Handwerksberuf

Graveure: So veränderte die Corona-Pandemie die Arbeit

Stefan Krüth ist Obermeister der Solinger Graveur-Innung. Sein Unternehmen, die J. & F. Krüth GmbH,befindet sich an der Stübbener Straße in Wald.
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Stefan Krüth ist Obermeister der Solinger Graveur-Innung. Sein Unternehmen, die J. & F. Krüth GmbH,befindet sich an der Stübbener Straße in Wald.

Solinger Betriebe kämpfen mit vielen Herausforderungen.

Von Lucas Hackenberg

Solingen. Die Auftragslage der Graveure in Solingen läuft nach schweren Jahren der Pandemie langsam wieder an. Bis in den April hinein hatte die Branche aber erheblich mit den Auswirkungen zu kämpfen. Viele Mitarbeiter der Betriebe gingen in Kurzarbeit. Reisen zu Geschäftspartnern waren in diesem Zeitraum kaum möglich. Für die Absprache neuer Projekte sind gerade diese persönlichen Kontakte aber oftmals von zentraler Bedeutung, wie Stefan Krüth als Obermeister der Innung in Solingen verrät.

Individuelle Wünsche der Produktanfertigung ließen sich vor Ort oft einfacher besprechen: „Gerade die Aufrechterhaltung des persönlichen Kontakts zu unseren internationalen Partnern wurde natürlich in großem Maße erschwert“, sagt der Obermeister. Durch Online-Tools konnte bei den Komplikationen jedoch oftmals Abhilfe geschaffen werden, so Krüth. Logistisch und zeitlich werde durch diese neue Art des Arbeitens sogar einiges stark vereinfacht.

Während der Pandemie hatte man sich im Arbeitsalltag auf neuartige Herausforderungen einstellen müssen: „Die strikte Durchsetzung der Maskenpflicht, die Arbeit in kleinen Teams, das Errichten von räumlichen Trennungen und regelmäßige Coronatests vor Schichtbeginn waren unumgänglich, um den Arbeitsbetrieb vernünftig aufrecht erhalten zu können“, berichtet Stefan Krüth.

Solinger Graveur-Betriebe: Überstunden waren keine Seltenheit während der Pandemie

Insbesondere der Arbeitsrhythmus veränderte sich merklich. Ein ganzes Bündel an neuen Aufträgen erreichte die Betriebe erst zu diesem Zeitpunkt im Jahr, was die Arbeitsintensität und den Bedarf an Überstunden deutlich anwachsen ließ.

Mit den Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen kehrte zwar wieder ein wenig Normalität zurück, jedoch stecke das Geschäftsjahr 2022 für die Graveure in der Stadt voller weiterer Herausforderungen. Hier seien vor allem extrem gestiegene Energie- und Rohstoffpreise zu nennen wie auch Lieferengpässe bei wichtigen Verbrauchsmaterialien, über welche sich bis dato kaum Sorgen gemacht werden musste. Als Beispiel führt Krüth vor allem Strahlmittel und Granulate an.

Solinger Graveur-Betriebe suchen nach Auszubildenden

Eine weitere Schwierigkeit ergebe sich durch die relative Unbekanntheit des Berufsfeldes: „Es ist sehr schwer, Auszubildende zu finden und die zwei bis drei Berufsschulklassen in Deutschland überhaupt zu füllen“, teilt Krüth mit. Dennoch werde viel getan, um die Vorzüge des Berufes vor allem an junge Leute zu tragen. Man ginge häufig in die Schulen und zu Informationsveranstaltungen – und konnte hier auch schon erfolgreich Praktikanten und spätere Auszubildende anwerben.

Generell habe die Pandemie solche Maßnahmen, die mit Initiativen der Handwerkskammer ergänzt werden, aber erschwert. Zudem sei eine gesellschaftliche Aufwertung des Stellenwertes des Handwerks an sich ein notwendiger Schritt. „Wer handwerkliche Stärken besitzt, kann durch einen Job wie den unseren durchaus auf Sicherheit setzen und auf einen lukrativen Lebensunterhalt hinarbeiten“, sagt der Obermeister.

Hintergrund

Berufsfeld: Die Arbeit eines Graveurs hängt in hohem Maße von der Spezialisierung des jeweiligen Betriebes ab, bestätigt Obermeister Stefan Krüth. Die Bearbeitung von verschiedenen Materialien, von Metallen bis hin zu Kunststoffen, verlangt nach handwerklichem Geschick, Sorgfalt, technischer Kompetenz und einem ausgeprägten Sinn für Teamwork. Einen gesetzlich vorgeschriebenen Schulabschluss gibt es nicht.

Innung: Die Innung in Solingen umfasst 13 Betriebe, von denen viele relativ klein und familiär strukturiert sind. Größere Firmen in Solingen sind etwa Krüth, Röltgen, Caspers sowie Stommel + Voos.

Passend zum Thema: Stadt Solingen hat jetzt 65 neue Auszubildende

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