Coronavirus

550 Tests am Wochenende in Bethanien

Vor dem Testzentrum bildeten sich am Samstagmorgen lange Schlangen.
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Vor dem Testzentrum bildeten sich am Samstagmorgen lange Schlangen.

Die Sieben-Tages-Inzidenz gab die Stadt Solingen am Sonntag mit 81,0 an – 131 Menschen sind aktuell infiziert.

Von Simone Theyßen-Speich und Philipp Müller

Solingen. Geduldig informiert ein Mitarbeiter der Lungenfachklinik Bethanien am Samstag vor dem Corona-Testzentrum die Menschen: „Wollen Sie sich testen lassen?“ Es ist kurz nach 13.30 Uhr. Eigentlich ist die Öffnungszeit des Testzentrums schon seit 13 Uhr beendet. „Wir haben aber noch alle Menschen, die sich bis 13 Uhr in der Schlange angestellt hatten, getestet“, erklärte Prof. Dr. Winfried Randerath, Chefarzt der Lungenfachklinik, das kulante Herangehen.

Mehr als zwei Stunden Wartezeit mussten am Ende noch einkalkuliert werden. Eine junge Dame informierte Freunde via Handy, dass sie fast vier Stunden gebraucht habe. Am Morgen, als das Zentrum in Aufderhöhe um 9 Uhr öffnete, reichte die Schlange bis zur Aufderhöher Straße. In Bethanien wurden am Samstagvormittag etwa 300 Menschen auf Sars-CoV-2 getestet. „Am Sonntag waren es dann im gleichen Zeitraum am Vormittag noch mal etwa 250“, erklärte Randerath nach einem arbeitsreichen Wochenende für das gesamte Team.

Seit Freitag ist Solingen aus Corona-Sicht ein Risikogebiet. Der Inzidenzwert lag höher als 50. Damit ist gemeint, dass sich in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 von 100 000 Solingern mit Covid-19 infiziert haben. Am Samstag schnellte die Inzidenz auf den Wert 63,2 hoch. Am Sonntag gab die Stadt auf ihrer Website den Wert mit 81,0 an. In den vergangenen sieben Tagen wurden demnach 132 Corona-Neuinfektionen festgestellt.

„Das war die größte Zahl an Tests an einem Tag seit Beginn der Pandemie.“
Prof. Dr. Winfried Randerath

Die Zahl der aktuell Infizierten blieb hingegen relativ stabil. Nach 135 am Freitag waren es am Samstag 112 und am Sonntag 131. Es werden also derzeit täglich viele Neuinfektionen festgestellt, auf der anderen Seite gilt aber auch eine etwa gleich große Zahl wieder als genesen.

Die hohe Inzidenz hat Auswirkungen auf alle Solinger, die jetzt in die Herbstferien fahren wollen. Je nach Ziel wird ein negativer Corona-Test verlangt. Die Landesregierung hatte daher die Übernahme der Kosten angekündigt. Bethanien hat die Testzeiten erweitert und sich auf die große Nachfrage vorbereitet.

Solingen: Es kann bis zu 72 Stunden dauern, bis das Testergebnis vorliegt

Chefarzt Prof. Dr. Winfried Randerath berichtete: „Die 300 Tests am Samstag und die 250 am Sonntag waren die größten Zahlen an Tests an einem Tag, die wir seit Beginn der Pandemie hatten.“ Um den großen Ansturm zu bewältigen, habe die Klinik die Mitarbeiter der Infektionsambulanz, darunter auch Studenten, teilweise auch aus dem freien Tag geholt. Randerath lobt nicht nur das Team, sondern auch die Wartenden: „Die Menschen waren sehr geduldig und vernünftig.“

Der Einweiser für die Schlange arbeitet eigentlich an der Information. Aber am Samstag seien viele Kollegen spontan eingesprungen, um die Nachfrage zu bewältigen, bestätigte auch er. „Am Sonntag wurden wir noch durch zwei Feuerwehrleute unterstützt, dadurch konnten die eigenen medizinischen Leute mehr Patienten testen“, erläuterte Randerath. Es sind aber nicht nur Urlauber, die anstehen. Ein Mann berichtete, er brauche dringend einen Überprüfungstest, den habe er eigentlich in Düsseldorf machen wollen, da sei es aber deutlich voller gewesen.

Unter den getesteten Solingern war auch eine Schulklasse. Das sei so geplant gewesen, erklärte Randerath. Er empfiehlt, möglichst Termine für die Tests zu machen. Ergebnisse können wegen der Überlastungen auch in den Labors derzeit bis zu 72 Stunden dauern. Für die 48-Stunden-Frist bei Reisenden entscheidend ist der Zeitpunkt des Ergebnisses, nicht des Tests.

Standpunkt: Bethanien reagiert klasse

philipp.mueller@ solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Philipp Müller

Den Ansturm der Solinger, die sich testen lassen wollten, hatte Bethanien erwartet. Im Corona-Testzentrum der Stadt Solingen kennt man die Sache längst. Offenbar ist es auch für die Mitarbeiter keine Frage, einzuspringen, wenn Not vorliegt – heute auch keine Selbstverständlichkeit. Doch auch die Solinger sind zu loben. Sie waren geduldig. Bis zu vier Stunden bei herbstlichem Wetter draußen zu warten, das ist wahrlich nicht vergnügungssteuerpflichtig. Aber ein negativer Corona-Test ist in vielen Reisegebieten die einzige Chance, überhaupt Quartier zu bekommen. Dass die Sieben-Tage-Inzidenz am Samstag bei 63,2 und am Sonntag bei 81,0 lag, zeigt, dass die Stadt mit ihrer seit Samstag gültigen Allgemeinverfügung richtig liegt. Sie beschränkt beispielsweise Veranstaltungen auf maximal 300 Besucher. 

Aber auch Privatfeiern sind in öffentlichen Räumen mit mehr als 25 Personen nicht mehr erlaubt. Jetzt kommt es auf uns Solinger selbst an, die Regeln zu beherzigen. Oft sind es einzelne Unvernünftige, die die Zahlen hochschnellen lassen – und die Solinger baden das gemeinsam aus.

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