Coronavirus

Grundschulen in Solingen starten Normalbetrieb

Auch an der Grundschule Bogenstraße müssen die Kinder innerhalb der Klassen keinen Abstand mehr halten. Foto: Christian Beier
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Auch an der Grundschule Bogenstraße müssen die Kinder innerhalb der Klassen keinen Abstand mehr halten.

Verzicht auf Abstandsregeln in den Klassen sorgt für Irritationen.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Die ersten Klassen kommen um 7.30 Uhr, die letzten zwei Stunden später: Auch an der Grundschule Bogenstraße ist am Montag wieder der Regelbetrieb gestartet. Für die verbleibenden zwei Wochen bis zu den Sommerferien werden nun alle Kinder täglich im Klassenverband unterrichtet. „Die Kinder freuen sich“, sagt Rektorin Nicole Wrana. „Das ist ein Stück Normalität, über das auch ich mich freue.“ Dennoch sei der Regelbetrieb in der Corona-Pandemie für die Schulen eine logistische Herausforderung. Weil die Kinder nur innerhalb ihrer Lerngruppe Kontakt haben sollen, könne zum Beispiel die Ganztagsbetreuung nicht im gewohnten Umfang angeboten werden.

Für zwei Wochen haben alle Grundschulen noch einmal einen komplett neuen Stundenplan für jede Klasse erstellt. An der Bogenstraße kämen die Klassen morgens gestaffelt in einem Zeitfenster von 15 Minuten an und gingen nachmittags auch zu unterschiedlichen Zeiten wieder, erläutert Wrana. Für manche Kinder bedeute das, dass die offene Ganztagsbetreuung bereits um 14.15 Uhr statt wie sonst um 16 Uhr ende. „Für viele Eltern ist das eine Herausforderung. Aber es geht leider nicht anders.“ Weil an der Schule derzeit Bauarbeiten laufen, gibt es nur einen Zugang, den alle nutzen müssen.

Innerhalb der Klassen gilt ab sofort keine Abstandsregel mehr. „Die Kinder bleiben den ganzen Tag im Klassenraum und werden auch nachmittags dort betreut.“ Auf den Verkehrswegen müssen alle weiterhin eine Mund-Nase-Maske tragen. „Und wenn die Kinder in den Klassenraum kommen, müssen sie die Hände waschen“, erklärt die Rektorin.

Christine van Tübbergen, deren Sohn die 2. Klasse an der Bogenstraße besucht, ist froh, dass es wieder losgeht. „Ich weiß, dass manche Eltern das anders sehen. Aber wir haben das Vertrauen in die Schule, dass sie das gut umsetzen.“ Für die Eltern sei der tägliche Unterricht eine enorme Entlastung. Auch ihr Sohn Moritz freue sich, seine Freunde in der Klasse wiederzusehen.

„Ich habe viele Telefonate mit Eltern geführt.“
Anne Blessmann, Rektorin

Doch vielen Eltern macht es Sorgen, dass ihre Kinder nun ohne Abstand innerhalb der Klasse wieder unterrichtet werden. „Ich habe deshalb viele Telefonate geführt“, berichtet Anne Blessmann, Rektorin der Grundschule Am Rosenkamp. Eine Handvoll Kinder komme gar nicht zum Unterricht, weil sie selbst oder Angehörige zu einer Risikogruppe zählen. Auch Nicole Wrana und Petra Ehrenfeld, Sprecherin der Grundschulen und Rektorin der Grundschule Meigen, bestätigen den Redebedarf.

Dass für zwei Wochen der Regelbetrieb wieder aufgenommen wird, verkompliziere die letzte Phase vor den Ferien, sagt Blessmann. „Die Präsenztage einmal pro Woche haben gut geklappt.“ Für die Grundschüler sei es verwirrend, dass die Abstandsregel innerhalb der Klasse plötzlich aufgehoben sei, draußen aber weiter gelte. „Diese Widersprüche sind schwierig.“ Außerhalb der Klassenräume gibt es weiterhin die Maskenpflicht. „Aber das machen die Kinder ganz von sich aus.“

An der Grundschule Meigen habe der Start des Regelbetriebs gestern gut geklappt, berichtet Petra Ehrenfeld. „Durch die Präsenztage sind die Kinder gewöhnt, welchen Eingang sie nutzen sollen und dass sie vor den Toiletten rufen, ob jemand drin ist.“ Die Kinder freuten sich, dass sie wieder täglich in die Schule dürfen. „Eine schöne Beobachtung für uns.“ Für die Schulen sei nun wichtig: „Wir müssen wissen, wie es nach den Ferien weitergehen soll.“

In unserem Live-Blog finden Sie alle Informationen rund um das Coronavirus in Solingen. Der Blog wird laufend aktualisiert.

Hintergrund

Das NRW-Schulministerium hat am 5. Juni die Rückkehr zum Regelbetrieb an den Grundschulen verkündet. Das Infektionsgeschehen habe sich verlangsamt. Medizinische Fachgesellschaften hatten dazu geraten, Kindergärten und Grundschulen stärker zu öffnen. Statt der Abstandsregel gilt nun das Konzept konstanter Lerngruppen, deren Trennung Durchmischung vermeide.

Standpunkt

anja.kriskofski@solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Anja Kriskofski

Dass die Grundschüler in NRW ab sofort wieder täglich Unterricht haben, freut viele Kinder und Eltern. Vor den Sommerferien sind es noch einmal zwei Wochen, die fast so etwas wie Normalität bieten. Wenn die Corona-Krise etwas gezeigt hat, dann das: Nichts geht über den Präsenzunterricht vor Ort. Zwar hat auch so manche Grundschule, zum Beispiel die an der Bogenstraße, digitale Medien intensiv und kreativ genutzt. Doch selbst tolle Erklärvideos und die Videokonferenz können den direkten Austausch mit dem Lehrer und den Mitschülern nicht ersetzen. Der gemeinsame Unterricht ist auch immens wichtig, um festzustellen, auf welchem Lernstand die Kinder sind. Und Eltern sind froh, endlich aus der Rolle des Hilfslehrers entlassen zu werden. Doch die Rückkehr zu etwas Normalität ist auch mit Sorgen verbunden. 

Wer ein Kind mit Vorerkrankungen oder einen Risikopatienten im engsten Familienkreis hat, lässt Sohn oder Tochter verständlicherweise lieber zuhause. Bei der Wiedereröffnung der Schulen dürfen deshalb die Kinder nicht aus dem Blick geraten, für die es weiter nur Homeschooling gibt. 

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