Corona-Krise

Direktverkauf bei Landwirten boomt

Landwirt Knut Meinsma deckt die Erdbeergewächse mit einer Plastikplane ab, um sie vor Bodenfrost zu schützen.
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Landwirt Knut Meinsma deckt die Erdbeergewächse mit einer Plastikplane ab, um sie vor Bodenfrost zu schützen.

In der Corona-Krise erleben Bauern einen Ansturm auf ihre Hofläden. Viele hoffen auf einen Bewusstseinswandel beim Verbraucher.

Von Kristin Dowe

Solingen. Die Landwirte in der Region haben nach eigenen Angaben im Zuge der Corona-Krise große Zuwächse in der Direktvermarktung zu verzeichnen. „Es gibt ja schon länger den Trend, dass die Menschen ihre Lebensmittel direkt beim Erzeuger kaufen möchten. Das wird durch die Corona-Krise noch verstärkt“, berichtet Karl-Otto Dickhoven, Sprecher der Ortsbauernschaft, auf Nachfrage. Da erleben wir derzeit einen regelrechten Boom.“ Der Landwirt vermutet, dass die Verbraucher sich in der Krise „stärker auf den Wert von Lebensmitteln und deren Produktion zurückbesinnen“.

Dies zumindest hoffe er, denn abgesehen von den Gewinnen in der Direktvermarktung seien beispielsweise die Kälberpreise unverändert schlecht. „Ein männliches Kalb kann ich zurzeit für 40 Euro verkaufen, ein weibliches gerade mal für acht“, berichtet Dickhoven. „Die Preise sind noch immer viel zu niedrig.“

„Die Direktvermarktung läuft momentan so gut wie das Weihnachtsgeschäft.“
Kurt Meinsma, Landwirt

Der Landwirt wolle die aktuell steigende Nachfrage nach frischen Lebensmitteln direkt vom Erzeuger nutzen und eventuell eine Milchtankstelle einrichten. „Das wäre eine Überlegung wert. Ob wir das machen, hängt davon ab, welche Betriebskosten für uns damit verbunden wären.“

Auch Knut Meinsma vom gleichnamigen Bauernhof Meinsma profitiere wirtschaftlich von der aktuellen Marktsituation, berichtet der Landwirt. „Das jetzige Geschäft der Direktvermarktung läuft momentan so gut wie sonst nur das Weihnachtsgeschäft. Wenn das ganze Leben auf Null gefahren wird, merken die Leute plötzlich, dass die Lebensmittelhändler und damit auch wir Landwirte systemrelevant sind, wie es immer so schön heißt.“ Denn durch die starken Einschränkungen kochten und versorgten sich die Menschen im Bergischen zum großen Teil wieder selbst – für Meinsma trotz aller Krisenstimmung auch eine positiver Nebeneffekt der Corona-Lage.

Solingen: Landwirte stehen hinter den Maßnahmen der Politik

Anders als etwa viele Landwirte am Niederrhein arbeitet Knut Meinsma im Hinblick auf die in gut sechs Wochen anstehende Erdbeerernte nur vereinzelt mit Erntehelfern zusammen. „Eine Hilfskraft für die Ernte ist schon im Februar zu uns gekommen und wird wohl den ganzen Sommer bleiben. Insofern trifft mich und die Bauern im Bergischen das Problem nicht so stark wie zum Beispiel viele Spargelbauern am Niederrhein.“ Dass die Bundesregierung die Einreise der dringend benötigten Erntehelfer unter strengen Sicherheitsauflagen schließlich genehmigt hat, halte er für richtig. „Die Erntehelfer haben eine große Bedeutung für die Landwirte. Allerdings befürchte ich, dass nur die größeren Betriebe von der Erlaubnis profitieren werden, da sie Quarantänebedingungen besser erfüllen können, und viele kleinere Betriebe leer ausgehen werden.“

Eine steigende Nachfrage nach frischen Produkten direkt vom Hof hat derweil auch Martin Dahlmann, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Mettmann, zu verzeichnen. „Die Leute rennen uns fast die Bude ein.“ Dabei verhielten sich seine Kunden allerdings immer regelkonform und hielten ausreichend Sicherheitsabstand. Generell stünden die Landwirte voll hinter den Maßnahmen der Politik. „Wir hoffen, dass die Auflagen zum Beginn der Erdbeerernte gelockert werden können.“

In unserem Live-Blog finden Sie alle Informationen zum Coronavirus in Solingen. Der Blog wird laufend aktualisiert.

LANDWIRTE

ERNTEHELFER Die Bundesregierung hatte zuletzt die Genehmigung dafür erteilt, dass die für die Spargelernte dringend benötigten Erntehelfer nun doch nach Deutschland einreisen dürfen. Die Landwirte müssen beim Einsatz der vornehmlich rumänischen Saisonarbeitskräften strenge Sicherheitsvorschriften einhalten. So müssen die Helfer beispielsweise in kleinen Teams organisiert werden.

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