Kontaktnachverfolgung

Corona: Solingen wird Modellregion für Luca-App - Schultests gehen an den Start

Bei „Luca“ checken sich Besucher per QR-Code in einer Location ein. Das können aber auch andere Programme. Foto: Christian Beier
+
Bei „Luca“ checken sich Besucher per QR-Code in einer Location ein.

Die Luca-App soll dem Gesundheitsamt in Solingen dabei helfen, Kontakte nachverfolgen zu können. Ab dem 16. März sollen Schüler einmal wöchentlich im Unterricht einen Test machen können.

Solingen. Für die kommende Woche stehen gleich mehrere große Schritte im Kampf gegen die Corona-Pandemie an. So erhielt Schuldezernentin Dagmar Becker (Grüne) am Donnerstag kurz vor der digitalen Pressekonferenz der Stadt eine E-Mail des NRW-Bildungsministeriums, dass ab dem 16. März für alle Schüler einmal wöchentlich ein Testangebot gemacht werden soll. „Geplant ist, dass die Schnelltests von den Schülern selbst während des Unterrichts und unter Aufsicht der Lehrer durchgeführt werden“, skizzierte sie die Informationen des Landes.

Auch bei dem breit angelegten Testangebot für alle Solinger gibt es Fortschritte. So arbeite man bei der Stadt mit Hochdruck daran, die Coronatest-Strukturverordnung des Landes umzusetzen und möglichst viele Akteure in der Stadt dezentral in das Testangebot einzubinden. „Wir haben viele angeschrieben und schon positive Rückmeldungen für eine Beteiligung bekommen, etwa von Bethanien, von 37 niedergelassenen Ärzten, verschiedenen Apothekern, Hilfsorganisationen und privaten Anbietern“, erklärte Ordnungsdezernent Jan Welzel (CDU).

Das Gesundheitsamt prüfe jeweils, ob eine Qualifikation und entsprechende Räume vorliegen, „dann kann ab sofort mit den Tests gestartet werden“, so Welzel. „Wir sind dankbar für diese dezentralen Angebote“, betont Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD). Man werde die Anbieter bei der Vernetzung unterstützen. Vorgesehen ist, dass jeder Bürger einmal pro Woche einen Test machen kann. „Dabei muss man natürlich zwischen dem pragmatischen Angebot und einer nur schwer umzusetzenden Staatskontrolle abwägen“, relativiert Jan Welzel.

Gleich einen doppelten Erfolg meldete die Stadtspitze bei den sogenannten „Lolli-Tests“ in den Kitas, die in dieser Woche in 20 der 26 Innenstadt-Kitas gestartet sind. „Die Tests und die Zusammenarbeit mit der Uni Köln haben sehr gut funktioniert“, so Kurzbach. Zudem sei bei den 80 getesteten Gruppen mit 1600 Kindern und 200 Erziehern ein Kind ohne Symptome positiv getestet worden. „Auf diesem Weg konnten wir zehn positive Personen in der Familie des Kindes und dem nahen sozialen Umfeld herausziehen und die Infektionskette unterbrechen“, betont Dr. Annette Heibges, Leiterin des Stadtdienstes Gesundheit, den Erfolg. Jetzt sollen die „Lolli-Tests“ auf alle 96 Kitas mit 4070 Kindern und 800 Erziehern ausgeweitet werden. „Kurzfristig führen unsere vielen Tests vielleicht zu einem Anstieg der Inzidenz, langfristig senken sie aber die Infektionen“, ist Kurzbach überzeugt.

Solingen: Händler und Wirte können sich bei der App „Luca“ anmelden

Bereits ab Freitag soll auch die Nachverfolgungsapp „Luca“ von Musiker Smudo in der Stadt funktionieren. „Die Solinger Postleitzahl wird aber erst am Montag in die App eingepflegt werden“, erklärte Dirk Wagner, Digitalbeauftragter der Stadt. Er erklärte das Verfahren: Beim Eintritt in ein Geschäft, Lokal oder zu einer Veranstaltung – wenn das denn wieder möglich ist – werde mit der Handy-App ein Barcode gescannt. Wird später ein positiv getesteter Besucher ermittelt, so kann dieser alle Kontakte freischalten, die dann dem Gesundheitsamt digital übermittelt werden. „Das löst die bisherige Zettelwirtschaft etwa in den Restaurants ab“, setzt Dirk Wagner auf die Luca-App. „Wir wollten den Händlern und Wirten frühzeitig das Signal geben, damit sie darauf vorbereitet sein können, wenn sie wieder öffnen“, so der Digitalisierungsexperte. Es sei ja sinnvoll und kundenfreundlich, dass in einer Stadt möglichst viele die gleiche App benutzten.

Weiter voran geht es auch bei den Impfungen. 10 818 Erstimpfungen, davon 6013 mit Zweitimpfung, gibt es schon. Die Sondergruppe, zu der Erzieher, Grundschullehrer und Ärzte gehören, soll bis zum 21. März durchgeimpft sein. „Nach Aussagen des Landes soll es Mitte April mit der Gruppe 2 der Über-70-Jährigen losgehen“, so Udo Stock, Leiter des Impfzentrums.

Standpunkt

simone.theyssen-speich@ solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Simone Theyßen-Speich

Es wäre ja zu schön, um wahr zu sein, wenn die Bemühungen, die an vielen Stellen in der Stadt laufen, tatsächlich mit Erfolg gekrönt wären. Wenn also die Schnelltests für die Schüler in der nächsten Woche dann auch tatsächlich vom Land geliefert werden. Wenn das Land ausreichend Test-Material beschafft, um die dezentralen Testzentren, welche die Stadt jetzt gemeinsam mit vielen privaten Anbietern aus dem Boden stampft, damit zu bestücken. Und wenn der Film, mit dem die Stadt auf ihrer Homepage in verschiedenen Sprachen dafür wirbt, noch etwas durchzuhalten, Rücksicht zu nehmen und sich weiter an die Corona-Regeln zu halten, auch tatsächlich weiterhin auf offene Ohren in der Bevölkerung stößt. Bleibt zu hoffen, dass Bund und Land, die die Corona-Vorgaben machen, die Stadt jetzt auch bei der Umsetzung nicht hängen lassen. Und die Hoffnung ist auch, dass die Luca-App von Rapper Smudo baldmöglich eingesetzt werden kann – von möglichst vielen Menschen in dann hoffentlich geöffneten Geschäften, Restaurants, Konzerten und Veranstaltungen. Das wäre wirklich zu schön um wahr zu sein.

Der Beauftragte für Digitalisierung bei der Stadt, Dirk Wagner, beantwortete uns einige Fragen zur Luca-App.

Unser Artikel vom 11. März, 17.20 Uhr

Solingen. Eine schnellere und effektivere Ermittlung von Infektionsketten, mehr Kontrolle der Viruspandemie und damit eine schnellere Rückkehr zu einem normalen Leben, das versprechen sich der Initiativkreis Solingen und die Klingenstadt Solingen vom Einsatz der „Kontaktnachverfolgungsapp“ Luca. Das Gesundheitsamt der Stadt hat seine Software Sormas an das Luca-System des Berliner Unternehmens Culture4life angebunden. Das teilt die Stadt am Donnerstag mit.

Waldemar Gluch (Initiativkreis Solingen) und Lutz Peters (Stadtmarketing) setzen in die Luca-App große Hoffnungen.

Auch wenn Solingen auf der Luca-Webseite noch nicht erscheint, können Solinger Geschäfte sich ab Freitag schon registrieren und die Solinger die App auf dem Smartphone installieren. Damit steht der Verbreitung des Systems, für das sich auch die Fantastischen Vier starkmachen, in Solingen nichts mehr im Wege. Voraussetzung für den Erfolg ist allerdings, dass möglichst viele Dienstleister und Gastronomen bei Luca mitmachen. Für Verbraucher ist die App in den Appstores für Android und Apple verfügbar. Für Cultur4life hat Solingen den Status einer „Modellregion“ in NRW, die durch eine Landesvereinbarung getragen werden soll.

Waldemar Gluch, Vorsitzender des Initiativkreises Solingen und Lutz Peters vom Stadtmarketing werben für die App: „Luca ist smarte Technik, die begeistert. Umständliches Listenführen und Formularkopieren wird überflüssig, der Informationsfluss zum Gesundheitsamt wird automatisiert und digital. Wer Luca einsetzt, hilft sich selbst und uns allen, schneller wieder in das Leben zurückzukehren, das wir uns alle wünschen. Ein Leben mit Einkaufen in belebten Straßen, mit Feiern und Ausgehen.“

So funktioniert die Luca-App künftig auch in Solingen

„Rückverfolgbarkeit“ ist ein Begriff aus der Coronaschutzverordnung. Gemeint ist: Falls ein Mensch sich mit dem Coronavirus infiziert hat, müssen die Gesundheitsämter nachrecherchieren können, wo er sich in den Wochen vor der Erkrankung aufgehalten hat und wann er mit wem im gleichen Raum war. Dazu müssen Gastronomen, Hoteliers, Friseure und viele andere Dienstleister Listen auslegen, in denen Name, Telefonnummer, Datum und Dauer des Aufenthalts notiert werden. Vier Wochen müssen sie die Formulare aufbewahren, ein Berg von Papier, eine ungeheure Zettelwirtschaft.

Der Papierkrieg gegen die Corona-Seuche soll jetzt dank Luca ein Ende haben. Die App automatisiert die Kontaktnachverfolgung: Wer sie auf seinem Smartphone installiert hat, kann sich per QR-Code anmelden, zum Beispiel in einer Kneipe. Die Daten werden verschlüsselt und auf zentralen Servern gespeichert. Luca registriert auch, wann sein Benutzer die Lokalität verlässt. Im Falle einer Infektion gibt der Erkrankte über die App die Daten für das Gesundheitsamt frei, das den Datensatz in seine Software importieren und damit arbeiten kann, ohne Listen anfordern und abtippen zu müssen.

Solange es keinen Impfstoff gab, war die Anordnung von Quarantäne die schärfste Waffe der Gesundheitsämter gegen die Corona-Pandemie. Wer sich mit dem Coronavirus infiziert hat, darf für 14 Tage die Wohnung nicht verlassen. Dasselbe gilt für Personen, die engen Kontakt zum Infizierten hatten und sich vielleicht angesteckt haben. Auch sie werden von den Gesundheitsämtern in häusliche Quarantäne geschickt. Ziel der behördlichen und bußgeldbewehrten Anordnung ist, Infektionsketten möglichst früh zu unterbrechen, damit sich die Krankheit nicht weiter lawinenartig ausbreitet.

Da in Solingen fast 80 Prozent der Infizierten während ihrer Quarantäne erkranken, gelingt das dem Gesundheitsamt bisher offenbar schon gut. Wenn künftig Luca dabei hilft, dies noch effektiver und schneller zu erledigen, ist allen geholfen. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. red

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Tochter soll tödlichen Unfall verursacht haben - Solinger Ehepaar wird Opfer eines „Schockanrufs“
Tochter soll tödlichen Unfall verursacht haben - Solinger Ehepaar wird Opfer eines „Schockanrufs“
Tochter soll tödlichen Unfall verursacht haben - Solinger Ehepaar wird Opfer eines „Schockanrufs“
Fünffache Kindstötung: Gutachten wirft Fragen auf
Fünffache Kindstötung: Gutachten wirft Fragen auf
Fünffache Kindstötung: Gutachten wirft Fragen auf
28 Raser pro Tag: Stadt will am Werwolf blitzen
28 Raser pro Tag: Stadt will am Werwolf blitzen
28 Raser pro Tag: Stadt will am Werwolf blitzen
Solinger konnte sich nur knapp retten - Gehörlose kritisieren den Katastrophenschutz
Solinger konnte sich nur knapp retten - Gehörlose kritisieren den Katastrophenschutz
Solinger konnte sich nur knapp retten - Gehörlose kritisieren den Katastrophenschutz

Kommentare