Pandemie

Coronavirus: Ab Samstag gelten in Solingen strengere Regeln

Abstand, Hygiene und Alltagsmaske – die AHA-Regel einzuhalten, ist der wichtigste Infektionsschutz.
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Abstand, Hygiene und Alltagsmaske – die AHA-Regel einzuhalten, ist der wichtigste Infektionsschutz.

Corona-Inzidenzwert stieg wieder auf 48,47 – In den Kliniken stehen ausreichend Intensivbetten bereit.

  • Noch ausreichend Intensivbetten in Solingen vorhanden.
  • Krankheit hat sich im Vergleich zum Frühjahr offenbar schon verändert.
  • Lungenfachklinik Bethanien weitet Coronavirus-Tests aus.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Es ist ein täglicher sorgenvoller Blick auf den Inzidenzwert – die Zahl, die dokumentiert, wie viele Menschen sich, gerechnet auf 100 000 Einwohner, binnen sieben Tagen angesteckt haben. 48,5 am Dienstag, 46,6 am Mittwoch und 48,47 am Donnerstag zeigen an, dass sich die Klingenstadt seit Tagen nahe an der kritischen Marke von 50 bewegt. Die bergischen Nachbarn in Remscheid und jetzt auch Wuppertal haben diese bereits überschritten. Am Donnerstag gab es in Solingen 124 Infizierte, 115 waren es am Vortag.

Angesichts des erneuten Anstiegs hat der Krisenstab der Stadt am Donnerstag Maßnahmen beschlossen und mit dem Landeszentrum Gesundheit abgestimmt, um die Infektionsdynamik zu verzögern. Diese Maßnahmen fließen in eine Allgemeinverfügung ein, die am Samstag, 0 Uhr, in Kraft tritt. Sie ist vorerst bis zum 25. Oktober befristet. Unter anderem wird das Tragen der Mund-Nase-Maske ausgeweitet, die Personenzahl bei Veranstaltungen und Feiern weiter beschränkt.

Solingen: Keine Gefährdungslage in Kliniken

„Bitte halten Sie sich an diese Regeln“, appelliert Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) an die Vernunft der Solinger. „Wir haben es mit unserem Verhalten in der Hand, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt, ob wir in absehbarer Zeit lockern oder verschärfen müssen.“ Ordnungsdezernent Jan Welzel (CDU) betont: „Wir reagieren im ersten Schritt maßvoll auf die Infektionslage. Das ist mit dem Land abgestimmt. Sollte es extreme Steigerungsraten geben, werden wir schnell handeln und Anordnungen ausweiten.“ Selbstverständlich werde man Maßnahmen auch entschärfen, sollten die Zahlen sinken.

Die Stadt betont, dass die Kliniken derzeit keine Gefährdungslage verzeichnen und dass ausreichend Testkapazitäten vorhanden seien. Trotzdem blickt man auch in der Lungenfachklinik Bethanien, die schwerpunktmäßig die Covid-19-Patienten behandelt, sorgenvoll auf die wachsenden Zahlen.

„Derzeit werden bei uns drei nachgewiesen infizierte Patienten auf der Intensiv- und sieben Covid-19-Patienten auf der Normalstation behandelt“, erklärt Chefarzt Prof. Dr. Winfried Randerath. Hinzu kommen noch einige Verdachtspatienten. Die Zahl sei höher als die in der Solinger Statistik aufgeführten stationären Patienten, weil in Bethanien auch Menschen aus anderen Städten behandelt werden.

Die Patienten auf der Intensivstation seien schwer erkrankt und auf eine Beatmung angewiesen. Auch von den Betroffenen auf der Normalstation habe etwa die Hälfte deutliche Symptome, Röntgenveränderungen und Sauerstoffbedarf. „Das ist auch bei den Erkrankungen eine deutliche Veränderung im Vergleich zu den vergangenen Monaten“, so Randerath.

„Notbetten wieder in der Kapelle aufzustellen, planen wir derzeit nicht.“
Prof. Dr. Winfried Randerath

Mit Blick auf Betten und Intensivplätze gebe es aber noch keinen Grund zur Sorge. „Wir haben normalerweise 23 Intensivbetten, die sind seit Beginn der Corona-Pandemie auf 50 aufgestockt. Weitere Notbetten wieder in der Kapelle aufzustellen, planen wir derzeit noch nicht“, so der Chefarzt, der im ständigen Austausch mit dem städtischen Krisenstab steht.

Stadt und Kliniken hoffen, dass die Notbetten in der Bethanien-Kapelle nicht wieder aufgebaut werden müssen.

Im Städtischen Klinikum waren, Stand Donnerstag nachmittag, keine an Covid-19-Erkrankten auf der Intensivstation. „Zwei nicht beatmungspflichtige Corona-Patienten sind auf der Infektionsstation“, erklärt der Medizinische Geschäftsführer Prof. Dr. Thomas Standl. Aktuell stehen im Klinikum 30 Beatmungsbetten zur Verfügung, vier davon auf der Kinderintensivstation. „Diese Kapazitäten können wir schnell auf 40 Beatmungsbetten aufstocken“, verweist Prof. Standl auf eine 1,15 Millionen-Euro-Soforthilfe des NRW-Gesundheitsministeriums zur Stärkung der Langzeitbeatmungskapazitäten. Derzeit sei die Intensivstation zu etwa 60 Prozent ausgelastet.

Prof. Standl verweist aber darauf, dass sich die Situation schnell ändern könne, auch durch Infekte wie Influenza oder Noro. „Wir können unsere Intensivkapazitäten nur solange einsetzen, wie wir ausreichend Ärzte und Pfleger zur Verfügung haben“, appelliert er an Besucher, zum Schutz von Patienten und Mitarbeitern die Regeln einzuhalten.

Das betont auf Prof. Randerath. Die Krankenhaus-Mitarbeiter seien jetzt mit FFP2-Masken ausgestattet, die Besuchszeiten (maximal zwei Besucher und je eine Stunde) beschränkt, in Bethanien von 13 bis 19 Uhr, im Klinikum wochentags von 14 bis 19 Uhr, am Wochenende von 10 bis 18 Uhr.

Corona-Maßnahmen ab Samstag

Masken: Mund-Nasen-Maske muss in geschlossenen Räumen bei Sport-, Kultur- und ähnlichen Veranstaltungen auch am Platz getragen werden, ebenso auf Wochenmärkten. In Kirchen und anderen religiösen Orten wird das Tragen der Maske empfohlen.

Kontakte: Bei öffentlichen Veranstaltungen, Versammlungen, Konzerten und Sportveranstaltungen sind nur maximal 300 Besucher zugelassen. Ausnahmen können genehmigt werden, wenn die Inzidenz am Tag vor der Veranstaltung unter 50 liegt. Das Erbringen von sexuellen Dienstleistungen ist untersagt.

Feiern: An privaten Feiern dürfen maximal 25 Personen teilnehmen. Sie müssen ab elf Personen beim Ordnungsamt angemeldet werden. Beerdigungen und Trauungen mit mehr als 25 Personen müssen dem Ordnungsamt gemeldet werden.

Martinszüge: Es wird empfohlen, auf Martinszüge und Karnevalsumzüge zu verzichten. Ob es ein Verbot geben wird, hängt vom Infektionsgeschehen im November ab.

Tests: Das Testzentrum in Bethanien weitet die Öffnungszeiten aus: Freitag und nächste Woche Montag bis Freitag: 9-18 Uhr, Samstag und Sonntag 9-13 Uhr. Termine: Tel. 63-99 99. Infotelefon der Stadt: Tel. 290-20 20.

Standpunkt: Wechselbad der Gefühle

Von Simone Theyßen-Speich

Zwischen der nachvollziehbaren Einstellung, das Corona-Thema nicht zum einzigen Dreh- und Angelpunkt des Alltags werden zu lassen, und der gerade jetzt verstärkt gebotenen Vorsicht ist es nur ein kleiner Schritt. 

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.deEin momentan ständiges Wechselbad der Gefühle. Dass Wirtschaft, Schule, Kita-Betreuung, Handel und ein Stück Normalität weiterlaufen müssen, das ist unser aller großes Ziel. Das alles kann aber angesichts der wachsenden Zahl von Corona-Fällen schnell kippen. Banges Warten auf Testergebnisse, vorübergehend geschlossene Büros, Geschäfte oder Schulklassen, Quarantäne, die den persönlichen Alltag komplett durcheinanderwirbelt – die Kinderbetreuung, die Abläufe im eigenen Haushalt. Und nach wie vor die Gefahr von schwereren oder lebensbedrohlichen Verläufen der Krankheit. 

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

All das müssen diejenigen bedenken, die es mit den Abstandsregeln nach wie vor nicht so genau nehmen. Denen eine Party, mit vielen Leuten und dicht an dicht, wichtiger ist als die eigene Gesundheit – und eben das Wohlergehen der anderen. Die Regeln, auch die jetzt verschärften, müssen eingehalten werden. 

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