Situation im Krankenhaus

Corona: Städtisches Klinikum sieht „Krisensituation“

Dr. Martin Eversmeyer berichtet, dass im Pflege- und Funktionsdienst des Städtischen Klinikums, in dem rund 800 Menschen beschäftigt sind, derzeit 220 Mitarbeitende nicht da sind.
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Dr. Martin Eversmeyer berichtet, dass im Pflege- und Funktionsdienst des Städtischen Klinikums, in dem rund 800 Menschen beschäftigt sind, derzeit 220 Mitarbeitende nicht da sind.

Steigende Patientenzahlen, erkrankte Mitarbeiter, Urlaubssaison: Operationen müssen verschoben werden.

Von Björn Boch

Solingen. Die Situation in den drei Solinger Krankenhäusern ist deutlich angespannter als zu Beginn der Ferien. Zur Urlaubssaison kommen steigende Patientenzahlen und erkrankte Mitarbeiter. Das berichten die Lungenfachklinik Bethanien, das Städtische Klinikum (SKS) und die St. Lukas Klinik (Kplus Gruppe) übereinstimmend. Dr. Martin Eversmeyer, Vorsitzender der Geschäftsführung des SKS, bezeichnet die Lage als „Krisensituation“: „Wir meistern das, aber es kommen gerade viele Dinge zusammen.“

Termine für einige Operationen würden bereits verlegt. Das Klinikum und die Ohligser St. Lukas Klinik betonen, dass es sich um wenige Fälle handele – und nur um solche, bei denen eine Verschiebung medizinisch unbedenklich sei. „Notwendige Operationen, etwa bei Tumoren, werden durchgeführt“, so Kplus-Sprecherin Cerstin Tschirner. Im Städtischen Klinikum plane ein Krisenstab täglich, welche Operationen verschoben werden. Eversmeyer spricht von etwa zehn Prozent der planbaren, elektiven Eingriffe.

Die Zahl der Corona-Patienten in Solinger Krankenhäusern ist zuletzt stark gestiegen: „Wir hatten zwei bis drei Wochen lang einen kontinuierlichen Anstieg, am Wochenende gab es noch mal einen deutlichen Sprung nach oben“, erklärt Prof. Winfried Randerath, Chefarzt in Bethanien. Rund 100 aus Solingen und Umgebung sind es in den drei Häusern der Klingenstadt.

Personallage: Von 800 Beschäftgten im Klinikum sind 220 Mitarbeiter im Urlaub oder krank

Da die Corona-Variante Omikron meist mild verlaufe, vor allem bei Geimpften, sei die überwiegende Zahl aufgrund anderer Beschwerden oder Vorerkrankungen im Krankenhaus. Mit Blick auf den aufwendigen Infektions- und Gesundheitsschutz sei es aber egal, ob jemand mit oder wegen Corona in der Klinik sei.

Dazu kommt, dass Mitarbeitende krank oder in Quarantäne sind. Im Pflege- und Funktionsdienst des Klinikums, in dem rund 800 Menschen beschäftigt sind, seien 220 Mitarbeitende nicht da. „Zu den 140, die in Urlaub sind, kommen 80 kurzzeitig Erkrankte“, schildert Eversmeyer. Man wolle nach all den Belastungen der Pandemie aber keinen Urlaub streichen. „Die Erholung ist verdient und auch dringend notwendig.“

Cerstin Tschirner berichtet für die St. Lukas Klinik von 11 Personen in Quarantäne und 27 Pflegekräften, „die aufgrund anderer Erkrankungen nicht arbeiten können“. Die Möglichkeit, Mitarbeiter aus dem Urlaub zu holen, sei aber noch kein Thema. Auch wenn es sich schwierig gestalte, fehlendes Personal zu kompensieren: „Alle Häuser haben diese Probleme, Leihkräfte stehen deshalb nicht zur Verfügung.“ Tschirner geht davon aus, dass die angespannte Lage bis Ende August anhalte.

Die Ferienzeit falle zusammen mit einer allgemein hohen Auslastung: „Kritisch ist nicht nur, dass die Zahl der Intensivpatienten steigt. Auch die Belegungssituation insgesamt ist sehr hoch, was im Sommer ungewöhnlich ist“, erklärt Bethanien-Chefarzt Randerath. Er wolle „noch nicht den Teufel an die Wand malen“, setzt die steigenden Zahlen aber in Zusammenhang mit der Reisewelle und betont: „Wir müssen davon ausgehen, dass wir bereits eine extrem hohe Dunkelziffer bei den Infektionen haben.“ Es sei sehr viel los auf den Flughäfen und den Bahnhöfen. „Und weil kaum jemand noch Maske trägt, ist ein Anstieg der Zahlen die logische Folge.“ Gebe es insgesamt mehr Fälle, führe das auch wieder zu mehr schweren Verläufen.

Dass die Kliniken derzeit in der Politik kaum Gehör fänden, darauf weist Martin Eversmeyer hin: „Erst Anfang Juli sind sämtliche Unterstützungen in Zusammenhang mit Corona gestrichen worden. Im Moment fühlen sich die Kliniken in Deutschland im Stich gelassen.“

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