Zu viele Infektionen

Corona: Stadt Solingen verliert Überblick bei Nachverfolgung

Vor dem Testzentrum am Krankenhaus Bethanien bildeten sich zuletzt lange Schlangen für PCR-Tests. Foto: Christian Beier
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Vor dem Testzentrum am Krankenhaus Bethanien bildeten sich zuletzt lange Schlangen für PCR-Tests.

Das Gesundheitsamt beschränkt sich bei der Zahl der aktuell mit Corona Infizierten auf Schätzungen. Das hat Folgen.

Von Kristin Dowe, Philipp Müller und Anja Kriskofski

Solingen. Die Zahlen über das Infektionsgeschehen in Solingen hatten zuletzt auch bei ST-Lesern für Verwirrung gesorgt. Schwer erklärbar war etwa die stark gesunkene Zahl der aktuell Infizierten in den vergangenen Tagen, während gleichzeitig die Sieben-Tage-Inzidenz weiter in die Höhe schnellte und am Dienstag bereits bei 1417,8 lag. Besonders drastisch zeigte sich dieses Phänomen bei den Angaben für Samstag, 15. Januar: Bezifferte die Stadt die Zahl der Corona-Infizierten für jenen Tag auf 1254 Personen, waren den Angaben nach am darauffolgenden Dienstag, 18. Januar, nur noch 903 Solinger mit dem Virus infiziert. Wie passt das zusammen?

Die Zahl konnte so nicht stimmen, räumt Ordnungsdezernent Jan Welzel (CDU) auf Nachfrage ein. Die Diskrepanz komme zustande, weil die Stadt sich organisatorisch nicht mehr dazu in der Lage sieht, bei den Erkrankten zu dokumentieren, ob sie wieder genesen sind. Somit wisse die Stadt zwar immer, wer positiv getestet wurde, aber nicht, ob diejenigen auch noch krank sind – so sank vorübergehend scheinbar die Zahl der Infizierten. In jedem Fall versichert er aber: „Wir erfassen immer noch jeden aktuellen Fall und machen keinen Blindflug.“

„Wir müssen aber jetzt Prioritäten setzen.“

Jan Welzel, Ordnungsdezernent

Welzel setzt der Entwicklung entschlossen entgegen: „Wir müssen aber jetzt Prioritäten setzen.“ Aufgrund der Häufung der Fälle – allein am Dienstag wurden statistisch 700 weitere erfasst – sei die Zahl der gegenwärtig Infizierten nicht mehr exakt abzubilden. „Wir sind jedoch nicht überfordert, aber durchaus am Anschlag“, fasst Welzel die Situation im Gesundheitsamt zusammen.

So würden aktuell vornehmlich die Fälle betreut, die in Kitas, Schulen und Einrichtungen der Altenpflege auftreten. Wer sich allerdings außerhalb dieser drei Gruppen befindet und einen positiven PCR-Test hat, der wird nicht mehr automatisch vom Gesundheitsamt kontaktiert. „Da setzen wir auf Eigenverantwortung.“ In solchen Fällen müssen sich die Solinger selbst in Quarantäne begeben und ihre Kontakte informieren. Welzel versprach, dass in Kürze alle Vorgehensweisen und Fristen fürs Freitesten aus der Quarantäne auf der Internetseite der Stadt veröffentlicht würden.

Prof. Dr. Winfried Randerath, Chefarzt der Lungenklinik Bethanien, warnt mit Blick auf das rasante Infektionsgeschehen in der Klingenstadt davor, die Wucht der Omikron-Variante zu unterschätzen. „Es ist zwar richtig, dass es sich tendenziell um eine mildere Variante handelt, dennoch behandeln wir zurzeit auch immerhin drei Omikron-Infizierte auf der Intensivstation.“ Zwar sei Letztere nicht mehr so stark beansprucht wie in anderen Phasen der Pandemie, dafür werde die Infektionsstation der Klinik zunehmend voller. „Mit diesen Zahlen sehe ich auch unsere kritische Infrastruktur in Gefahr.“ Für das derzeitige Vorgehen des Gesundheitsamtes habe er Verständnis. „Es ist ja kein Solinger Problem, dass die Gesundheitsämter nicht mehr Herr der Nachverfolgung sind.“

Unklar ist in Solingen die Zukunft der PCR-Tests, die laut einem Beschluss der Bund-Länder-Konferenz künftig nur noch auf „vulnerable Gruppen und Beschäftigte“ konzentriert werden sollen – das heißt, vor allem auf das Personal im Gesundheitssystem sowie Risikopatienten. Nun warte die Stadt auf konkrete Angaben der Gesundheitsminister der Länder, heißt es aus dem Rathaus. Man vermute aber: „Sicherlich wird in Zukunft mehr mit Schnelltest und Bürgertest freigetestet werden.“

Die Inzidenz ist indes vor allem bei Jugendlichen und Kindern stark gestiegen. Laut Landesamt für Gesundheit NRW lag diese am Dienstag für Solingen bei den 5- bis 9-Jährigen bei 4110,2, bei den 10- bis 14-Jährigen bei 3603,8 und bei den 15- bis 19-Jährigen bei 2450,9.

Das schlägt sich auch in den Schulen nieder. Nach Angaben der Stadt hätten diese am Dienstag 587 Infektionen und 1739 Quarantäne-Fälle unter Schülerinnen und Schülern gemeldet. Zudem seien 46 Lehrkräfte in Quarantäne und 33 infiziert.

PCR-Tests in Solingen

Geänderte Öffnungszeiten am Grünewald: Die PCR-Teststelle am Gründer- und Technologiezentrum, Grünewalder Straße 29-31, weitet wegen der hohen Nachfrage ihre Öffnungszeiten ab sofort aus, teilt die Stadt Solingen mit: Montag bis Freitag, 8 bis 20 Uhr, Samstag, 9 bis 20 Uhr, sowie Sonntag, 10 bis 20 Uhr. Es handele sich um „Walk-In“-Termine. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Bethanien: Das Corona-Testzentrum Bethanien, Aufderhöher Straße 169, hat diese Testzeiten: Montag bis Freitag, 8 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag, 10 bis 16 Uhr. Anmeldung empfohlen:

coronatestsolingen.de

Synlab Corona Testzentrum: Eichenstraße 140, Montag bis Freitag, 8 bis 12 Uhr sowie 13 bis 16.15 Uhr, „Walk-In“ – ohne Termin.

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