Pandemie

3G-Regel am Arbeitsplatz pendelt sich in Solingen ein

Die 3G-Regel am Arbeitsplatz beschäftigt auch große Solinger Arbeitgeber wie Walbusch, BIA, Haribo und die Verkehrsbetriebe. Fotos:
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Die 3G-Regel am Arbeitsplatz beschäftigt auch große Solinger Arbeitgeber wie Walbusch, BIA, Haribo und die Verkehrsbetriebe.

Betriebe beklagen Organisations- und Kontrollaufwand, befürworten die Vorgabe aber trotzdem.

Von Björn Boch, Manuel Böhnke und Sven Schlickowey

Solingen. Wer zahlt die Tests? Werden diese zur Arbeitszeit angerechnet? Und wie gehe ich mit unwilligen Mitarbeitern um? Seit Einführung der 3G-Regel verzeichnet die Corona-Hotline der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK) deutlich mehr Anfragen. Der Organisations- und Kontrollaufwand sei zwar „für viele Betriebe eine große zusätzliche Belastung“, erklärt IHK-Sprecher Thomas Wängler. Dennoch seien die meisten Rückmeldungen positiv. Viele Unternehmen hätten sich früher klare Vorgaben gewünscht.

„Ich bin weiterhin dafür, dass sich jeder impfen lässt.“

Christian Busch, Walbusch-Hauptgesellschafter

Auch auf Arbeitnehmerseite überwiegt laut IHK-Einschätzung Zustimmung. Nichtsdestotrotz gebe es in manchen Betrieben „hartnäckige Impfgegner und Corona-Leugner“. Einige Mitarbeiter seien „für sachliche Argumente nicht zugänglich“, wie es Wängler ausdrückt. Handelt es sich dabei um dringend benötigte Fachleute, erschwere das die Situation zusätzlich. Das Problem hätten die meisten Firmen aber gut im Griff, ist er überzeugt: „Das machen die ganz professionell.“ Viele würden auf ihre Mitarbeiter zugehen und das Thema immer wieder ansprechen. „Damit erreicht man die große Mehrzahl.“

Die 3G-Kontrolle stelle vor allem Unternehmen ohne klassischen Bürobetrieb vor Herausforderungen. Im Schichtsystem sei die Kontrolle schwierig. Zudem stören die Tests Abläufe, und Mitarbeiter kommen zu spät, wenn sie in langen Schlangen vor Testzentren stehen. Deshalb seien viele Firmen wieder zu „begleitenden Selbsttestungen“ übergegangen. „Das wirkt sich positiv auf die Abläufe im Betrieb aus, senkt aber natürlich den Druck auf die Ungeimpften“, erklärt Thomas Wängler.

Wie gehen große Solinger Arbeitgeber mit der Vorgabe um? Der Automobilzulieferer BIA berichtet trotz leichten Startschwierigkeiten von einem „verhältnismäßig reibungslosen“ Ablauf. Geimpfte und Genesene erhalten einen Aufkleber auf ihren Einlass-Chip. Zu dieser Gruppe zählen rund 75 Prozent der knapp 850 Mitarbeiter in Solingen. Das übrige Viertel muss seinen Testnachweis täglich am Einlass vorlegen. An zwei Tagen pro Woche finden Tests bei BIA selbst statt. Darüber hinaus müssen sich die nachweispflichtigen Mitarbeiter eigenständig darum kümmern.

Für die rund 1000 Beschäftigten im Haribo-Werk an der Wuppertaler Straße galt die 3G-Regel bereits vor der gesetzlichen Verpflichtung. Die Basis dafür habe eine freiwillige Betriebsvereinbarung gelegt, erklärt eine Sprecherin. In einer im Frühjahr eingerichtete Teststation haben die Mitarbeiter täglich die Möglichkeit, einen Abstrich durchzuführen. Die 3G-Regel im Eingangsbereich verpflichtend zu überprüfen und zu dokumentieren, sei angesichts des kurzen Vorlaufs dennoch eine Herausforderung gewesen, bekennt Haribo. Weil die Maßnahmen bei den Beschäftigen aber „auf großes Verständnis treffen“, habe die Umsetzung funktioniert.

Positiv sind die bisherigen Erfahrungen auch bei Walbusch. „Es liegt in der Natur unseres Geschäftes, dass nicht alle Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten können. Ich bin positiv überrascht, dass nur etwa 10 bis 15 Prozent der anwesenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einem Testnachweis das Haus betreten. Meine Befürchtung, dass wir viele personelle Ausfälle durch 3G haben, haben sich zum Glück nicht bestätigt. Auch wenn das System so funktioniert, bin ich weiterhin dafür, dass sich jeder impfen lässt“, betont Christian Busch, der Hauptgesellschafter der Walbusch-Gruppe.

„Von den knapp 20 Beschäftigten sind alle doppelt oder dreifach geimpft, nur ein neuer Kollege, den wir gerade eingestellt haben, hat gesagt, dass er noch nicht geimpft ist“, berichtet Frank Kotthaus (Friedrich Engels & Cie GmbH). Der neue Kollege müsse sich nun täglich testen, ungeimpft zu sein werde immer schwieriger und lästiger, berichtet Kotthaus: „Ich werbe aber auch aktiv für die Impfung.“

Stadtwerke

Nicht nur für die Fahrgäste gilt in Bus und Bahn seit Kurzem die 3G-Regel – auch für das Personal. Laut Stadtwerke-Angaben liegt die Impf- und Genesenenquote des Verkehrsbetriebs bei rund 90 Prozent. Testnachweise müssen täglich vor Dienstantritt persönlich oder per Mail eingereicht werden.

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