Pandemie

Corona: Inzidenz liegt in Solingen erstmals über 1000

Das Infektionsgeschehen in Solingen.
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Das Infektionsgeschehen in Solingen.

Das Gesundheitsamt konzentriert sich bei der Kontaktnachverfolgung auf Schulen, Kitas, Pflegeheime und Krankenhäuser.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Eine Corona-Inzidenz von über 1000 – auch wenn dieser Wert faktisch bei den Corona-Bestimmungen keine Änderung für Solingen bedeutet, so ist es doch alleine psychologisch eine weitere hohe Messlatte, die am Donnerstag gerissen wurde. Mit dem aktuellen Wert von 1138,9 hat Solingen in Nordrhein-Westfalen den zweithöchsten Wert nach Bonn (1144,4). Damit liegt die Klingenstadt jetzt auch vor Wuppertal (1092,7), Leverkusen (948,1) und Remscheid (969,4). „Auch für den Donnerstag liegt die Zahl der Neuinfektionen bereits über 400, so dass in den nächsten Tagen weitere Sprünge zu erwarten sind“, skizzierte Guido Krämer vom Gesundheitsamt die „Vorreiterrolle Solingens beim Infektionsgeschehen aufgrund der umfangreichen Teststrategie“.

Die Zahl verschärft noch mal den Blick auf die noch beherrschbare Situation in den Kliniken und die Belastungsgrenze des Gesundheitsamtes. „Die außerordentlich hohen Zahlen an täglichen Corona-Neuinfektionen lassen das Gesundheitsamt der Stadt derzeit an seine personellen Grenzen stoßen. Daher ist es aktuell nicht mehr möglich, alle mit Corona infizieren Bürgerinnen und Bürger umgehend telefonisch zu kontaktieren“, skizziert Stadt-Sprecher Thomas Kraft die Situation. Alleine am Dienstag gab es beispielsweise mit 501 gemeldeten Neuinfektionen den höchsten Wert an Tagesneuinfektionen überhaupt – auch wenn darunter noch Nachmeldungen vom Wochenende waren.

Bei diesen Zahlen sehe das Gesundheitsamt sich gezwungen, sich schwerpunktmäßig auf die Infektionen in bestimmten Personengruppen zu konzentrieren. Dazu gehören vor allem Ausbrüche in Schulen, Kitas, Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäusern. Besonders in der Altersgruppe der unter 18-Jährigen ist die Zahl der vollständig Geimpften und Geboosterten noch vergleichsweise gering – und die Inzidenz dementsprechend hoch. Am Mittwoch lag die Inzidenz bei den 5- bis 9-Jährigen bei 2530,5, bei den 10- bis 14-Jährigen bei 2629,5 und bei den 15- bis 19-Jährigen bei 1506,3. Die derzeit niedrigsten Inzidenzen haben die Älteren, bei den 85- bis 90-Jährigen liegt sie beispielsweise bei 105,4. Angesichts der vielen Infektionen bittet die Stadt eindringlich darum, dass Infizierte sich umgehend eigenverantwortlich isolieren und ihre Kontakte informieren, wenn sie ein positives Testergebnis erhalten. „Betroffene mögen nicht erst auf den Kontakt zum Gesundheitsamt warten. Es können sonst wichtige Tage verstreichen“, betont Kraft. Die wichtigsten Quarantäne-Regeln im Überblick:

Isolation für positiv Getestete

Infizierte müssen zehn Tage in Quarantäne. Verkürzung ist nach dem siebten Tag mit einem negativen Bürgertest möglich, wenn mehr als 48 Stunden keine Symptome bestehen. Ausnahme: Beschäftigte in Kliniken und Heimen müssen nach Ende der Quarantäne dem Arbeitgeber einen negativen PCR-Test vorlegen. Infizierte müssen ihre Kontaktpersonen der letzten zwei Tage schnellstmöglich und eigenständig informieren.

Quarantäne für Kontaktpersonen im familiären Umfeld

Nicht immun: 10 Tage Quarantäne, Verkürzung nach sieben Tagen möglich mit negativem PCR-Test, bei Kita-Kindern und Schülern, die regelmäßig getestet werden, ist die Verkürzung auf fünf Tage möglich. Geboostert: Keine Quarantäne. Doppelt geimpft: Keine Quarantäne, die zweite Impfung muss mindestens 14 Tage, höchstens 90 Tage zurückliegen. Genesen: Keine Quarantäne, der positive PCR-Test muss mehr als 27 Tage, aber weniger als 90 Tage zurückliegen. Da die Stadt nicht mehr alle Fälle nachverfolgen kann, werden auch keine Genesenenausweise ausgestellt. Als Genesen gilt, wenn der positive PCR-Test zwischen 28 und 90 Tage alt ist.

Enge Kontaktpersonen

Menschen, die länger als zehn Minuten Kontakt hatten und keinen Abstand von 1,5 Metern gehalten oder Maske getragen haben, sollten sich als Kontaktperson testen lassen, auch wenn sie geimpft sind. Das gilt auch für Kontaktpersonen, die mit weniger als 1,5 Metern und ohne Maske miteinander gesprochen haben – unabhängig von der Dauer, ebenso für Menschen, die länger als zehn Minuten im selben Raum ohne Lüftung waren.

www.solingen.de

Standpunkt: Jeder ist verantwortlich

Kommentar von Simone Theyßen-Speich

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Die Zahl 1000 war am Donnerstag sicher ein Schock für viele Solinger. Natürlich wusste man, dass die Omikron-Welle, die im benachbarten Ausland und in vielen deutschen Städten schon für Inzidenzen in astronomischen Höhen gesorgt hat, auch an NRW und Solingen nicht vorbeischwappen würde. Eine vierstellige Inzidenz für die eigene Stadt zu sehen, wo wir vor gefühlt noch nicht allzu langer Zeit über 35er- und 50er-Inzidenz-Regeln diskutiert haben, erschreckt da schon. Noch beruhigend ist hingegen die Zahl der Solinger, die derzeit wegen einer Covid-19-Erkrankung im Krankenhaus behandelt werden müssen. Die lag am Donnerstag bei 22. Eine Erklärung, vielleicht sogar Beruhigung ist auch, dass Solingen ein vergleichsweise hohes Testaufkommen hat und auch in den vergangenen zwei Jahren immer „vor der Welle“ lag. Beruhigend deshalb, weil jeder bestätigte Infektionsfall besser ist als eine utopisch hohe Dunkelziffer. Wer weiß, dass er infiziert ist, kann und muss Maßnahmen treffen, um sein Umfeld zu schützen. Eigenverantwortung ist das Gebot der Stunde. Und die sollte sehr ernst genommen werden.

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