Auf Streife mit dem Ordnungsamt

Kontrolle der Maskenpflicht stößt an ihre Grenzen

Die Maskenpflicht in der Innenstadt gilt auch für Schulkinder. Annabelle Rechner, Teamleiterin des Kommunalen Ordnungsdienstes, klärt die Jungs auf. Fotos: Christian Beier
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Die Maskenpflicht in der Innenstadt gilt auch für Schulkinder. Annabelle Rechner, Teamleiterin des Kommunalen Ordnungsdienstes, klärt die Jungs auf.

Der Kommunale Ordnungsdienst überwacht in Schichten das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung.

  • Der Ordnungsdienst kontrolliert mit dem Kommunalen Unterstützungsdienst die Maskenpflicht in Solingen.
  • Wer gegen die Pflicht verstößt, wird zunächst nur ermahnt.
  • Die Personaldecke ist sehr dünn. 

Von Philipp Müller

Solingen. Er habe die Maske vergessen, erklärt ein Mann Annabelle Rechner. Die Teamleiterin des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) ist in der Fußgängerzone auf Streife mit ihrem Kollegen Angelo Nickisch. Der Maskenlose wird eindringlich, aber geduldig und mit guten Worten verwarnt. Im Schichtdienst ist der KOD zusammen mit dem Kommunalen Unterstützungsdienst (KUD) unterwegs. Sie kontrollieren die Einhaltung der Maskenpflicht.

Mit einer Allgemeinverfügung hatte die Stadt den Kern der Innenstadt, die Fußgängerzone, Teile der Kölner Straße und die Mummstraße zur Maskenzone erklärt. Solche Bereiche gibt es auch in Ohligs rund um die Düsseldorfer Straße und in Wald etwa auf der Friedrich-Ebert-Straße. Zugleich hatte die Stadt angekündigt, die Maskenpflicht zu kontrollieren.

Mit 15 Leuten geschehe das momentan, berichtet Rechner. Ordnungsdezernent Jan Welzel (CDU) hatte angekündigt, die Personalstärke auf 30 erhöhen zu wollen. Zudem möchte die Stadt gerne sechs Bundespolizisten einsetzen. Dafür ist aber das Amtshilfeverfahren erst in Gang gesetzt worden.

Annabelle Rechner und Angelo Nickisch gehen die „Kunden“ ohne Maske bei ihren Kontrollen nicht aus. Da ist auch Geduld gefragt.

Die KUD-Leute sind an den gelben Westen als Helfer, der KOD an der blauen Uniform erkennbar. Dass die Kontrolle offenbar nötig ist, zeigt der Rundgang, den das Tageblatt mit den beiden unternahm – denn ohne Uniformen in der Nähe lässt das Tragen der Maske schnell wieder nach.

Mit einem Flyer wird die Maskenpflicht erklärt.

Der Sinn der Kontrolle und wie sie abläuft, zeigt sich schnell. Zwei Grundschüler laufen ohne Maske herum, ziehen sie schnell hoch, als Rechner sie ermahnt. Auf der Hauptstraße steht eine Frau vor einem Mobilfunkgeschäft. Sie habe nach einer Operation Schwierigkeiten mit der Maske. Für die Befreiung brauche sie ein Attest, klären Rechner und Nickisch auf. Die Dame bedeckt dann Mund und Nase. Sie erhält, so wie alle die Rechner und Nickisch ansprechen, noch einen Flyer mit den gültigen AHA-Regeln – Abstand, Hygiene und Alltagsmasken.

Je dichter das Gedränge, desto wichtiger ist die Kontrolle.

Oft reicht der Hinweis: „Sie müssen die Maske bitte richtig aufsetzen.“ Denn sie baumelt knapp unter Nase oder unter dem Kinn. „Wo gilt das denn?“ Das will ein Mann in Höhe Clemens-Galerien wissen. Auch genau dort, wird er belehrt. Da könnte die Stadt allerdings nachbessern. Auf den Schildern zur Maskenpflicht ist ausdrücklich von „Fußgängerzone“ die Rede. Die Mummstraße ist das nicht. Die Kölner Straße auch nicht. Besonders im Bereich der Bushaltestelle herrscht Gedränge. Dort müssen Rechner und Nickisch viel aufklären. Das sei schon Maskenzone. Und überhaupt: Im Bereich von Bushaltestellen müsse jeder die Maske tragen, auch wenn er nur vorbeilaufe.

Solingen: Etwa jeder 20. Passant trägt Maske falsch oder gar nicht

Annabelle Rechner ist seit Beginn der Pandemie auf der Straße unterwegs. Sie zieht eine gemischte Bilanz der vergangenen Einsätze. Die Sache mit der Maskenpflicht sei im Grunde gut bekannt und die Leute würden sich auch überwiegend daran halten. „Es hat die Runde gemacht.“, sagt sie. Aber eben nicht bei allen. Bußgelder würden selten verhängt. Angelo Nickisch berichtet von einem Fall, wo ein Solinger trotz dreimaliger Aufforderung die Maske nicht aufzog. Gegen ihn wurde ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Das könne dann 50 Euro kosten.

„Es ist bei den Kontrollen ein bisschen wie im Hamsterrad.“
Annabelle Rechner, Kommunaler Ordnungsdienst

Nachdem die Runde mit den beiden Profis in Sachen Maskenkontrolle vorbei ist, stellt sich folgende Frage: Wie sieht das aus, wenn keine Uniform in der Nähe ist? War es gefühlt beim Rundgang jeder 20. Passant, der ohne oder falsch getragener Maske unterwegs war, so sind es beim zweiten Rundgang ohne den KOD wieder mehr. Das deckt sich mit den Erfahrungen von Rechner, die stets die gleiche Situation bei den Kontrollen erlebt: „Wir können nicht überall sein. Es ist ein bisschen wie im Hamsterrad.“ Mit zwei Fahrzeugen deckt der KOD an diesem Tag die drei Maskenzonen ab, dazu kommen die Helfer vom KUD.

Fazit: Die Kontrolle wirkt. Aber die Personaldecke ist sehr dünn, das wird deutlich. Sie könnte größer sein, soll es werden und wäre es auch bereits. Warum? An der Mummstraße verpasst eine Politesse einem Gemüsetransporter seelenruhig eine „Knolle“. Den wenigen Passanten ohne Maske, die an ihr vorbeischlendern, wirft sie aber den Standardsatz von Annabelle Rechner „Setzen Sie bitte ihre Maske auf“ nicht entgegen.

Neue Verordnungen werden erwartet

Nach dem Gipfel zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Chefs der Bundesländer wird für den 1. November eine Neufassung der Corona-Schutzverordnung NRW erwartet. Sie wird Maßnahmen verkünden, die ab Montag, 2. November in Kraft treten. Die Stadt Solingen will das mit einer eigenen Allgemeinverfügung ergänzen, soweit die Landesvorgaben dies nicht bereits erledigen. 

Die Maskenpflicht wird ausgeweitet, Treffen in der Öffentlichkeit beschränkt, viele Veranstaltungen untersagt. Wir haben eine Übersicht über die aktuellen Corona-Regeln in Solingen.

Standpunkt: Ein wenig Disziplin bitte

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Philipp Müller

Die Ruhe, mit der die beiden Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes, die das Tageblatt bei der Maskenkontrolle begleitet hat, mit den Menschen in der Innenstadt umgehen, ist schon beeindruckend. Gebetsmühlenartig kommen die gleichen Aufforderungen. Entspannt bleiben die Gesichter, wenn zum x-ten Mal der gleiche Entschuldigungsspruch kommt. Und doch wird man den Eindruck nicht los, dass die riesige Zahl der Menschen die wenigen Kontrolleure einfach überfordern muss. 

Die Solinger machen es auch sich selbst und ihren Mitmenschen nicht einfach, wenn sie die Maske nach ein paar Metern wieder unter die Nase schieben. Corona? Maßnahmen? Ansteckungsgefahr? „Ne, das gilt nicht für mich“, schreit es stumm aus den Gesichtern. Die Infektionszahlen sprechen eine andere Sprache. Die überwiegende Mehrheit weiß das und setzt die Maske auf. Das Geheimnis der Pandemiebekämpfung ist ein wenig mehr Selbstdisziplin.

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