Pandemie

Corona: Rolle rückwärts bei den Schulen

An der Alexander-Coppel-Gesamtschule haben Oberstufenleiterin Antje Groß (l.) und Kollegin Astrid Butz am Freitag die Sets für die Tests der Abiturjahrgänge am Montag gepackt – mit Material, das noch von vor den Ferien übrig war.
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An der Alexander-Coppel-Gesamtschule haben Oberstufenleiterin Antje Groß (l.) und Kollegin Astrid Butz am Freitag die Sets für die Tests der Abiturjahrgänge am Montag gepackt – mit Material, das noch von vor den Ferien übrig war.

Lehrer sind verärgert über den kurzfristigen Wechsel von Präsenz- zu Distanzunterricht

Solingen. Statt am Montag nach zwei Wochen Osterferien wieder in die Schulen zu gehen, wird es für den Großteil der Schüler in der kommenden Woche wieder Distanzunterricht aus dem Kinderzimmer geben – also genau die Situation, die seit Dezember über Monate galt, bis auf die zuletzt zwei Wochen Wechselunterricht vor den Osterferien. Dabei hatten sich die Solinger Schulen über die Osterferien auf genau diesen Wechselunterricht vorbereitet – um das Schulschiff durch die Infektions- und Quarantäne-Klippen zu steuern.

Jetzt kehren nur die Abschlussjahrgänge 10, Q1 und Q2 in die Klassenräume zurück. Und auch die versprochenen Testmaterialien, um alle Schüler und Lehrer zweimal pro Woche auf das Coronavirus zu testen, waren am Freitagmorgen bei nur wenigen Schulen eingetroffen. An der Alexander-Coppel-Gesamtschule (ACG) konnte man am Freitag aber zumindest die Tests für die beiden Abiturjahrgänge schon vorbereiten. „Wir konnten vor den Ferien zeitlich bedingt nur noch eine Schülerhälfte testen, deshalb sind noch Test-Kits übrig“, erklärt Schulleiter Andreas Tempel.

In Papiertütchen haben Oberstufenleiterin Antje Groß und ihre Kollegen die Tests verpackt. 130 Schüler – der komplette Q2-Jahrgang und die Hälfte der Q1 – können sich damit am Montag zu Beginn der ersten Stunde testen. „Wir machen die Tests in der Sporthalle, die Schüler warten dann draußen auf ihr Ergebnis, um den Kontakt zu minimieren“, erklärt Antje Groß.

Lehrerin Astrid Butz hat wenig Verständnis für das ständige Hin und Her. „Wir brauchen jetzt dringend ein Konzept für die nächsten drei Monate“, fordert sie vom Schulministerium mehr Verlässlichkeit. Sie ist eine von 48 Lehrern der ACG, die ebenso wie der gesamte Q2-Jahrgang in den Osterferien in Quarantäne waren – nach zwei positiven Ergebnissen bei den Schülertests vor den Ferien. „Wenn so etwas in der kommenden Woche passiert, hängen wir mit der Quarantäne im Beginn der Abiturprüfungen“, befürchtet Andreas Tempel.

Solingen: Schulleiter hätte sich dezentrale Prüfungen gewünscht

Der Schulleiter hat schon im vergangenen Jahr für dezentrale Prüfungen bei den Zehntklässlern und den Abiturienten plädiert. Das wäre flexibler zu organisieren gewesen. „Bis 2007 das Zentralabitur kam, war das doch auch möglich. Aber jetzt ist es natürlich für solche Änderungen zu spät.“

Am 23. April beginnen mit dem Fach Englisch die Abitur-Klausuren. Für deren Ablauf gab es jetzt Gespräche des Schulleiter-Sprecherrates mit Gesundheitsamtsleiterin Dr. Annette Heibges und Schuldezernentin Dagmar Becker. „Wir planen möglichst große Abstände bei den Prüfungen etwa in den Sporthallen, damit im Notfall nicht alle in Quarantäne müssen“, so Tempel.

Auch an den Grundschulen hat die kurzfristige Nachricht von NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Donnerstagabend alle Vorbereitungen für Montag ausgebremst. Auch alle Grundschüler sind kommende Woche wieder Distanzunterricht. „Das bedeutet also die Rückkehr zu dem Konzept aus dem Februar“, so Sabine Riffi, Leiterin der Grundschule Uhlandstraße und Sprecherin der Schulform.

Ein großes organisatorisches Problem sei an den Grundschulen aber die Sicherstellung der Notbetreuung, die jetzt „pädagogische Betreuung“ heißt. „Noch am Donnerstagabend habe ich einen Elternbrief geschickt, um den Bedarf abzufragen“, so Riffi. Zuletzt mussten an ihrer Schule 90 von 380 Kindern betreut werden.

Für diese nicht unerhebliche Zahl müssen Computer und Personal zur Unterstützung in den Schulen bereitstehen, damit sie am Onlineunterricht teilnehmen können. „Und es gibt noch keine Info, ob diese Schüler am Montag getestet werden müssen“, so Riffi, deren Schule immerhin schon die Testpakete erhalten hat. Die verzögerte Auslieferung sei wohl auch ein Grund für die Notbremse gewesen, die jetzt gezogen wurde. Der Wechselunterricht habe zuletzt nämlich gute geklappt.

Wechselunterricht ab dem 19. April

Start: Nach einer Woche Distanzunterricht soll der Präsenzunterricht als Wechselunterricht ab dem 19. April starten.

Tests: Dann soll es eine Testpflicht mit wöchentlich zwei Selbsttests für Schüler und Lehrer geben. Daran ist der Schulbesuch geknüpft.

Alternative: Es ist auch möglich, einen Bürgertest (höchstens 48 Stunden alt) vorzuweisen. Der Schulleiter kann auch Tests unter Aufsicht der Eltern zulassen.

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