Pandemie

Stadt Solingen bietet Impfungen an den Schulen an

Elf Luftfilter werden bereits im Schulzentrum Vogelsang genutzt. Sie stehen zum Beispiel in den innenliegenden Räumen, die keine Lüftungsmöglichkeit haben. 174 weitere Geräte will die Stadt anschaffen – die Ausschreibung dazu hat sie nun auf den Weg gebracht. Foto: Christian Beier
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Elf Luftfilter werden bereits im Schulzentrum Vogelsang genutzt. Sie stehen zum Beispiel in den innenliegenden Räumen, die keine Lüftungsmöglichkeit haben. 174 weitere Geräte will die Stadt anschaffen – die Ausschreibung dazu hat sie nun auf den Weg gebracht.

Vorbereitung für den Unterrichtsstart laufen – Ausschreibung für Lüftungsgeräte ist auf dem Weg.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Schon seit Tagen sind die Reiserückkehrer als Hauptgrund für die hohe Inzidenz in Solingen ausgemacht. Wenn in einer Woche die Kinder und Jugendlichen wieder in die Schule gehen, droht diese Zahl wieder zu steigen, zumal nur ein kleiner Prozentsatz der 12- bis 18-Jährigen geimpft ist. Die Schulverwaltung ist jetzt auf verschiedenen Wegen dabei, den Start möglichst sicher zu gestalten. „Präsenzunterricht soll absolute Priorität haben“, betonte Schuldezernentin Dagmar Becker (Grüne).

Deshalb hat man die Ausschreibung für 174 Lüftungsgeräte auf den Weg gebracht. Diese Zahl hatte die Verwaltung ermittelt. Es handelt sich dabei um Klassen- und Kita-Räume, in denen nur eingeschränkt gelüftet werden kann, weil Fenster nur kippbar oder Lüftungsklappen zu klein sind. Das trifft auf etwa zehn Prozent der 1720 Klassen- und Kita-Räume zu.

Solingen: Nach den Ferien soll es freiwillige Impfangebote an Schulen geben

„Die Ausschreibung ist auf dem Weg, damit wir möglichst schnell die Geräte bestellen können“, so Stadtsprecher Thomas Kraft. Die Anträge beim Land auf Refinanzierung aus dem dafür aufgestellten Fördertopf in Höhe von NRW-weit 90,4 Millionen Euro können aber noch nicht gestellt werden, da die Förderrichtlinie und die endgültige Verteilung zwischen Bund und Land noch nicht geklärt seien. Ebenfalls unklar sei, wann die Geräte tatsächlich vor Ort eingesetzt werden können.

Das zweite Thema an den Schulen im Kampf gegen die Pandemie sind die Impfungen. Bislang ist nur ein kleiner Teil der 16- bis 18-Jährigen und ein noch kleinerer Teil der 12- bis 15-Jährigen, für die die Ständige Impfkommission (Stiko) noch keine Impfempfehlung gegeben hat, geimpft – die wenigsten von ihnen haben einen vollen Impfschutz.

Um die Impfquote zu erhöhen, wird die Stadt in Abstimmung mit dem Impfzentrum nach den Ferien freiwillige Impfangebote an den weiterführenden Schulen anbieten. In einem Schreiben hat die Stadt die Schulen in der vergangenen Woche über dieses Angebot informiert. „In dieses Impfangebot können auch Schülerinnen und Schüler in der Altersgruppe der 12- bis 15-Jährigen einbezogen werden, und das Impfangebot richtet sich ausdrücklich auch an die Eltern der Schülerinnen und Schüler, die ebenfalls dort geimpft werden können. Bei den 12- bis 15-Jährigen müssen die Eltern zwingend zum Impftermin mitkommen und sich mit dem anwesenden Kinderarzt beraten“, so das Angebot, das laut Erlass an den Berufskollegs vorgehalten werden soll. Bei den anderen Schulen handelt es sich um ein freiwilliges Angebot seitens der Stadt.

Solingen: Schulen sollen mobile Impfteams unterstützen

Die Impfaktionen sollen von mobilen Impfteams in den Schulen durchgeführt werden. Für Räume, personelle Unterstützung und einen geregelten Ablauf sollen die Schulen sorgen. „Das Impfangebot ist eine gute Sache, um möglichst viele Schüler, die noch nicht geimpft sind, zu erreichen“, plant Dirk Braun, Leiter der Gesamtschule Höhscheid, solche Impftermine durchzuführen.

Bis Impfquote und Lüftungsgeräte die Corona-Gefahr in den Schulen eindämmen, wird man ab dem 18. August erst mal wieder auf regelmäßiges Lüften sowie Abstand, Hygieneregeln und Maskenpflicht setzen müssen.

Unklar ist noch, welche Quarantäneregeln dann für Schüler und Schulen gelten. „Bislang haben sich die Regeln seit Beginn der Sommerferien nicht geändert“, erklärt Thomas Kraft. Demnach wird bei einem Positivtest ermittelt, inwieweit Abstand, Lüftungskonzept und Maskenpflicht in der betroffenen Klasse eingehalten wurden. Ist das der Fall, müssen nur die unmittelbaren Sitznachbarn und Freunde in eine 14-tägige Quarantäne. Ist die Kontaktsituation hingegen unübersichtlich, geht im Zweifel die komplette Klasse oder Lerngruppe in Quarantäne. Diese mit einem Negativ-Test nach fünf Tagen vorzeitig zu beenden, ist nach aktuellem Stand der Quarantäne-Regeln nicht möglich.

Schülerinnen und Schüler, die vollständig geimpft sind, müssten nach aktuellem Stand nicht in Quarantäne. „Eine klare Regelung hierzu wäre wünschenswert, den Fall gab es halt vor den Ferien noch nicht“, so Kraft. Grundsätzlich richte sich die Stadt nach den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) und den geltenden Verordnungen.

Geimpfte Schüler

Impfzentrum: Seit dem 15. Juli wurden im Impfzentrum 615 Jugendliche geimpft – 342 Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren und 273 Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren.

Kinderärzte: Über die Gesamtzahl der Impfungen bei den Kinderärzten gibt es keine Erhebung.

Standpunkt

simone.theyssen-speich@ solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Simone Theyßen-Speich

So furchtbar viel hat sich im Vergleich zum Vorjahr in den Schulen nicht getan. Lüften, Masken, Händewaschen und Abstand halten hatten wir auch schon zum Schulstart im Sommer 2020. Dass zumindest die Räume, die nicht belüftet werden können, Lüftungsgeräte bekommen, ist ein kleiner Fortschritt – falls diese Geräte schnell auf dem Markt verfügbar sind. Die größte Hoffnung, um wieder halbwegs normalen Präsenzunterricht in den Schulen zu ermöglichen, liegt auf dem Thema Impfen – auch wenn die Jüngsten unter zwölf Jahren davon noch nicht profitieren können. Aber für die Älteren ist der Vorstoß der Stadt, ab nächste Woche in den weiterführenden Schulen Impfaktionen durchzuführen, absolut richtig und lobenswert. Das Land hatte das nur für die Berufskollegs vorgesehen. Solingen geht da den richtigen Schritt weiter und lädt Schüler ab zwölf Jahren in Begleitung der Eltern und nach Gespräch mit einem Kinderarzt zum Impfen in der Schule ein. Wie groß das Interesse ist, haben die Aktionen für die Jugendlichen im Impfzentrum gezeigt. Bleibt zu hoffen, dass in den Schulen der Druck der Mitschüler Wirkung zeigt und viele zu der Erkenntnis bringt, dass die Impfung absolut notwendig ist.

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