Pandemie

Corona-Regeln: In Solingen bleibt man vorsichtig

Auch im Biologie-Kurs der Stufe EF an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule wird erst mal weiterhin Maske getragen. Foto: Christian Beier
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Auch im Biologie-Kurs der Stufe EF an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule wird erst mal weiterhin Maske getragen.

Bund und Land diskutieren, die Lockerungen bei den Corona-Regeln in den April zu verschieben.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Unter dem Namen „Freedom Day“ sollte am Sonntag ein großer Teil der Corona-Beschränkungen auslaufen und beispielsweise die Maskenpflicht in Geschäften wegfallen. Weil aber die Inzidenz auf einem Höchststand ist – bundesweit lag sie am Mittwoch bei 1607, in Solingen bei 1567 – beriet am Mittwoch der Bundestag zu dem Thema. Auch in NRW wird diskutiert, die Corona-Beschränkungen bis zum 2. April zu verlängern. Eine solche Übergangszeit steht im Entwurf des neuen Infektionsschutzgesetzes.

Auch in den Solinger Unternehmen schaut man interessiert auf diese Entwicklung. „Wir warten den Beschluss mit Blick auf den Arbeitsschutz ab und passen dann auf dieser Basis das eigene Hygienekonzept an“, erklärt Sebastian Assé, stellvertretender Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Stadt-Sparkasse. „Derzeit sind wir noch vorsichtig. Dort, wo Mindestabstände nicht eingehalten werden können, gilt für die Mitarbeiter Maskenpflicht. Auch finden viele Besprechungen digital statt.“

Neben internen Regelungen für die Beschäftigten ändern sich dann – früher oder später – aber auch die Vorgaben für die Kunden. Denn in den Geschäften ist dann das Tragen von Masken nicht mehr vorgeschrieben. „Wenn der Wegfall der Regeln vom Bund und letztendlich in der Verordnung des Landes vorgegeben wird, gilt das natürlich für die Kunden“, betont Stefan Decken, Mitinhaber der Buchhandlung Bücherwald. „Wir als Mitarbeiter haben aber geplant, trotzdem weiter eine FFP2-Maske zu tragen. Eine Infektion würde, auch wenn der Krankheitsverlauf nicht schwer ist, einen Arbeitsausfall bedeuten, im Falle der Ansteckung sogar von mehreren Mitarbeitenden. Das möchten wir nicht riskieren.“

Aktuell gibt es im Buchhandel außer der Maskenpflicht keine Zugangsbeschränkungen mehr. Das ist im übrigen Einzelhandel noch anders. Detlef Ammann, Vorsitzender des Werbe- und Interessenrings Solinger Innenstadt (W.I.R.), freut sich deshalb auf die Lockerungen und hofft auf eine Belebung der Stadt. In seinem eigenen Modegeschäft setzt er auf vernünftiges Verhalten. „Wenn mehrere Leute im Laden sind oder ein Kunde das wünscht, werde ich auch zukünftig eine Maske aufsetzen“, bleibt er weiter vorsichtig. Die bisherige Zugangsbeschränkung war für sein Geschäft keine große Einschränkung. „Wenn es mal voller war, haben die Kunden freiwillig draußen gewartet.“

NRW diskutiert, Maskenpflicht in Schulen bis Ostern beizubehalten

Bestehen bleiben soll die Maskenpflicht auch über den 2. April hinaus im öffentlichen Nah- und Fernverkehr, in Kliniken und Pflegeheimen. Für die Schulen wird im NRW-Landtag derzeit diskutiert, die Maskenpflicht vom 2. April bis bis zum Beginn der Osterferien am 11. April auszuweiten. Eine Aufhebung von Masken- und Testpflicht in den Schulen fänden aber nicht alle Solinger Schulen gut, weiß Schuldezernentin Dagmar Becker (Grüne) aus vielen Gesprächen: „Vor allen Dingen mit Blick auf die anstehenden Prüfungen vor den Sommerferien würden sich viele eine andere Regelung wünschen.“

„Auch wenn die Pflicht wegfällt, werden wir an unserer Schule angesichts der hohen Inzidenz sicherlich weiterhin Maske tragen“, so Elke Mosebach-Garbade, Leiterin der Geschwister-Scholl-Gesamtschule. „Auch als im vergangenen Jahr die Regeln für wenige Wochen gelockert wurden, haben unsere Schüler und Lehrer freiwillig an den Masken festgehalten.“

Dr. Georgios Sofianos, Oberarzt der Lungenfachklinik Bethanien, blickt aus medizinischer Sicht auf die angekündigten Lockerungen: „Aus ärztlicher Sicht ist die Aufhebung der Hygieneregeln vielleicht noch etwas zu früh, da wäre es besser, noch zu warten, bis die Inzidenz deutlich runter geht.“ Auf der Intensivstation in Bethanien gebe es aber einen erkennbaren Rückgang der schweren Covid-19-Fälle. „Die meisten der Corona-Patienten, die auf der Intensivstation sind, sind langfristige Behandlungen.“ Grundsätzlich sei es nicht falsch, die Schutzmaßnahmen zu reduzieren, so Sofianos. „Ich würde Menschen mit Risikofaktoren aber auf jeden Fall raten, noch vorsichtig zu sein und freiwillig beispielsweise die Maske in geschlossenen Räumen oder dort, wo es voll ist, zu tragen.“

Gastronomie

Aktuell: Für Gastronomie und Hotels gilt bereits seit dem 4. März die 3G-Regel, Diskotheken und Bars dürfen mit 2G-Plus-Regel öffnen. Die Höchstgrenze für Außenveranstaltungen liegt aktuell bei 25 000 Besuchern, die in Innenräumen bei 6 000 (maximale Auslastung von 60 Prozent).

Pro: Selbst entscheiden

Kommentar von Philipp Müller

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Die Inzidenzzahlen gehen nach oben, die Schranken der Maßnahmen senken sich nicht mehr. Das mag ein Widerspruch sein. Das Team „Vorsicht“ steht dabei nicht unbedingt gegen das Team „Sorglos“. Es ist jetzt nach zwei Jahren Erfahrung mit der Pandemie an der Zeit, selbst für sich und andere Verantwortung zu übernehmen. Wer die neuen Möglichkeiten wagt, sollte immer noch im Hinterkopf haben, dass weniger Kontakte und mehr Hygiene das Infektionsrisiko senken. Doch es soll jetzt auch jeder selbst entscheiden, wann er das Risiko eingeht. Der Staat darf uns das nicht dauerhaft abnehmen. Ein „Freedom Day“ ist das trotzdem nicht. Eher ein Verantwortungstag. Die Lockerungen sind kein Sieg der Montagsspaziergänger. Im Gegenteil: Sie sind ein Sieg aller, die sich haben impfen lassen und Covid-19 einen Teil des Schreckens genommen haben.

Contra: Vorsicht geboten

Kommentar von Kristin Dowe

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

„Freedom Day“, das klingt nach Konfettikanonen und der „Befreiung“ von Menschen, die vorher irgendwo eingekerkert waren. Allein der populistische Begriff für den Wegfall eines Großteils der Corona-Maßnahmen ist unglücklich gewählt – suggeriert er doch, dass die Pandemie nun vorüber ist, weil wir sie für beendet erklärt haben. Auch wenn die Krankheitsverläufe bei Omikron bislang überwiegend mild ausfielen und die Situation auf den Intensivstationen derzeit relativ entspannt ist, belasten die hohen Infektionszahlen unser Gesundheitssystem dennoch weiter – etwa durch hohe Krankenstände mit entsprechendem Personalausfall in den Kliniken und Arztpraxen. Auch ist keineswegs ausgemacht, dass die Inzidenzzahlen im Sommer tatsächlich sinken, da 2021 zu dem Zeitpunkt noch deutlich strengere Maßnahmen galten. Überstürzte Lockerungen könnten uns später um die Ohren fliegen. Vorsicht ist weiterhin geboten.

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