solingen: Einrichtungen reichten Testkonzepte bei der Stadt ein

Nach dem St. Lukas Pflegeheim waren zuletzt in der Evangelischen Altenhilfe Wald, im Malteserstift St. Antonius, in der Geriatrie der St. Lukas Klinik und in Haus Ahorn in Bethanien Bewohner und Mitarbeiter infiziert. Die Hygiene- und Besuchsregelungen sind nicht erst seit diesen Ausbrüchen in den Einrichtungen streng. Alle Häuser haben Testkonzepte bei der Stadt eingereicht. „Die St. Lukas Klinik verfügt selbst über Schnelltests. Viele Einrichtungen warten aber noch auf die Lieferungen, die hoffentlich in dieser Woche kommen sollen“, erklärte Britta Schroer vom Gesundheitsamt bei der jüngsten virtuellen Pressekonferenz des Krisenstabs. Es sei auch bedauerlich, dass seitens des Landes immer noch keine einheitliche Teststrategie für die Altenheime erkennbar sei, kritisierte Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD).

Lieferschwierigkeiten bei den Schnelltests bestätigt auch Barbara Franke, Leiterin der Evangelischen Altenhilfe Wald. „Wir haben Schnelltests bestellt, aber bislang noch keine erhalten“, sagt die Diplom-Pflegewirtin, die darin vor allem ein Mittel sieht, durch das Mitarbeiter und Bewohner „kurzfristige Klarheit“ über eine mögliche Infektion erlangen können. Allerdings bedeuteten auch die Schnelltests für das Personal weiteren Arbeitsaufwand angesichts weitreichender Zusatzaufgaben während der Pandemie.

„Das Virus ist nicht aufzuhalten.“
Barbara Franke, Evangelische Altenhilfe Wald

Nach einem Corona-Ausbruch habe man die Hygienemaßnahmen noch einmal intensiviert. „Die Mitarbeiter arbeiten nur noch vermummt und mit FFP2-Maske und sie machen auch keine gemeinsamen Pausen mehr“, so Franke. Trotz aller Schutzvorkehrungen sei es geradezu unmöglich, die Ansteckungswege noch nachzuvollziehen. „Das Virus ist nicht aufzuhalten.“

Einen Schritt weiter ist man in Bezug auf die Schnelltests bereits in den Senioreneinrichtungen der Diakonie Bethanien. In deren Haus Ahorn in Aufderhöhe war es Mitte November zu einem größeren Ausbruch mit mehr als 40 Infizierten gekommen, darunter zwölf Mitarbeiter. „Wir haben für unsere Senioreneinrichtungen ein Testkonzept entwickelt, das bereits von der Heimaufsicht und dem Gesundheitsamt genehmigt wurde“, berichtet Sprecher Robert Sopella. Damit wolle man noch in dieser Woche starten. Das Personal werde außerdem von Ärzten darin geschult, wie die Schnelltests durchzuführen sind. Mitarbeiter und Bewohner sowie auf Wunsch auch Angehörige würden einmal wöchentlich getestet, bei Symptomen greife man sofort zum Schnelltest. Die Einrichtung befinde sich aktuell in Quarantäne und habe bereits die fünfte Reihentestung absolviert, teilt Sopella weiter mit.

Aktuell gut versorgt mit Schnelltests ist das Malteserstift St. Antonius. Diese kämen in Absprache mit dem Gesundheitsamt zusätzlich zu den Reihentestungen zum Einsatz, wenn ein Bewohner oder Mitarbeiter Symptome zeigt, berichtet Einrichtungsleiterin Marion Huss. 22 infizierte Bewohner werden aktuell im Quarantänebereich des Hauses versorgt, zudem sind zehn Mitarbeiter der Einrichtung infiziert. Eine 92-jährige Bewohnerin ist im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. „Das ist für uns alle eine bestürzende Nachricht“, so Huss. Um die besonderen Herausforderungen zu bewältigen, sei auch personell aufgestockt worden.

Wie schwierig es manchmal ist, den teils hochbetagten Bewohnern die Sinnhaftigkeit der Schutzmaßnahmen zu vermitteln, zeigt auch die Erfahrung im St. Lukas Pflegeheim: „Der geronto-psychiatrische Schwerpunkt des St. Lukas Pflegeheims erschwert die Umsetzung der Maßnahmen, da die meisten Bewohner an einer fortgeschrittenen demenziellen Veränderung leiden und damit die Toleranz und das Verständnis für Schutzmaßnahmen manchmal schlicht nicht herzustellen ist“, sagt Cerstin Tschirner, Sprecherin der Kplus Gruppe. Das sei für das Personal zuweilen eine Geduldsprobe.

In unserem Live-Blog finden Sie alle Informationen rund um das Coronavirus in Solingen. Der Blog wird laufend aktualisiert.

Standpunkt: Teststrategie gefordert

kristin.dowe@ solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Kristin Dowe

Es ist wahrlich Übermenschliches, was die Beschäftigten in den Solinger Altenpflegeeinrichtungen in diesen Tagen leisten. Die Durchführung der Schnelltests, für die sie nun noch fachlich geschult werden müssen, ist eine weitere Zusatzaufgabe von vielen, welche die Mitarbeiter im Zuge der Pandemie neben ihren weitreichenden Dokumentationspflichten zu stemmen haben. Dabei ist es ohnehin schon schwierig, gerade demenziell veränderten und sicherlich auch an Einsamkeit leidenden Bewohnern die aktuelle Situation zu erklären. 

Zwar bietet auch ein Schnelltest nie absolute Sicherheit, da er immer nur eine Momentaufnahme des Gesundheitszustands eines Patienten zeigt – jemand kann sich in der nächsten Minute bereits wieder infiziert haben. Doch könnte das Instrument gerade in hochsensiblen Bereichen wie Senioreneinrichtungen dazu beitragen, Infektionsherde gar nicht erst entstehen zu lassen. Von der Politik benötigen Gesundheitsämter und Pflegeeinrichtungen klare Richtlinien, wie die Teststrategie des Landes konkret aussehen soll. Hier gibt es noch zu viele offene Fragen.

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