Pandemie bringt viele Helden hervor

Coronavirus: Helfer machen Testzentrum erst möglich

Dr. Gerd Rapp zeigt bei Medizinstudent Tristan Spartmann, wie der Corona-Abstrich richtig genommen wird. Foto: Michael Schütz
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Dr. Gerd Rapp zeigt bei Medizinstudent Tristan Spartmann, wie der Corona-Abstrich richtig genommen wird.

Arzt Dr. Gerd Rapp und Medizinstudent Tristan Spartmann sind seit Monaten in Bethanien im Einsatz.

  • Ein pensionierter Arzt und ein Medizinstudent stehen stellvertretend für die vielen Helfer, die in Bethanien im Einsatz sind.
  • Zu Spitzenzeiten wurde in Solingen täglich 500 Corona-Tests gemacht.
  • Seit Weihnachten geht die Zahl der täglichen Tests zurück, dafür ist die Positivquote deutlich höher.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Testen, testen, testen. Seit Beginn der Pandemie ist das einer der wichtigen Wege, um Infektionsketten zu unterbrechen. Seit dem Frühjahr ist deshalb auch die Infektionsambulanz in Bethanien im Einsatz. „Wir sind froh, dass wir für diese Aufgabe viele freiwillige Helfer haben“, betonte Betanien-Chefarzt Prof. Dr. Winfried Randerath in den vergangenen Monaten immer wieder. Ohne sie sei diese riesige zusätzliche Aufgabe für die Lungenfachklinik nicht zu stemmen.

Zwei von ihnen sind der pensionierte Arzt Dr. Gerd Rapp und der Medizinstudent Tristan Spartmann – stellvertretend für viele, die seit Monaten rund um das Testzelt auf dem Bethanien-Gelände im Einsatz sind.

„Ich bin von Bethanien angefragt worden, ob ich helfen kann, und habe nicht lange gezögert, zuzusagen“, erzählt Dr. Gerd Rapp. Der 81-jährige Allgemeinmediziner hatte bis 2008 seine Praxis in Wald. Seit September gehört er jetzt zum Test-Team in Bethanien. Jeden dritten Tag ist er dort im Schnitt derzeit im Einsatz.

Auch Tristan Spartmann, der im dritten Semester Medizin in Marburg studiert, nimmt seit September Corona-Abstriche. „Als ich angefangen habe, hatten wir hier etwa 120 Tests am Tag. Der Spitzenwert mit bis zu 500 Tests am Tag war dann im Oktober kurz vor den Herbstferien, als sich viele Urlauber noch schnell testen lassen wollten“, erinnert sich der 22-Jährige.

Solingen: Prozentualer Anteil positiv Getesteter fast immer zweitstellig

Seit Weihnachten sei die Zahl der zu Testenden deutlich zurückgegangen. „Auffällig ist aber, dass der Anteil der positiv Getesteten jetzt höher ist“, so Tristan Spartmann. „Lag deren Anteil im Oktober bei einem Prozent der Getesteten, so ist der Anteil jetzt durchgehend zweistellig“, bestätigt Prof. Randerath.

„Das ist ein tolles Team hier im Testzentrum.“
Tristan Spartmann

Der Schutz der Mitarbeiter steht für das Testteam deshalb im Vordergrund. „Wenn wir die Abstriche nehmen, sind wir mit FFP2-Maske, Plastik-Visier, Einweg-Anzug und Handschuhen komplett geschützt“, erklärt Dr. Rapp. Etwa 4000 Abstriche hat der pensionierte Arzt schon gemacht. Neben der Aufgabe in Bethanien ist er zusätzlich bei den Reihentests, etwa in den Altenheimen oder bei den Mitarbeitern des Palliativen Hospizes, im Einsatz gewesen.

Auch Tristan Spartmann war in den Teams für die Reihentests schon dabei. „Mit dem sechsköpfigen Team haben wir da bis zu 300 Abstriche am Tag geschafft“, erinnert er sich an die große Herausforderung. Die Hauptaufgabe liegt aber bislang im Testzentrum Bethanien, in dem Personen mit Symptomen oder mit Kontakt zu positiv Getesteten abgestrichen werden.

„Das ist ein tolles Team hier, bestehend aus erfahrenen Ärzten und Studenten, teilweise aus Polen, Litauen und Rumänien“, beschreibt Spartmann. Auch seine Mutter ist im Einsatz. „Da ich in meinem eigentlichen Beruf im Reisebüro derzeit nicht arbeiten kann, helfe ich hier bei der Anmeldung“, erzählt Carolin Spartmann. Sorge, sich anzustecken, hat sie nicht. „Mit der FFP2-Maske ist man gut geschützt, aber es wäre wünschenswert, wenn alle zu Testenden solch eine Maske tragen würden.“

Gerade während der Sommermonate sei der Vollschutz schon eine Belastung gewesen. „Da musste man mehrmals am Tag wechseln, weil alles durchgeschwitzt war“, erinnert sich Dr. Rapp. Aber auch er geht in der wichtigen Aufgabe für das Wohl der Gesellschaft voll auf. „Das ist eine tolle Zusammenarbeit mit den jungen Leuten – wenn ich noch eine Praxis hätte, würde ich alle einstellen.“

In unserem Live-Blog finden Sie alle Informationen rund um das Coronavirus in Solingen. Der Blog wird laufend aktualisiert.

Testzentrum

Anlaufstelle: Bethanien, Aufderhöher Straße 169, Montag bis Freitag, 9 bis 18 Uhr, Samstag 9 bis 13 Uhr.

Anmeldung: Um Anmeldung wird gebeten (coronatest-solingen.de, Tel. 63 99 99). Auf dem Testgelände herrscht Maskenpflicht, eine FFP2-Maske ist wünschenswert.

Standpunkt: Dickes Lob an Freiwillige

Von Simone Theyßen-Speich

Die Corona-Pandemie bringt viele Helden hervor. Allen voran die Pflegekräfte und Ärzte in den Kliniken und Praxen. Aber gerade an der Lungenfachklinik Bethanien haben sie tatkräftige Unterstützung, die bislang kaum im Licht der Öffentlichkeit stand.

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Pensionierte Ärzte, Medizinstudenten und andere freiwillige Helfer stemmen dort seit dem Frühjahr das Testzentrum. Dessen segensreiches Tun war und ist eine der großen Stützen beim Kampf gegen das Coronavirus und die Verbreitung der Infektionen. 

Teilweise sind sie schon seit Monaten im Einsatz, oft an mehreren Tagen in der Woche – auch am Wochenende. Mit Atemmaske, Plastik-Visier, Handschuhen und Einwegkittel in den aufgestellten Zelten des Testzentrums tätig zu sein, war gerade während der Sommermonate eine schweißtreibende Aufgabe. Hinzu kommt immer die Sorge, sich trotz aller Hygienemaßnahmen selbst anzustecken. Und die Herausforderungen reißen nicht ab, nicht im Testzentrum und auch nicht im Impfzentrum, das demnächst startet. Auch fürs Impfen hat sich nicht nur Dr. Rapp schon freiwillig gemeldet.

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