Pandemie

Corona: Abiturienten setzen Unterricht aus

Till Burberg, Schülersprecher der Geschwister-Scholl-Schule, und Stufensprecher Sven Bechen berichten von frustrierten und verunsicherten Schülern. Foto: Michael Schütz
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Till Burberg, Schülersprecher der Geschwister-Scholl-Schule, und Stufensprecher Sven Bechen berichten von frustrierten und verunsicherten Schülern.

Nach einem Infektionsfall in der Oberstufe kritisieren Schüler der Geschwister-Scholl-Schule das Gesundheitsamt.

  • Wöchentlich gibt es an Schulen Reihentestungen wegen neuer Corona-Infektionen. 
  • Trotzdem findet weiterhin Unterricht statt. 
  • Viele Schüler sind verunsichert und machen sich Sorgen um ihre Angehörigen. Sie wünschen sich eine klare Linie. 

Von Anja Kriskofski

Solingen. Die Unruhe an den Schulen ist groß: Jede Woche finden Reihentestungen von Klassen und ganzen Jahrgängen statt, weil Mitschüler oder Lehrer sich mit dem Coronavirus infiziert haben. An der Geschwister-Scholl-Schule war am Montag der komplette Abiturjahrgang (Q2) zum Test aufgerufen, weil eine Schülerin positiv getestet worden war. Trotzdem fand weiterhin Unterricht statt. Dem sei ein Großteil der Abiturienten am Montag jedoch ferngeblieben, berichtete Stufensprecher Sven Bechen am Dienstag im Gespräch mit dem Tageblatt. Er kritisiert das Gesundheitsamt: Das habe zwar eine Reihentestung angeordnet, die Schüler jedoch weiter zur Schule gehen lassen.

„Wenn man alle testet, muss ja ein Verdacht bestehen“, sagt Sven Bechen. Viele Mitschüler seien verunsichert. Einige unter ihnen hätten Risikopatienten in ihrem näheren Umfeld und machten sich Sorgen um die Gesundheit ihrer Angehörigen. Elke Mosebach-Garbade, Leiterin der Geschwister-Scholl-Schule, zeigt Verständnis für die Verunsicherung. Sie sei aber an Vorgaben des Schulministeriums gebunden: „Präsenzunterricht ist der Regelfall.“ Um den Schülern entgegenzukommen, habe man Klausuren von Dienstag auf Freitag verschoben. Wer nicht zum Unterricht komme, müsse sich regulär entschuldigen.

Hintergrund für das Vorgehen an der Gesamtschule ist eine Neuregelung, die seit November gilt: Bei einem positiven Fall in einer Klasse oder einem Kurs werden Mitschüler und Lehrer als Kontaktpersonen der Kategorie II eingestuft, wenn sie durchgehend Mund-Nase-Schutz getragen haben und die Räume gut gelüftet wurden. Das Gesundheitsamt schickt nicht mehr alle in Quarantäne, sondern nur solche Personen, die engen Kontakt hatten. Allen wird jedoch ein Coronatest empfohlen.

Die Verfahrensweise beim Abiturjahrgang der Gesamtschule Ohligs entspreche dieser Kategorisierung, erklärt Stadtsprecherin Stefanie Mergehenn. Die Stadt halte sich damit an die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts. Die Auflagen für Kontaktpersonen der Kategorie II seien, sich von Risikopatienten fernzuhalten und auf mögliche Covid-19-Symptome zu achten. Zudem werde der Test angeboten.

Neue Regeln: Quarantäne kann auf zehn Tage verkürzt werden

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Stimmung unter vielen Schülern. Es herrsche Frust und Verwirrung, sagt Till Burberg, Schülersprecher der Geschwister-Scholl-Schule. „Der Solinger Weg hätte Sinn gemacht.“ Für den Wechsel zwischen Präsenzunterricht und Lernen zu Hause hatten sich die Solinger Schülervertretungen in einem offenen Brief an Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) eingesetzt. Stattdessen gibt es für Nordrhein-Westfalen nun die Regelung, dass einzelne Schulen bei hohen Infektionszahlen in den Hybridunterricht wechseln können. „Wir würden uns eine klare Linie wünschen. Aber es gibt nur ein Hin und Her.“

Auch am Gymnasium Vogelsang sei die Verunsicherung groß, berichtet Schülersprecher Rouven Böttner. Nach zwei Coronafällen im 11. Jahrgang war dort in der vergangenen Woche ein Unterrichtsboykott diskutiert worden. An der Geschwister-Scholl-Schule erschien ein Teil der Q2 gestern wieder zum Unterricht: „Ein Drittel von uns hat am Montag schon die negativen Testergebnisse erhalten“, sagt Sven Bechen.

Eine neue, landesweite Regelung gilt seit Dienstag für die Quarantäne. Diese kann von 14 auf zehn Tage verkürzt werden: „Aber nur, wenn am zehnten Tag ein negativer Test vorgelegt wird“, erklärt Stefanie Mergehenn. Das beziehe sich auf Personen, die ab 1. Dezember in Quarantäne geschickt wurden. Alle anderen müssten 14 Tage zu Hause bleiben.

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