Stimmung

Coronavirus: Gäste meiden Asia-Lokale

Auch im Restaurant Chinesische Mauer am Grünewald bleiben viele Plätze leer. Mitarbeiter vermeiden Reisen nach China und Verwandtenbesuche. Foto: Tim Oelbermann
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Auch im Restaurant Chinesische Mauer am Grünewald bleiben viele Plätze leer. Mitarbeiter vermeiden Reisen nach China und Verwandtenbesuche.

Auch Firmen spüren die wirtschaftlichen Auswirkungen. Ansteckungsfälle gibt es in Solingen nicht.

  • Vor allem asiatische Restaurants in Solingen bekommen die Auswirkungen zu spüren.
  • Jedoch bekommen sie ihre Waren wegen zu hoher Transportkosten nicht aus China.
  • Solinger Apotheker blicken ebenfalls mit Sorge auf die Ausbreitung des Coronavirus.

Von Simone Theyßen-Speich und Katharina Birkenbeul

Solingen. Die gute Verbraucherstimmung in Deutschland hat sich etwas eingetrübt. Erstmals seit November sank der monatlich ermittelte Konsumklimaindex leicht. „Die Ausbreitung des Coronavirus hat sicherlich dazu beigetragen, dass Verunsicherung unter den Verbrauchern aufkommt“, begründete Rolf Bürkl vom Marktforschungsinstitut GfK die jetzt veröffentlichten Daten.

Auch in Solingen sind die Auswirkungen spürbar. Etwa bei Unternehmen, die direkt oder indirekt Kontakte nach Fernost haben. „Wir wissen, dass Unternehmen Geschäftsreisen nach China verschieben und sich stattdessen mit Videokonferenzen via Skype behelfen“, erklärt Thomas Wängler, Leiter des Stabsbereichs Öffentlichkeitsarbeit bei der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK).

Teilweise kämen bei Firmen im bergischen Städtedreieck auch Warenlieferungen aus China nicht mehr an. „Es kommt auch vor, dass Waren zwar noch kommen, aber Papiere fehlen und die Ansprechpartner bei der liefernden Firma nicht mehr erreichbar sind“, so Wängler. In der Zwilling-Messerfabrik in Shanghai werde seit Montag wieder produziert, „bei maximaler Fürsorge und Sicherheitsmaßnahmen“, so ein Sprecher des Unternehmens. Zwilling betreibt dort Produktion und Logistik mit 900 Mitarbeitern. Um die Unternehmen auf dem Laufenden zu halten, hat die IHK auf ihrer Internetseite Infos zum Coronavirus veröffentlicht.

Auch in den asiatischen Restaurants in Solingen macht sich die Auswirkung des Coronavirus bemerkbar. „Es kommen nur noch die Stammgäste und damit rund zwei Drittel der Kunden weniger“, erklärt Xin Liu von dem Restaurant Chinesische Mauer am Grünewald. Das sei bereits seit Mitte Januar der Fall. Gäste, die kommen, fragten häufig nach der Lage in China. „Die Kunden wollen wissen, wie es unseren Familien geht und ob es wirklich so ist, wie in den Medien dargestellt“, sagt Liu. Sie versichert, dass alle Mitarbeiter von Reisen nach China absehen und auch keine Verwandten nach Deutschland kommen.

Solingen: Lebensmittel für das Restaurant kommen nicht aus China

Die Lebensmittel kommen ebenfalls nicht aus Asien, der Großlieferant käme aus den Niederlanden. Die Transportkosten von China nach Deutschland seien viel zu hoch. Die Chinesische Mauer habe sich auch mit den anderen asiatischen Restaurants ausgetauscht, denen es genauso gehe. Anfeindungen gegenüber den Mitarbeitern gebe es allerdings nicht, sagt Liu.

Auch im Asia-HG am Klosterwall in Solingen spürt man einen Rückgang der Kundschaft seit Ausbruch des Coronavirus, allerdings nicht erheblich. Der Wok-Express in Solingen-Mitte sei davon nicht betroffen. „Es kommen immer noch genau so viele Kunden – zum Glück“, sagt ein Mitarbeiter. Der Wok-Express bezieht ebenso wie das Restaurant Chinesische Mauer keine Lebensmittel aus Asien. „Das Rindfleisch beispielsweise kommt aus Argentinien“, sagt ein Mitarbeiter.

Mit Sorge blicken auch die Solinger Apotheker auf die Ausbreitung des Coronavirus. „Direkte Auswirkungen des Virus haben wir bislang noch nicht zu spüren bekommen“, erklärt Kreisvertrauensapotheker Christian Veithen von der St. Michael Apotheke, weist aber auf die ohnehin schon bestehenden Engpässe bei verschiedenen Medikamenten hin.

Tatsächlich produzierten zahlreiche Pharma-Hersteller in Indien, Malaysia oder China. Teilweise gebe es weltweit nur wenige oder sogar nur noch einzelne Anbieter für einen speziellen Wirkstoff. „Wenn es dann Probleme bei den Wirkstoff-Herstellern gibt, spüren das zunächst die Pharma-Unternehmen, und im zweiten Schritt erleben dann auch die Apotheken die Lieferengpässe“, so Veithen. 

Während vor allem Gastronomen mit einem Bezug zu Asien derzeit zu leiden haben, sieht die Stadt Solingen sich gerüstet.

CORONAVIRUS

FÄLLE Bislang gibt es in Solingen weder einen Verdachtsfall noch eine Infektion mit dem Coronavirus Covid-19.

TESTS Im Fachkrankenhaus Bethanien wurden bereits mehrere Menschen auf Covid-19 getestet, bei denen es nach Einschätzung der Ärzte einen medizinischen Grund gab, etwa eine Rückkehr aus China.

GRIPPE Hauptthema in Bethanien, aber auch in den anderen Solinger Kliniken, ist derzeit die Grippe. Viele Influenzafälle müssen derzeit behandelt werden. Ärzte raten auch jetzt noch zur Grippe-Impfung.

Standpunkt: Besser breit aufstellen

simone.theyssen-speich @solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Simone Theyßen-Speich

Zum Glück gibt es in Solingen noch keinen Ansteckungsfall mit dem Coronavirus. Aber nicht nur der Erreger selbst birgt eine Gefahr. Auch die Folgen sind jetzt weltweit spürbar – auch in Solingen. Wenn etwa Apotheken Sorgen haben, dass es zu Lieferengpässen bei speziellen Medikamenten kommt, dann liegt die Ursache vor allen Dingen darin, dass Wirkstoffe teilweise nur noch von einem Hersteller produziert werden. Wenn die Firma – oder wie beim Coronavirus die ganze Region – Probleme bekommt, sind weltweit Patienten betroffen. 

Bei allen Chancen, die Globalität bietet: In Krisenzeiten stehen die Unternehmen gut da, die breit aufgestellt sind, die nicht nur auf einen Zulieferer oder einen Absatzmarkt gesetzt haben. Und das Bemühen, Waren wenn möglich nicht rund um den Globus zu transportieren ist auch mit Blick auf den Klimaschutz der richtige Weg.

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