Langzeittrend wird angeheizt

Corona lässt Immobilienpreise steigen

Ein Rohbau am Buscher Feld in Gräfrath: Hier entstehen derzeit 14 Wohneinheiten auf rund 1300 Quadratmetern Wohnfläche. Die Fertigstellung ist für April 2021 geplant. Foto: Christian Beier
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Ein Rohbau am Buscher Feld in Gräfrath: Hier entstehen derzeit 14 Wohneinheiten auf rund 1300 Quadratmetern Wohnfläche. Die Fertigstellung ist für April 2021 geplant.

Zusätzlich zum Langzeit-Trend zeigen sich auf dem Markt nun die Folgen der Pandemie.

Von Timo Lemmer

Solingen. Auf dem Solinger Immobilienmarkt übersteigt die Nachfrage das Angebot – und zwar deutlich. „Wir können von einem sehr erfolgreichen Jahr berichten“, sagt Immobilienmakler Stefan Jäger von der Olaf Jansen GmbH. „Überhaupt gilt das für die gesamte Branche. Die Nachfrage ist weiter sehr stark.“

Jäger und weitere Solinger Immobilienexperten bestätigen dem ST, dass der langanhaltende Markttrend durch Corona nicht etwa eine Entspannung erfahren hat. Vielmehr tragen pandemiebedingte Faktoren dazu bei, dass der Langzeittrend durch kurzfristige Faktoren weiter angeheizt wird. „Es gibt nachhaltige Faktoren und dazu kommen mit Corona weitere“, sagt Nicolas Spengler von der Kissel-Immobilienverwaltung. „Ich denke, dass wir da noch nicht am Ende angelangt sind. Ich bin auch davon überzeugt, dass das Preise sind, die bleiben werden. Das ist keine Blase.“

Ein Grund, den Dirk Isenburg von Isenburg-Immobilien verstärkt wahrnimmt: „Das Zuhause hat bei vielen jetzt noch einmal einen höheren Wert bekommen.“ Weil sich in Zeiten von Kontaktbeschränkungen, Homeoffice und Co. viele Menschen deutlich mehr in den eigenen vier Wänden aufhalten als üblich, messen sie dem Zuhause einen immer größeren Stellenwert zu. Zeitgleich steige der Platzbedarf: „Das hat auch eine soziale Komponente.“ Diese Erfahrung hat auch Spengler gemacht: „Die Bedeutung des Eigenheims ist ganz aktuell noch einmal gestiegen.“

„Wie schaffen wir bezahlbaren Wohnraum für Solinger?“
Nicolas Spengler, Kissel-Immobilienverwaltung

Das sei schon seit der ersten Pandemie-Welle im Frühjahr spürbar: „Seit März gab es einen richtigen Schub und die Preise sind massiv gestiegen.“ Neben der immer höheren Wertschätzung für ein schönes Zuhause sei das auch die Flucht in Beton: „Viele haben sich immer intensiver mit dem Thema beschäftigt, und die niedrigen Zinsen haben dafür gesorgt, dass die Leute immer höhere Summen finanziert bekommen haben.“ Gerade zu Beginn der Krise hätten dann viele Käufer Nägel mit Köpfen gemacht, so Spengler. Insbesondere Arbeitnehmer, die Sorge davor hatten, in Kurzarbeit zu fallen, hätten sich damals noch schnell um eine Finanzierung gekümmert.

Gemein haben die Solinger Immobilienmakler, dass sie händeringend Objekte oder Bauland suchen. Jäger bekräftigt das. Gerade, um Neubauprojekte zu verwirklichen, suche man neue Grundstücke. Er wirbt: „Für Verkäufer ist es auch attraktiv. Denn sie können derzeit Preise wie noch nie erzielen.“

Corona und wirtschaftliche Probleme könnten mittelfristig eine Rolle spielen: Das werde wohl Immobilien auf den Markt bringen, die sonst gehalten worden wären. Aber: Nach Einschätzung der Experten wird das so gut wie keine Auswirkungen auf die Marktsituation haben. Isenburg: „Selbst wenn es Leute geben wird, die ihr Haus verkaufen müssen: Das würde die Lage auf dem Solinger Immobilienmarkt nicht drehen. Es würde sie aber zumindest entspannen.“ Auch Jäger sieht das so: „Es würde nur dazu beitragen, dass wir die Nachfrage etwas besser bedienen können.“ Denn neben kurzfristigen Faktoren sind es vor allem die großen Entwicklungslinien, die den Solinger Immobilienmarkt seit wenigen Jahren massiv beeinflussen.

„In Solingen hat man lange wie auf einer Insel gelebt“, sagt Spengler. „Mittlerweile haben wir starken Zugriff aus dem Kölner und Düsseldorfer Raum auf den Immobilienmarkt.“ Für diese Käufer seien die Solinger Preise weiterhin niedrig, so dass er „von einer nachhaltigen Steigerung“ ausgeht: „Das wird nicht wieder weggehen. Sorge bereitet, dass Solinger Familien mit diesen Preisen Probleme haben. Das ist ein Thema, mit dem wir uns stark beschäftigen müssen: Wie schaffen wir bezahlbaren Wohnraum für Solinger?“

Marktlage

Käufer: Im Grundstücksmarktbericht 2017 sei noch nicht erhoben worden, woher die Käufer kommen, so Nicolas Spengler. „2019 war es dann schon so, dass 34 Prozent der Käufer von außerhalb Solingens kamen. Davon sind dann zwei Drittel aus Köln oder Düsseldorf.“

Maklerprovision: Seit 23. Dezember zahlen Käufer und Verkäufer gesetzlich denselben Anteil. So werde sich Qualität noch stärker durchsetzen, sagt Makler Dirk Isenburg.

Standpunkt: Grenzen schnell erreicht

Von Björn Boch

Solingen wächst. Doch der Zuzug stellt die Stadt auch vor Probleme. Das Angebot an Wohnraum wächst nicht schnell genug mit – Faktoren wie die Pandemie und niedrige Zinsen sorgen dafür, dass das Angebot immer knapper wird. Also steigen in einer Marktwirtschaft die Preise. Es gibt aber ein Recht auf Wohnen, weshalb dieser Bereich nicht dem Markt allein überlassen werden kann.

bjoern.boch@solinger-tageblatt.de

Akteure wie starke Solinger Genossenschaften bremsen den Trend noch etwas. Und die Stadt hat mit der „Allianz Wohnen“ und dem passenden Handlungskonzept gezeigt, dass sie das Problem erkannt hat. Die nächsten Jahre werden zeigen, wie erfolgreich das umgesetzt wird – und zum Beispiel Bauflächen erschlossen werden können. 

Auch will die Politik vermehrt sozialen Wohnungsbau fördern. Das Problem existiert aber längst nicht nur in diesem Bereich. Auch Familien mit niedrigeren Einkommen erreichen ihre finanziellen Grenzen. Viele dieser Menschen tragen dazu bei, dass das Gemeinwesen funktioniert. Sie machen Solingen lebenswert. Wenn sie sich ein Leben hier nicht mehr leisten können, hat Solingen ein Problem.

Gemeinsam mit anderen Akteuren rund um das Thema Bauen und Wohnen will die Stadt Solingen im kommenden Jahr eine „Allianz für Wohnen“ gründen.

„City 2030“: Im Stadtplanungsausschuss stellte die Verwaltung erste Maßnahmen zum Innenstadtumbau vor - Umsetzung beginnt 2021.

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