Versorgung

Ambulanzen sind leerer als früher

Dr. Markus Meibert ist Ärztlicher Direktor der St. Lukas Klinik. Foto: up
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Dr. Markus Meibert ist Ärztlicher Direktor der St. Lukas Klinik.

Solinger Kliniken betonen, dass die Versorgung für alle optimal weiterlaufe. Patienten sollten Probleme und Termine nicht verschleppen.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Überfüllte Krankenhäuser und Intensivstationen wie derzeit in Italien, Spanien, den USA oder im Elsass gibt es in Solingen zum Glück nicht. „Aber die Bilder im Fernsehen machen den Menschen Angst“, sagt Dr. Markus Meibert, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Chirurgie an der St. Lukas Klinik. Die Bilder hätten aber nichts mit der tatsächlichen Lage in Solingen zu tun.

Die letzten Wochen seien etwa in der St. Lukas Klinik intensiv genutzt worden, um sich auf eine Welle positiver Covid-19-Fälle vorzubereiten und gleichzeitig die Grund- und Notfallversorgung aufrechtzuerhalten. „Wir müssen und können beides schaffen“, sagt Dr. Markus Meibert. Zu schwerwiegend können die Folgen für Patienten sein, wenn entzündete Gallenblasen, Blinddärme, Abszesse, Herzerkrankungen, Tumore und neurologische Ausfälle nicht oder später behandelt würden.

Vermehrt kämen jetzt Patienten erst in die Klinik, wenn sie Schmerzen nicht mehr aushalten können. „Bei einer entzündeten Gallenblase kann das dann so weit gehen, dass die Entzündung auf das Bauchfell übergreift und zu Funktionsstörungen von Leber, Niere und Lunge führt“, sagt der erfahrene Chirurg. Die Folge: Die notwendige Operation ist deutlich erschwert, die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen ist erhöht, und auch eine intensivmedizinische Betreuung ist möglicherweise angezeigt, etwa wenn die Entzündung schon auf andere Organe übergegriffen hat.

Solingen: Infizierte Patienten sind in einem separaten Bereich

Die Gefahr, dass sich infektiöse und nicht-infektiöse Patienten treffen, sei gering. „Im Grunde haben wir in einem Gebäude gerade zwei getrennte Kliniken“, betont Dr. Markus Meibert. Bereits vor dem Haupteingang werden Patienten nach Symptomen gefragt und bei grippalen Anzeichen über einen separaten Eingang in die neu eingerichtete Infektionsambulanz geleitet. Wartebereiche, Behandlungs- und Patientenzimmer sind streng voneinander getrennt.

Dr. Markus Meibert richtet einen dringenden Appell an die Solinger: „Verschleppen Sie nichts. Bei starken Bauch- und Brustschmerzen, bei Sinnesstörungen mit neurologischen Ausfällen und natürlich bei Unfällen oder Verletzungen, kommen Sie in die Kliniken.“

„Natürlich sind viele Menschen angesichts der Coronavirus-Krise verunsichert“, weiß auch Prof. Dr. Thomas Standl, Medizinischer Direktor und Chefarzt der Anästhesie des Städtischen Klinikums. Deshalb sehe man es als wichtigste Aufgabe, die Versorgung für alle Patienten zu sichern und dies auch zu vermitteln. „Auf der einen Seite mobilisieren wir die Ressourcen für den Fall der Ausbreitung der Sars-CoV-2-Pandemie. Auf der anderen Seite passen wir unsere Abläufe, so gut es geht, den geänderten Bedingungen an.“

So sei es im Klinikum beispielsweise durch die zentrale Eingangsregelung möglich, einbestellte Krebspatienten anzumelden und bei längeren Wartezeiten bevorzugt durchzulassen. Patienten mit körperlichen Einschränkungen werden geschützt in die Ambulanz begleitet.

Auch die Notfallversorgung funktioniere ohne Einschränkungen. Für Patienten im orthopädischen Bereich bietet das Klinikum eine Telefonsprechstunde mit den Spezialisten an. Die Betroffenen können ihre Befunde auf CD einreichen und werden dann nach Terminvereinbarung individuell kontaktiert und beraten – und erhalten bei hohem Leidensdruck auch einen OP-Termin.

Für werdende Eltern, die jetzt nicht an Infoabenden und Kreißsaal-Führungen teilnehmen können, wurde ein Video produziert, das noch diese Woche veröffentlicht wird. „Der Kreißsaal wird weiterhin im vollen Umfang frequentiert“, so Standl. Dank guter Absprachen dürfen die Väter nach wie vor bei der Geburt dabei sein. Zudem helfe man auch den Niederlanden: Seit Dienstag wird eine niederländische Patientin auf der Intensivstation beatmet.

In unserem Live-Blog finden Sie aktuelle Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Solingen. Der Blog wird laufend aktualisiert. 

CORONA-ZAHLEN

AKTUELL In Solingen sind aktuell 91 Menschen nachgewiesen mit dem Virus infiziert, 20 Personen werden stationär behandelt.

PANDEMIE Insgesamt wurden bisher 160 Fälle gemeldet, neun sind seit gestern hinzugekommen. 68 Menschen sind wieder genesen, ein Mann starb. In häuslicher Quarantäne sind derzeit 199 Menschen, 938 konnten sie inzwischen verlassen.

STANDPUNKT: Alle Krankheiten im Blick

Ein Kommentar von Simone Theyßen-Speich

Schon mehrfach, zuletzt noch vor ein paar Monaten, haben wir auch an dieser Stelle appelliert, die Ambulanzen der Krankenhäuser wirklich nur für Notfälle zu nutzen und sie nicht dadurch zu überlasten, dass man sie mit Erkrankungen aufsucht, die auch vom Hausarzt behandelt werden können. Aber Notfälle und akute Erkrankungen gehören ins Krankenhaus – auch jetzt! Offensichtlich hält die Sorge vor dem Coronavirus die Menschen teilweise davon ab, in die Krankenhaus-Ambulanzen zu gehen. 

Diese Sorge ist unbegründet, darauf weisen die Kliniken ausdrücklich hin. Die Gefahr, etwa ein Krebsleiden zu verschlimmern oder eine Herzkreislauferkrankung zu unterschätzen, weil man Termine nicht wahrnimmt oder den Besuch der Ambulanz herauszögert, ist deutlich größer. Die drei Krankenhäuser geben in jeder Hinsicht ihr Bestes, für alle Solinger da zu sein. 

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